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08. Februar 2012  | kfe

„Für Anfänger“ von „Die Sterne“

 
| Vergrößern | Über 30 und immer noch dagegen: „Die Sterne“ rund um Frontmann Frank Spilker. Foto: Band

Es ist ja bei Bands, die schon ein bisschen länger existieren, Mode, entweder Live-Alben am laufenden Band herauszubringen oder Altes noch mal neu einzuspielen. Jetzt hat letztere Marotte auch Deutschlands Diskursrock-Band Nummer 1, „Die Sterne“, erwischt. Als diese sich vor 20 Jahren gründeten, ging es noch um Eklektizismus und den System-Fick, jetzt ist alles nur noch „Hamburger Schule“.
Die Jungs um Frank Spilker, inzwischen gestandene Männer, wollen offenbar nicht vergessen werden und belehren daher die neue, heranwachsende (kolossale) Jugend mit dem Einsteiger-Werk „Für Anfänger“ („Sterne“-eigenes Label Materie Records), damit am Ende nicht nur alles „Kraftklub“ ist, was mit „Universal Tellerwäscher“ anfing.
Dieser Hit der „Sterne“ von 1994 ist natürlich auf dem 7-Stück-Mini-Album drauf, sowie das Generationen-Brüll-Stück „Was hat dich bloß so ruiniert?“ von 1996 und „Fickt das System“ von 1992. Aber, das wird vielleicht auch Spilker gemerkt haben, wenn er in den vergangenen vier Jahren bei Konzerten mal vom Konzeptblatt auf- und in die Menge geguckt hat: Das Problem ist nicht, dass „Die Sterne“ heute vergessen sind.
Denn genau die alten intellektuellen Gassenhauer können die heutigen Abiturienten mit Nerdbrille und Ringelpulli erstaunlicherweise genau so gut auswendig wie die mit Hornbrille und Trainingsjacke in den 90ern. Zum anderen klingen die Rerecordings nicht wesentlich anders als die Erstveröffentlichungen: Ein bisschen mehr rockige Gitarre hier, wo vorher nur Synthie war und umgekehrt, dort ein schnellerer Gesang, da eine sauberere Abmischung.
Spannend wäre eher gewesen, ausgewählte Stücke der letzten beiden Alben von den heutigen Jungstars der deutschen Szene remixen zu lassen, wenn's um die entsprechende Wahrnehmung in einer vermeintlich neuen Zielgruppe geht. Dass „Für Anfänger“ die Anschaffung aber dennoch lohnt, dafür sorgen die groovig-entschleunigten Cover von „Ich weigere mich aufzugeben“ (Original von „Superpunk“) und „Ich halte es nicht aus“. Dies stammt – Achtung, Klüngel – von „Die Türen“, auf deren Label wiederum die „Frank Spilker Group“ veröffentlichte.
Außerdem haben „Die Türen“ mit Keyboarder Michael Mühlhaus und Schlagzeuger Markus Spin zwei ehemalige „Blumfeld“-Mitglieder. Und „Blumfeld“, genau, das war zusammen mit „Tocotronic“ die andere große „Hamburger Schule“-Band der 90er. Bleibt das Covern als popkultureller Akt der Referenz und Ehrerbietung. Aber selbst das ist keine große Nummer mehr, seitdem die „Beatsteaks“ zusammen mit „Turbostaat“ „Hell on wheels“ von „Fu Manchu“ als deutsche Version „Frieda und die Bomben“ gecovert haben. Und die hatten und haben da hörbar mehr Spaß dran.

| Vergrößern |
Coverfoto: Materie Records

 


Hier noch mal ganz was anderes: Frank Spilker mit Oberlippenbart und dem „Universal Tellerwäscher“ als Akustik-Version:



 
 
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