DARMSTADT.
Wenn die junge Geigerin Caroline Adomeit ihr Lieblingsstück ,,Tango en Skai" von Ronald Dyens zelebriert, dann spielt sie nicht nur hinreißend auf ihrer Violine, sie fängt auch regelrecht an zu tanzen, als sei das Musikinstrument ihr lieb gewordener Partner. Und bei den Zugaben, dem zündenden Tango ,,Jalousie" von Jacob Gade und dem zweiten ,,Ungarischen Tanz" von Johannes Brahms, geht sie gleichsam spielend aufs Publikum im Vortragssaal der Landesbibliothek im Darmstädter Schloss zu, als wolle sie jeden Einzelnen zum Benefiz für die Spendenaktion ,,ECHO hilft" gewinnen, deren Erlös den Kindern des Aufbauzweiges der Christophorus-Schule zugute kommen soll.Das äußerst anspruchsvolle Programm offenbart die stilistische Bandbreite der hoch begabten Musikerin, die derzeit in der Meisterklasse von Kolja Blacher in Hamburg studiert. Makellos spielt sie die große Chaconne aus Bachs d-Moll-Partita für Violine solo, und dabei bewältigt sie nicht nur sicher die technischen Probleme, sondern sie haucht dem Stück Leben ein durch die natürliche Musikalität, mit der sie Spannungsbögen entwickelt, ohne die tänzerische Grundfigur, auf der Bach seine Architektur aufbaut, zu vernachlässigen. Genauso eindrucksvoll gestaltet sie die dreisätzige Solosonate op. 27 Nr. 4 von Eugène Ysaye, die der belgische Virtuose und Komponist seinem berühmten Kollegen Fritz Kreisler widmete. Die technischen Finessen gelingen scheinbar mühelos, und man versteht, warum Caroline Adomeit ihrem Programm das Motto ,,Musikalische Saitensprünge" vorangestellt hat.Zu Beginn spielt sie die kaum weniger vertrackte D-Dur-Sonate für Violine und Klavier op. 94 von Sergej Prokofjew mit Temperament und Sentiment, wobei sie auch vor manchen gefühlvollen Schluchzern nicht zurückscheut. Rochus Holewik begleitet am Flügel gewandt und zurückhaltend, und es scheint, als wolle er der angehenden Stargeigerin auch akustisch unbedingt den Vortritt lassen. Im übrigen moderiert er geschickt die Vortragsfolge und streut manche anekdotische Bemerkung ein. Zum Ende des Konzerts hin wird die Stimmung lockerer, wenn Caroline Adomeit Hits wie den Song ,,Somewhere" aus Leonard Bernsteins ,,West Side Story" oder die brillante Mazurka von Antonin Dvo?ák präsentiert. Das Publikum ist begeistert und klatscht nach jedem einzelnen Satz. Und die Zugaben werden schließlich mit lauten Bravo-Rufen quittiert.
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