Leuchtreklame zieht vorbei, Drive-In-Burgerläden, kleine, feine Sushi-Läden und die Fassaden eleganter Clubs. Pärchen stürzen sich in abendliche Vergnügen . Daniel Stelters Wagen, voll mit besten Kumpels, flitzt vorbei: kein Angeberauto mit Spoiler und Spezialfelgen, sondern ein, sagen wir mal, kleiner, cleverer roter Sportwagen mit zurückgekrempeltem Faltdach. Geschmeidig bewegt er sich durch alle Straßen und Gassen und tut nur das Nötigste, um seine Eleganz dezent in Szene zu setzen. Das sind so die Bilder, die einem in den Kopf kommen, wenn man Selters zweites Soloalbum auflegt. „Krikelkrakel“ ist eine ebenso anregende wie unterhaltsame Fahrt durch urbane Klanglandschaften, mit einfühlsamen Begleitmusikern und zudem perfekt produziert – auch das hat Stelter selbst besorgt, ebenso wie die Arrangements der 13 Stücke. Respekt.„Ich wollte eine verständliche und zugängliche Jazzplatte machen“, erklärt er im Begleittext. Das traut sich nicht jeder Jazzer. Vor allem kriegt das lange nicht jeder Jazzer hin. Dieser jugendlich wirkende Vielseitigkeits-Künstler schon.Eingängig sind tatsächlich viele der selbst komponierten Stücke. Kurze, knapp angerissene Motive – Melodienfetzen, Riffs, rhythmische Muster – bilden den Grundstock für diese schöne Minimal Art. Gefällig klingt das oft, aber nie anbiedernd oder gar platt: Vorher haben Stelter und seine vier Mitstreiter längst die Kurve gekratzt, sind mit ihrem Flitzer schon eine Ecke weiter, einen Harmoniesprung oder eine überraschende Wendung entfernt. So stark die einzelnen Songs (bis auf zwei Ausnahmen Instrumentals) für sich wirken: Das Ganze wird durch einen zugleich weichen wie trockenen Gesamtklang zusammengehalten. Ein wenig Retro-Charme versprühen Moog und Rhodes-Piano; der Bass ist voluminös und rund, das Schlagzeug groovt zuverlässig. Und Stelters E-Gitarre? Eine eher spröde Schönheit. Schlank, elegant, trippelt bisweilen nervös auf der Stelle, bevor sie auch nur einen Schritt zu viel macht. Bei „Clockticks“ tickert Stelter weitgehend nur auf einem einzigen Ton herum, schabt und kratzt und umkurvt ihn. Seit „One Note Samba“ hat man so was Schönes nicht mehr gehört. Könnte ein Klassiker werden. Stelter gibt im Februar folgende Konzerte in Südhessen: am 8. in der Bessunger Knabenschule, Darmstadt, 9. bei „Jazz im Busch“, Mannheim, 12. auf der Studiobühne, Fürth, 13. Klangraum, Mainz.
„Krikelkrakel“ von Daniel Stelter
Fast so cool wie Cruising mit dem Sport-Coupé: Ein junger Jazzgitarrist und seine Band mixen Minimalismus und Retro-Charme - Auf Südhessen-Tour mit CD „Krikelkrakel“
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