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01. Dezember 2009 Von Klaus Trapp

Ein Leben für die Musik

Porträt: Der Darmstädter Dirigent Hans Drewanz feiert am Mittwoch seinen 80. Geburtstag

| Vergrößern | Hans Drewanz in seinem Haus auf der Darmstädter Rosenhöhe – morgen (Mittwoch) wird der Dirigent 80. Foto: günther jockel
DARMSTADT. 
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Hans Drewanz in seinem Haus auf der Darmstädter Rosenhöhe – morgen (Mittwoch) wird der Dirigent 80. Foto: günther jockel


Als Hans Drewanz 1963 das Amt des Generalmusikdirektors am Landestheater Darmstadt übernahm, dirigierte er als erste Oper in der Orangerie, der damaligen Interimsbühne, Igor Strawinskys ,,The Rake's Progress" (Der Wüstling). ,,Lasst uns zu den alten Meistern zurückkehren, und es wird ein Fortschritt sein", hatte Strawinsky in seiner ,,Musikalischen Poetik" bekannt, wobei er sich auf Verdi berief. Und Hans Drewanz folgte ihm auf diesem Weg, wenn er die Verknüpfung klassischer Formen mit modernen Ausdrucksmitteln aufgriff, um daraus eine überzeugende Einheit zu gestalten. Zeit seines Musikerlebens hat Drewanz zwischen Alt und Neu keinen Widerspruch gesehen, sondern allein die künstlerische Qualität als Richtschnur anerkannt. Neben einer intensiven Pflege der klassisch-romantischen Musik ist er immer neugierig gewesen aufs Unerhörte, hat sich für die moderne Musik in Oper und Konzert eingesetzt, was unter anderem zahlreiche Uraufführungen beweisen. Dabei kam ihm sein Dirigierstil entgegen, der Präzision mit Durchsichtigkeit, Stilsicherheit mit Temperament verbindet. Dazu tritt eine profunde Werkkenntnis, die gepaart ist mit der Gabe zur Einfühlung in die jeweilige Komposition.
Buch
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In der kommenden Woche
erscheint in der Darmstädter Schriftenreihe der Band „Hans Drewanz in Darmstadt“.

Am Mittwoch (2.) wird Hans Drewanz 80 Jahre alt. Geboren wurde er in Dresden, seine Jugendzeit verbrachte er in Berlin. Nach dem Studium an der Musikhochschule in Frankfurt am Main wurde er Studienleiter und persönlicher Assistent von Georg Solti an der Frankfurter Oper, an die er in späteren Jahren mehrfach als Gast zurückkehrte. Als jüngster Generalmusikdirektor wurde er 1963 ans Darmstädter Theater berufen, wo er über dreißig Jahre lang wirkte. Bis 1972 diente die Orangerie als Behelfsspielstätte, und dort gelangen trotz der räumlichen Beengungen exemplarische Aufführungen, was aus heutiger Sicht fast unglaublich anmutet. Eng arbeitete er dort mit Regisseuren wie Harro Dicks oder Bohumil Herlischka zusammen. Man erinnert sich beispielsweise an eine klassisch-ausgewogene ,,Iphigenie " von 1964, einen wunderbar leichtfüßigen ,,Figaro" von 1969, an Strauss-Opern wie ,,Salome", ,,Elektra" und ,,Rosenkavalier" in den sechzigern Jahren, an Alban Bergs ,,Lulu" oder Paul Hindemiths frühe Opern-Einakter.

Nach der Eröffnung des neuen Theaters 1972, vor allem unter dem späteren Intendanten Kurt Horres, weiteten sich die Perspektiven, und in den Folgejahren gelangen Drewanz bemerkenswerte Uraufführungen wie Giselher Klebes ,,Fastnachtsbeichte" (1983) oder Peter Maxwell Davies' ,,Resurrection" (1988). Und überhaupt zeigte sich die Aufgeschlossenheit von Hans Drewanz für alles Neue im Opernspielplan. Man denkt an Brittens ,,Tod in Venedig" und ,,Peter Grimes", Dessaus ,,Verhör des Lukullus", Strawinskys ,,Nachtigall" oder Udo Zimmermanns ,,Der Schuhu und die fliegende Prinzessin" sowie ,,Levins Mühle".

Dass Drewanz das Orchester des Staatstheaters zu außerordentlichen Leistungen geführt hat, bestätigten natürlich auch die Sinfoniekonzerte, die durch die einfallsreiche Programmgestaltung bewiesen, dass, wie in der Oper, das Neue neben dem Vertrauten seinen Platz hatte. So setzte sich Drewanz häufig für zeitgenössische Komponisten ein, deren Werke in Darmstadt ihre Uraufführung erlebten: Hans-Jürgen von Boses ,,Symphonisches Fragment", Hans Ulrich Engelmanns ,,Stele für Georg Büchner", Lutz Werner Hesses ,,Nachstücke" und ,,Konzert für Orchester", Cord Meijerings Sinfonie ,,Das Licht des Mondes", Aribert Reimanns ,,Ein Traumspiel" und ,,Erste Duineser Elegie". Ein selbstverständlicher Schwerpunkt in der Arbeit des Dirigenten war die große Sinfonik, bei deren Wiedergabe er mit Erfolg Transparenz und Innenspannung zur Deckung zu bringen suchte. Von Joseph Haydn, dem Vater der klassischen Sinfonie, erklangen im Lauf der Jahre fast alle bedeutenden Orchesterwerke, von Mozart und Beethoven die großen Sinfonien und Solokonzerte. Die romantische Sinfonik von Schubert über Brahms und Bruckner reichte im Programm bis zu Mahler, dessen Sinfonien und Orchesterlieder vollständig im Repertoire von Drewanz vertreten sind. Wichtig für ihn waren auch Kompositionen der neuen Wiener Schule - vor allem von Schönberg, Berg und Webern - , und der frühen Moderne mit Strawinsky, Bartók, Hindemith und Schostakowitsch, dessen sinfonisches Schaffen sich im Spielplan der Sinfoniekonzerte immer wieder spiegelte.

Hans Drewanz wird im Februar 2010 als Leiter des 5. Sinfoniekonzerts ans Pult des Darmstädter Staatsorchesters zurückkehren und neben der vierten Sinfonie von Brahms und Sätzen aus ,,The Dream of Gerontius" von Elgar die Ekklesiastische Aktion ,,Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne" von Bernd Alois Zimmermann aus dem Jahr 1970 dirigieren - auch dies ein für den Jubilar typisches Programm.

Nach der Verabschiedung in den Ruhestand begann der vielfach Geehrte, der unter anderem die Goethe-Plakette des Landes Hessen und die Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt erhalten hat, eine rege Tätigkeit als Gastdirigent, wobei das Berner Opernhaus bis 2007 für ihn einen oft besuchten Schwerpunkt bildete. Daneben reiste Drewanz häufig zur Königlichen Oper Stockholm, zur Deutschen Oper Berlin, zum Münchener Nationaltheater, nach Frankfurt und Düsseldorf. Er war ferner in Finnland, Frankreich, Holland, Italien und Polen ein gefragter Gast. Besonders enge Kontakte knüpfte er nach Japan, wo er mehrmals auf weiten Tourneen mit dem dortigen NHK-Orchester unterwegs war.

Hans Drewanz, der nach wie vor auf der Darmstädter Rosenhöhe wohnt, kann an seinem 80. Geburtstag also auf ein reiches, mit Musik erfülltes Leben zurückblicken, doch der Unermüdliche wird auch in Zukunft mit seinem Taktstock aktiv bleiben, die alten Meister mit den Tönen der Gegenwart versöhnend.


 
 


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