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18. Mai 2010 Von Albrecht Schmidt

Der Zauber währt nur kurz

Graupner-Tage: Abschluss der großen Hommage an den Darmstädter Hofkomponisten mit einem Konzert in der Orangerie

DARMSTADT. 


Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte Christoph Graupner im Dunkeln. Er war blind geworden. Dennoch behielt er bis zu seinem Tod vor 250 Jahren seine Anstellung in der Darmstädter Residenz, wo er 50 Jahre lang wirkte und eine Fülle von Kompositionen hinterließ. Einen Einblick in seine Instrumentalwerke konnte man am Sonntag beim Konzert ,,Graupner und die Sinfonie" gewinnen. Es war der Abschluss der Darmstädter Graupner-Tage, die sich mit einem Symposium und musikalischen Abendveranstaltungen auf Spurensuche begeben hatten - wir haben berichtet.

In ,,La Stagione" aus Frankfurt war ein Spezialensemble gewonnen worden, das - jenseits von Konfektion und Konvention - unter der Leitung von Michael Schneider Sinn für das Individuelle und Besondere besitzt und bereit ist, vergessene Meisterwerke aufzuspüren und aufzuführen. Im gut besuchten Konzert in der Orangerie stellte ,,La Stagione" zwei Instrumentalwerke Graupners vor, die eng miteinander verbunden sind und zeigen, wie der Komponist sich mit dem Wandel seiner Zeit auseinandersetzte. Graupner erkannte, dass die barocke Opern-Suite ausgedient hatte, und erprobte im Alter die sich eröffnenden Möglichkeiten, die unter anderem aus Mannheim herüberwehten: In seiner Sinfonie F-Dur verwendete er musikalisches Material wieder, das ihm zuvor in seiner Ouvertürensuite in gleicher Tonart gedient hatte. Er stellte es in neue musikalische Zusammenhänge und wählte eine andere Instrumentierung.

Mit Verve, Esprit und körperbetontem Spiel, das bei der Konzertmeisterin fast als übertrieben empfunden werden könnte, formt ,,La Stagione" die Abschnitte der Suite aus. Der Fugato-Teil des dem französischen Ouvertürenmodell folgenden Eröffnungssatzes kommt mit frechen Repetitionen tänzerisch schwingend daher. Graupner wartet mit charmanten Charakterisierungen (,,Le Contentement", ,,Le Desire") und mancherlei Überraschungen auf.

Seine Musik stiftet zauberhafte Momente, aber keine großen Zusammenhänge; sie wirkt teilweise spröde, schwer fasslich und bleibt im Resultat unverbindlich. Zu den historischen Verdiensten Graupners gehören vor allem seine Noten-Kopien von Werken ihm bekannter Komponisten der folgenden Generation: Im Darmstädter Konzert sind dreisätzige Sinfonien von Johann Stamitz und von Johann Gottlieb Graun zu hören - facettenreich und farbig gestaltete Beispiele, die unter Michael Schneiders impulsivem Dirigat beweisen, wie sehr die Instrumentalmusik vor 250 Jahren noch rhetorischen Affektcharakter hatte.

Im Zentrum des Konzertes stehen zwei Solokonzerte: Michael Schneider brilliert mit schäumendem, bunt koloriertem Figurenwerk in Johann Friedrich Faschs ,,Concerto für Blockflöte und Streicher" und teilte sich die solistischen Aufgaben in Telemanns ,,Concerto für Blockflöte, Traversflöte, Streicher und Basso Continuo" mit Karl Kaiser.


 
 


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