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07. Mai 2010 Von Christian Knatz

Ehre für einen Meister aus Darmstadt

Musik: Das Ensemble ,,Bell'arte Salzburg" wartet mit Ersteinspielungen von Christoph Graupner auf - Am nächsten Wochenende folgen Vorträge und Konzerte rund um den Hofkapellmeister

Die CD

Telemann – Graupner – Vivaldi. Concerti d’amore. Bell’arte Salzburg. Berlin Classics. Bestellnummer 001671BC


Es klingt ein bisschen, als hätte sich ein Klezmer-Klarinettist mit samtigem Ton in ein Barock ensemble verirrt. Zu hören ist aber das von Christian Leitherer gespielte Chalumeau, ein Vorläufer der Klarinette. Viel zugetraut hat der Komponist Christoph Graupner dem Bläser in der Ouvertüre F-Dur offenbar nicht. Doch prägt der Klang des noch in der Entwicklung begriffenen Instruments eine neue Einspielung, die fesselnd und zugleich lehrreich ist. Sowohl das Chalumeau als auch Graupner waren Außenseiter und auch wieder nicht.

Die bei Edel unter dem Label Berlin Classics herausgegebene CD des Spezialisten-Ensembles ,,Bell'arte Salzburg" wartet zum 250. Todestag des Darmstädter Hofkapellmeisters mit gleich zwei Erst-Einspielungen seiner Werke auf. Beide belegen, dass Graupner eben nicht nur Begleitmusiker der jagdverrückten Landgrafen war, sondern Bindeglied zwischen musikalischen Epochen.

Die Ouvertüre ist orientiert am barocken Formtyp bis hin zu den gern im Volkston gehaltenen Suitensätzen. Gleichzeitig weist der konzertante Einsatz der Solisten ebenso auf die sogenannte Mannheimer Schule, einem Laboratorium der Klassik, und weit darüber hinaus wie eben der Einsatz des damals modernen Chalumeaus.

Dessen Spieler haderten zu Graupners Zeiten noch mit kleinem Tonumfang und heikler Stimmung, was sich Christian Leitherer kaum anmerken lässt. Jahre später schaffte das Nachfolge-Instrument den Durchbruch zum Solisten bei Stamitz oder Mozart.

Dass Graupners Werk kein bisschen zopfig klingt, hat auch mit dem Einsatz von ,,Bell'arte Salzburg" zu tun. Die neun Musiker kommen dem Ideal des Konzertierens als freundschaftlichem Wettstreit Gleichrangiger sehr nahe. Dazu bieten sie ein wahres Exotarium an Instrumenten auf.

Eine Traversflöte darf in Graupners Ouvertüre hervortreten, die Viola d'amore, eine Gamben-Verwandte mit sanft schillerndem Ton, hier wie in einem B-Dur-Konzert des Darmstädters. Auch dieses Stück wirft im Wechsel springlebendiger und ätherischer Passagen die Frage auf, warum Graupners riesiges Werk ganz überwiegend ungespielt im Darmstädter Staatsarchiv lagert.

Ensemble-Leiterin Annegret Siedel, die auf der CD gleich drei verschiedene Violae d'amore präsentiert, darf sich in einem Vivaldi-Konzert solistisch entfalten und in einem Konzert von Georg Philipp Telemann zusammen mit Traversflöte und Oboe d'amore ein schönes Bild mit gedeckten Klangfarben malen.

Schon wieder führt die Spur nach Darmstadt: Telemanns Stück ist nur in einer Abschrift Graupners überliefert, dem fast zeitgleich zweimal die Ehre erwiesen wird: Die CD wird am 14. Mai veröffentlicht; diesen Tag und die beiden darauffolgenden hat die rührige Christoph-Graupner-Gesellschaft in Darmstadt Leben und Werk des Meisters gewidmet.

Am 14. (Freitag) beginnt um 14 Uhr eine Reihe von Vorträgen im Karolinensaal des Staatsarchivs, die an den beiden folgenden Tagen ab 9.30 Uhr fortgesetzt wird. Am 14. Mai spielt die kanadische Cembalistin Geneviève Soly ab 20 Uhr in der Orangerie Stücke von Graupner und Händel. Tags dar auf werden dort ab 20 Uhr unter der Leitung von Florian Heyerick Szenen und Arien aus zwei Opern des Geehrten aufgeführt. Es spielt das Ensemble ,,Ex Tempore".

Am Sonntag (16.) schließlich gastiert ab 20 Uhr in der Orangerie das von Michael Schneider geleitete Ensemble ,,La Stagione". Neben Werken von Graupner sind Stücke zu hören, die er vermutlich mit seiner Hofkapelle in Darmstadt aufgeführt hat.


 
 


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