Bei seinen Konzerten mochte man sich fragen, wie jemand seinem Organismus derartige Energie und Leidenschaft abzwingen konnte – wenn er ihn doch gleichzeitig in derartigem Maße mit Genussgiften traktierte. So auch noch im November 2006 in der Darmstädter „Centralstation“ – beim dritten und letzten Auftritt dort am 5. März 2008 zündete Willy DeVille aus Protest gegen das auch über ihn verhängte Rauchverbot wenigstens eine Zigarette an – als winziges Fanal seines ohnmächtigen Zornes.
William Paul Borsey, 1950 geboren in Stamford – also ein Yankee aus Connecticut – gab dabei den intellektuell-dekadenten, hedonistischen Southern Gentleman aus New Orleans, mit spanischen Wurzeln. 2009 starb er an Hepatitis-C und Bauchspeichdrüsenkrebs in New York.
Jetzt ist ein mit „Willy DeVille: Unplugged in Berlin“ (bei Meyer Records) ein postumes Live-Album erschienen, mit dem sich Fans ein bisschen trösten können. Die am 21. März in der Berliner Columbiahalle „unplugged“ aufgenommenen 17 Songs mit den typischen Ansagen vermitteln eine akustische Vorstellung davon, welch charmanter und auch bissiger Entertainer Willy war.
Er hatte viele Klöpper aus dem reichen Schatz des Rock‘n‘Roll im Repertoire: Aus „Keep A Knocking“ und „Sea Cruise“ machte er ein feuriges Medley, stampfte bei „Shake, Rattle and Roll“ die Bühnenbretter, ließ den „Hound Dog“ von der Kette – schließlich hatte er als „Mink De Ville“ auch etliche Jahre das Rock-Fach besetzt.
Willy veredelte R‘n‘B-Balladen wie „You Better Move On“, schmachtete bei „Since I Met You Baby“ und „Spanish Harlem“ jede Rose im Saal einzeln an – doch sein Glanzstück war das mit dem Lokalkolorit des Alten Südens getränkte „Storybook Love“, hier in spartanischer Trio-Besetzung.
„Willy DeVille: Unplugged in Berlin“
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