DARMSTADT.
,,Riesenlob für ein tolles Festival": Katrin Fülbert ist zum ersten Mal beim Open Air am Steinbrücker Teich, und sie ist begeistert. Die zwanzigste Auflage des Konzertspektakels zog am Samstag rund 3000 Besucher auf das idyllische Gelände am Oberwaldhaus.Die Veranstalter verfolgen seit nunmehr zwei Jahrzehnten eine klare Philosophie: Der Eintritt ist frei, die rund 40 Helfer arbeiten allesamt ehrenamtlich, und lokale Bands aus dem Darmstädter Raum dürfen sich im Sog einer überregional bekannten Hauptgruppe einem großen Publikum präsentieren.Schon am frühen Nachmittag bevölkern einige hundert Besucher das Gelände. Bei sommerlichen Temperaturen gönnen sich manche eine Partie Minigolf, sitzen in Grüppchen auf der Wiese, flanieren zwischen See und den beiden Bühnen, auf denen bald abwechselnd die Bands ohne Umbaupausen spielen werden. Schließlich knallt ein Schlagzeug, Gitarren sägen, und der wachsende Menschenstrom konzentriert sich vor der Bühne, wo ,,Li Ark" aus Darmstadt mit einem Cocktail aus treibenden Grooves, eingestreuten Offbeat-Rhythmen und eingängigen Melodien für einen gelungenen musikalischen Auftakt sorgen. Nahtlos geht es danach weiter auf der anderen Bühne mit ,,Atlan", die mit rohem, ungeschliffenem Post-Punk und intelligenten deutschen Texten überzeugen. Dann geht es hart zur Sache: ,,Unknown Darkness" aus Groß-Umstadt bieten eine Mischung aus Death- und Thrashmetal mit eingestreuten Hardcore-Elementen, türmen bei Stücken wie ,,Dead Or Alive" mächtige Gitarrenwände auf, und einige Besucher lassen sich von der Energie derart mitreißen, dass für sie der Auftritt noch verschwitzter als für die Musiker endet.Die Stimmung ist auf einem hohen Level angelangt, als das Darmstädter Quartett ,,Läs Vegäs" ihren zuckersüßen Poppunk mit nicht ganz bierernsten Texten darbietet, gefolgt von ,,Wight", die einem gänzlich anderen Stil frönen: Mit langsamem, psychedelisch angehauchtem Doom-Sound in Black-Sabbath-Manier, intensiv und auf technisch hohem Niveau, bietet das Trio einen weiteren Nachweis für die Vielfalt und Klasse der hiesigen Musikszene.Etwas Besonderes haben sich ,,47 Million Dollars" einfallen lassen: Die Darmstädter Hardcore-Veteranen haben sich flugs eine Legende angedichtet, nennen sich an diesem Abend ,,47 Baseball Bats From Moscow" und sind angeblich, aus Russland stammend, das erste Mal live in Deutschland zu sehen. Sänger Todd, der für diesen Auftritt als Toddwelij firmiert, erscheint mit Pelzmütze auf dem Kopf, radebrecht eine Begrüßung auf englisch mit russischem Akzent, ein Polka-Intro ertönt, und dann wird es für 45 Minuten turbulent auf und vor allem vor der Bühne.Zum treibenden Hochgeschwindigkeits-Hardcore mit deutschen Texten geht es mächtig zur Sache, immer wieder erklimmen Besucher das Podium, brüllen einige Textzeilen mit, springen in die Menge und lassen sich von dieser tragen. In das Stück ,,Mein Ball Du Bastard" mogelt sich ein Ivan Rebroff-Part, und die vordere Reihe wird mit reichlich Wodka versorgt.,,The Real McKenzies" aus Kanada, die als Headliner gewonnen werden konnten, haben sich mit unzähligen energiegeladenen Shows weltweit einen exzellenten Ruf erspielt und untermauern diesen auch am Steinbrücker Teich. In Kilts und langen Kniestrümpfen kombinieren sie hymnischen, rauen Punksound mit Elementen schottischer Volksmusik, krachige Gitarren treffen auf Dudelsackpassagen und eingängige Mitsingrefrains - eine äußerst tanzbare und partytaugliche Mixtur, die durch eine charismatische Bühnenpräsenz und sympathische Ansagen abgerundet wird. Gegen Mitternacht ertönt der Schlussakkord und beendet die Jubiläumsausgabe des erneut friedlichen, fröhlichen, abwechslungsreichen und äußerst stimmungsvollen Festivals.




Merken
|













