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03. Februar 2012  | Von Dirk Henninger

Big Beat, Synthiepop und Industrial

Einige Songs dürften Fans entzücken – Auch Clubtaugliches ist dabei

 
| Vergrößern | Suchterregend ist schon der Opener zum Soundtrack des jetzt angelaufenen Films „Drive“ (Szenenfoto mit Ryan Gosling). Foto: Universal

Wer auf ein neues Album der „Chemical Brothers“ wartet, sollte einen Blick in den Soundtrack-Sektor werfen. Denn zum kürzlich auf DVD erschienenen Agententhriller „Wer ist Hanna?“ haben die „chemischen Brüder“ Tom Rowlands und Ed Simons 20 neue Songs beigesteuert. „Hanna“ (Sony) kann also durchaus als Album des britischen Big-Beat-Duos eingestuft werden. Und so hört es sich tatsächlich auch an.

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Foto: Sony
Da es in dem Film um ein zur Killerin ausgebildetes junges Mädchen geht und es viele Bezüge zur Märchenwelt der Brüder Grimm gibt, klingen dabei einige musikalische Motive auf ironisierende Weise kitschig-naiv. So kommt im Opener „Hanna's Theme“ ein Glockenspiel zum Einsatz, während sich in „The Devil is in the Details“ gezupfte Geigentöne und Xylofon-Schläge mit lustigen Synthesizer- und Pfeif-Melodien abwechseln. Später wird dieses Motiv noch einmal mit einem ultrafetten Rhythmus, synthetischem Bassgedröhne und sirenenartigen Quietschsounds in einer Dancefloor-Variante namens „The Devil is in the Beats“ kombiniert, während eine Roboterstimme ständig „Rock the Beat“ dazwischenquatscht. Dieser Song, der sich hervorragend zum Aufmuntern von müden Partys eignet, wird jedem „Chemical Brothers“-Verehrer ein sehr breites Grinsen ins Gesicht zaubern. Dass die Big-Beat-Attacken in dem Film eher störend wirken und sich als Kuriosum zu sehr in den Vordergrund drängen, sollte die Musikfans nicht wirklich stören.

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Foto: B1/Universal
Der Soundtrack von Nicolas Winding Refns faszinierendem Neo-Noir-Thriller „Drive“ (B1/Universal) ist weniger wegen der Filmmusik von Cliff Martinez interessant, sondern weil darauf auch die fünf Pop-Tracks zu finden sind, die dem Film seinen speziellen Achtziger-Retro-Touch verleihen. Besonders der melancholische Opener „Nightcall“ von „Kavinsky & Lovefoxxx“ mit seinen drei verschiedenen Gesangsebenen und dem von einer Roboterstimme vorgetragenen Strophen-Text nimmt einen sofort gefangen und macht süchtig. Aber auch die Songs „Under your Spell“ von „Desire“ und „A Real Hero“ von „College feat. Electric Youth“ dürften Synthiepop-Fans entzücken.
Mehr in Richtung Score geht da schon das treibende Instrumental-Stück „Tick of the Clock“ von „The Chromatics“, das mit seinem behäbigen Bass-Geblubber einen starken hypnotischen Sog entwickelt. Der eigentliche elektronische Score von Martinez bleibt dagegen kaum haften, weil er auf Atmosphäre setzt, ohne besondere Aufmerksamkeit erregen zu wollen. Einige Stücke haben zwar elegisch-sphärische Qualitäten, und einige kommen zuweilen auch mal ein wenig in Fahrt, aber lediglich der letzte Track „Bride of Deluxe“ gerät dabei mit seinem Schlagzeug-Rhythmus in die Nähe von Pop-Gefilden.

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Foto: Mute/Goodtogo/Aip
Ähnlich verhält es sich auch mit der Filmmusik zu David Finchers US-Remake des Stieg-Larsson-Thrillers „Verblendung“: Auf „The Girl with the Dragon Tat-too“ (Mute/Goodtogo/Aip), wie der Film im englischen Sprachraum heißt, variieren Trent Reznor und Atticus Ross lediglich ihren 2011 oscarprämierten Score für „The Social Network“, ohne sich dabei auf der gleichen Qualitätsstufe zu bewegen. Und nur beim ruppigen Opener mit Gastsängerin Karen O, einer gelungenen Coverversion des „Led Zeppelin“-Stücks „Immigrant Song“, fällt noch auf, dass die beiden Komponisten einst hinter der Industrial-Rockband „Nine Inch Nails“ standen. Einen weiteren Coversong steuern Reznor und Ross mit ihrem eigenen Bandprojekt „How to destroy Angels“ bei: „Is your love strong enough“ von Bryan Ferry. Für die insgesamt 39 auf drei CDs verteilten Tracks des Soundtracks ist das eine recht geringe Ausbeute an lohnenswerter Musik.

Die ultra-ästhetische Titelsequenz aus „The Girl with the Dragon Tattoo“ mit dem „Immigrant Song“:

 
 
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