OBER-RAMSTADT.
An einem lauen Abend versammelt sich eine ansehnliche Menschenmenge auf dem Rathausplatz und genießt eine musikalische Doppelbehandlung mit beglückenden Nebenwirkungen. So geschehen am Donnerstag in Ober-Ramstadt.Zunächst lauscht das altersmäßig gemischte Publikum eher andächtig der rein akustischen Darbietung der beiden Hauptakteure von ,,Fools Garden", Peter Freudenthaler und Volker Hinkel. Mit dem lyrisch-zarten Song ,,High Time" zieht das Pforzheimer Duo zunächst mit musikalischen Mitteln gegen das grassierende Phänomen der Oberflächlichkeit zu Felde. Eher amüsiert reagiert das Publikum auf die zuweilen launigen Ansagen von Sänger Freudenthaler, der mit rollendem R in dem Song ,,Look it a While" mit Peter Maffay kokettiert. Ihm zur Seite sitzt Gitarrist Volker Hinkel, dessen Klangbeiträge zwischen dezent schwingenden Melodiebögen und zupackendem Schrammelsound oszillieren.Natürlich kommen die bekennenden Beatles-Fans ,,Fools Garden" nicht umhin, den obligatorischen Gute-Laune-Hit ,,Lemon Tree" zum Besten zu geben. Mit der Zugabe ,,Don't let it in" ist dann der mehr als einstündige Set des Badener Duos beendet und das Feld für den Keyboarder Ken Hensley samt Begleitband in Ober-Ramstadt bereitet.Der isländische Sänger Eric Hauksson gibt mit der sich sogleich selbst erfüllenden Prophezeiung ,,Play me a Rock'n Roll tune" die Richtung vor. Doch bevor der Fünfer mit Steuermann Hensley die höchste Schlagzahl erreicht, drosselt der durch seine maßgebliche Arbeit für ,,Uriah Heep" weltbekannte Brite das Tempo.Das episch ausufernde ,,July Morning" aus den Siebzigerjahren überzeugt mit hingetupften Keyboard-Akkorden von Hensley, der sakral anmutende Klanggebäude errichtet. Schließlich kulminiert die ausgefeilte Komposition in einem Gitarrengewitter von Adax Dörsam und Stephan Ullmann sowie einem wuchtigen finalen Schmetterschlag von Schlagzeuger Armin Rühl.Der aktuelle Hensley-Song ,,I cry alone" überzeugt ebenfalls. Zu Eric Haukssons hingebungsvoll mit geschlossenen Augen intoniertem Verlassenheits-Lamento gesellt sich ein jaulendes Gitarrensolo von Stephan Ullmann, das zusammen mit Bühnennebel und leicht grummelndem Bass von Chuck Tscheschner melancholische Stimmung verbreitetDie verfliegt dann schlagartig, wenn Hensley zusammen mit seiner Begleitband mit ,,Gypsy", ,,Easy Livin", und ,,Lady in Black" drei ,,Uriah-Heep"-Standards aus dem Ärmel schüttelt und die Stimmung vor der Bühne zum Kochen bringt. Der Jubel kennt keine Grenzen.
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