Die Darmstädterin Silvana Battisti ist seit 2002 die weibliche Hälfte des Indie-Duos „Woog Riots“, das inzwischen weit über die regionalen Grenzen hinaus und teilweise sogar im Ausland bekannt ist. Battisti hat mit Kollege Marc Herbert bisher zwei Alben veröffentlicht. Die beiden legen auch als „Woog Riots“-DJ-Team auf. Die Britin Emma McLellan und Doris Vöglin legen in der Region seit knapp vier Jahren als „DontCanDJ“ auf. McLellan ist zudem Sängerin der Band „Beatshots“ und ein Teil des frisch gegründeten Elektro-Duos „GirlBoySociety“. „DontCanDJ“ haben im März einen „Darmstadt“-Song veröffentlicht und dazu ein eigenes Video gedreht. Wir trafen uns zum Gespräch im Studio von „GirlBoySociety“.
Silvana Battisti: Ich leg' euch jetzt zuerst die Band auf, auf deren Konzert ich das erste Mal in der „Krone“ war.
Als Musikerin in Darmstadt: „Man muss ein Macho sein“
Kultur: Als Musikerin in Darmstadt: Das ECHO traf Silvana Battisti („Woog Riots“) sowie Emma McLellan und Doris Vöglin („DontCanDJ“) zum Gespräch über Einflüsse und Arbeitsalltag
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(„Drück dich an mich, so fest du kannst...“)
Doris Vöglin: Das ist Popper-Musik, oder?
Emma McLellan: Boah, schwierig!
Doris Vöglin: Das ist Popper-Musik, oder?
Emma McLellan: Boah, schwierig!
ECHO: „Deutsch-Amerikanische Freundschaft“?
Battisti: Ja, genau: „Als wär's das erste Mal“.
ECHO: Die sind mal in Darmstadt aufgetreten?
Battisti: Ja, da war ich noch in der Schule, und Klassenkameraden haben gesagt: Hey, da kommt so ne geile Band aus Hamburg, da müssen wir hin.
McLellan: Wie alt warst du da?
Battisti: Da war ich 15.
McLellan: Wie bist du da reingekommen?
Battisti: Ich war sogar schon mit 13 in der „Krone“. Da hat keiner geguckt. War sogar mit der „Teen Time“ ein richtiger Treffpunkt am Wochenende. Und da lief echt geniale Musik. Das müsst ihr euch so vorstellen wie der coolste Indieclub, weil der DJ da immer die neuesten Sachen aus England aufgelegt hat. Haben wir natürlich auch alles gleich gekauft dann. Und dann kamen tatsächlich „DAF“ in die „Krone“. „Trio“ haben auch in der „Krone“ gespielt. Da war ich mit meiner Stiefmutter, weil ich da nicht alleine hin durfte (lacht).
ECHO: Und wie war das Konzert?
Battisti: Absoluter Hammer! Waren fast nur Schüler da, gar nicht so voll. Das muss 1981 gewesen sein. Ich hab dann danach „Abwärts“ gehört, kennt ihr bestimmt auch, bekanntester Titel ist „Computerstaat“. Das Label, das die rausgebracht hat, ist das Label, auf dem wir mit „Woog Riots“ heute sind: What„s so funny about?. Alfred Hilsberg (Label-Chef) war für mich, als ich 16 war, der coolste Typ überhaupt, und jetzt ist er unser Platten-Chef. Aber ich hab in der Zwischenzeit gemerkt, dass es schon schwierig ist, das ganze Platten-Business.
Dann als ich etwas älter war, hab ich mehr auf das Aussehen der Musiker geachtet. Nächste Platte!
McLellan: „The Clash“! Nee, ich glaube, „Bananarama“ haben das gesampelt.
Battisti: Guter Ansatz. Der Sänger ist heute immer noch der bestaussehendste Mann!
McLellan: Hat nichts mit David Bowie zu tun?
Battisti: Nee, seine vorherige Band war supererfolgreich, aber er hat dann aufgehört, um andere Sachen zu machen. Die Platte ist 30 Jahre alt.
McLellan: Paul Weller?
Battisti: Ich sag mal einen Begriff: Ska.
McLellan: „Madness“? Nee, Mist, ich komm nicht drauf.
Battisti: „The Specials“ war seine erste Band. Das ist jetzt „Fun Boy Three“, und wir reden von Terry Hall.
McLellan: Aber die haben was zusammen mit „Bananarama“ gemacht!
Battisti: Genau, die sind auch auf der Platte mit drauf. Und jetzt gibt’s eine Reunion von den „Specials“. Da geh ich im September auf ein Konzert. Damals hat ein Freund von mir sich extra diese Frisur schneiden lassen wie Terry, damit ich ihn gut finde, aber der kam natürlich nicht an Terry ran!
McLellan: Es gibt sooo viele „Specials“-Cover in England!
ECHO: Und hast du da schon selbst Ambitionen gehabt, Musik zu machen?
Battisti: Nein, das kam erst Jahrzehnte später. Ich war immer Fan, habe dann damals in Darmstadt angefangen, selbst Konzerte zu organisieren, und hab dabei eine Band getroffen, die damals in dem Club gespielt hat, den wir in Eberstadt gemacht haben, das „Abfahrt“, da ist heute die „Almhütte“. Und über die bin ich an die Musikerin Barbara Manning gekommen. Heute meine beste Freundin, durch Zufall. Ich bin in einen Plattenladen gegangen und hab gefragt: Habt ihr was von Barbara Manning? Und dann hat der Typ gesagt: Frag sie doch selbst, die arbeitet auch hier. Barbara war dann auch die erste Frau, die ich live gesehen habe auf der Bühne, und ich dachte nur: Wow, so würd ich auch gern sein, hab mich da aber noch nicht getraut. Dann erst später, als ich Marc in einem anderen Club getroffen habe und er mir erzählt hat, dass er eine neue Band hat und ob ich nicht gerne Backings singen wolle, da habe ich dann angefangen. Das war 2002.
Jetzt lege ich meinen Haupteinfluss auf, allerdings in einer Remix-Version.
Vöglin: Der Bass ist total eindeutig! Kenne ich, die CD hatte ich heute auch in der Hand.
McLellan: Ach so, „LCD Soundsystem“.
Battisti: Absolutes Vorbild für mich bis heute. Barbara Manning, weil sie den Mut hatte, das überhaupt als Frau zu machen, aufzutreten und so, aber musikalisch waren das immer Männer, weil ich fast nur Männermusik höre, und da eben vor allem lange Zeit „LCD Soundsystem“.
Und jetzt das letzte Stück...
McLellan: Das ist von euch! Klingt wie sehr elektronische „B 52“s“ oder „Trans Europe Express“ von „Kraftwerk“.
Battisti: Ja, ein neues, es heißt „One Thousand Roboter“. Kommt auf das kommende Album. Ich finde, das spiegelt alle drei Bands, die ich vorher gespielt habe.
ECHO: Aber keine beabsichtigte Ähnlichkeit mit der Hamburger Band „1000 Robota“?
Battisti: Nein. Aber die kennen wir auch ganz gut. Uns geht es beim neuen Album um Zukunftsvisionen. Wie man jetzt an Fukushima sieht, geht alles nur noch über Roboter, beispielsweise.
ECHO: Das Thema hat euch ja dann eigentlich begleitet, oder? „Computer People“ am Anfang, jetzt die Roboter.
Battisti: Ja, auf jeden Fall, Technik und Gesellschaftskritik, das ist unser roter Faden.
Vöglin: Ich mach mal weiter. Die erste Band hat jetzt ein Best of-Album herausgebracht, aber meiner Meinung nach ist das hier ihr größter Hit, und der ist da nicht drauf. Emma darf nicht mitraten, die kennt das!
Battisti: 90er Jahre?
Vöglin: Nee, später. Haben als Gitarren-Act angefangen, aber sind mittlerweile sehr elektronisch.
Battisti: Von der Gitarre „Pixies“, aber das ist zu alt. „Yeah Yeah Yeahs“? Die Stimme kommt mir schon bekannt vor.
Vöglin: Ich lös mal auf: „Ladytron“ mit „Sugar“. Ich hab die in Frankfurt im „Cocoon Club“ gesehen, ziemlich ungewöhnlich eigentlich, für den Club.
McLellan: Ich werde da erst hingehen, wenn wir da auflegen (lacht)! Nächstes?
Battisti: Ich erkenn“s ja dann eh nicht, wenn ich „Ladytron“ schon nicht erkenne!
(erste Klänge neue Platte, alle lachen)
Alle: „Modern Talking“! Aber welcher Song?
McLellan: Doris steht auf Thomas Anders. Sie hatte sogar ein Bild von ihm auf dem Kühlschrank. Ich wusste überhaupt nicht, wer das ist, so ein alter Typ mit Sakko!
Vöglin: Ich steh„ da drauf! Die haben tolle Musik gemacht. Okay, hört sich alles ein bisschen gleich an und ist auch schwer, mit einem Instrumental. Gut, ich sag“s: „Cheri cheri lady“.
Battisti: Aber krass, dass man das sofort am Gitarrenschlag erkennt, oder?
McLellan: Ich glaube, das ist die Panflöte! Uns würde man instrumental ja eher nicht erkennen (lacht)!
Vöglin: Gut, ist schon sehr schmalzig, aber ich find„ das großartige Musik.
(neuer Song)
McLellan: Was? Das hätte ich auch nehmen können! Silvana, das kennst du. Da passt das Cover überhaupt nicht zur Musik. Da ist so ein Kätzchen drauf, das mit einem Wollknäuel spielt und eine Frau im Hintergrund. Ich hab die Platte zuerst nicht angefasst, weil ich dachte, das ist zu folkig für mich.
Battisti: Aus England? Nee, Neuseeland, oder? Ich kenn's aber nicht.
Vöglin: „Ladyhawke“: „My Delirium“.
Battisti: Okay, du spielst alle Ladies! Fehlt nur noch Lady Gaga (lacht).
McLellan: Meine Auswahl ist wie mein Leben: total chaotisch. Aber jetzt das erste war klar gesetzt. Seit ich 11 bin, ist diese Künstlerin da. Aber eher nicht wegen der Musik, sondern weil ich diese Serie damals geguckt habe, ich war süchtig danach.
Vöglin: wir waren da zusammen auf Konzert und Emma ist schier ausgerastet. Drei Stunden schreien und dann in Ohnmacht fallen.
Battisti: Kylie Minogue! Eine absolut coole Socke, eine Kämpferin, die macht ihr Ding. Ich glaube, sie war eine der ersten Frauen, die ihre Songs selbst geschrieben hat.
McLellan: „Je ne sais pas pourquoi“. Wenn ich über Kylie rede, könnte ich stundenlang reden. Angefangen mit „Neighbours“. Die Serie hat angefangen, als ich zehn war. Die kam morgens und dann nachmittags. Und wenn man wissen wollte, wie„s weitergeht, musste man eher aus der Schule raus. Das war damals ein Riesenproblem in England. Schließlich haben die dann die Sendezeiten verändert. Das war so wichtig für uns damals. Und es sind ja so viele Popstars von dieser Serie gekommen, nicht nur Kylie.
Okay, jetzt kommt, was mich beeinflusst hat, als ich mit 15 angefangen habe, Schlagzeug zu spielen.
(„I used to love her, but I had to kill her“)
Vöglin: Das ist Axl Rose! Aber nicht „Guns'n'Roses“, oder?
McLellan: Doch, vom ersten Album. Da war das Cover wie ein üble „BILD“-Seite 1, so mit Pin-up und so. Wurde damals zwei Wochen nach Veröffentlichung verboten oder so. Ich hab das Album als Kassette gehabt, aber leider verloren. Mit denen hab ich auch Gitarre spielen gelernt, denn das ganze Album kann man auch mit nur einer Saite spielen.
Vöglin: Ich war auch großer „Guns“n„Roses“-Fans. Und „Metallica“, das war so meine Generation. Ich steh“ total auf so kaputte Stimmen.
Battisti: Wie ist es da mit der weiblichen Variante? Marianne Faithful?
Vöglin: Ja, Janis Joplin auch, aber eher Bonnie Tyler.
Battisti: Mein großer Frauen-Einfluss ist Nico von „Velvet Underground“. Wenn mich früher jemand gefragt hat: „Beatles“ oder „Rolling Stones“, hab ich immer „Velvet Underground“ gesagt.
Vöglin: Ich habe zwar eine „Beatles“-Platte zu Hause, aber da gefallen mir aus der Zeit eher die „Turtles“.
McLellan: Hier kommt mein drittes Lied.
Battisti: Ah, das ist der Sänger von „Anthony and the Johnsons“, aber die andere Gruppe... äh, „Hercules and love affair“.
McLellan: Nein, aber die Richtung. Ich bin ja großer Fan von „The XX“, und zuerst dachte ich, das ist ein neues Projekt von denen, ist es aber nicht.
Battisti: Das ist aber großartig! Wie James Blake, aber das ist er nicht. Eindrückliche Stimme. Patrick Wolf ist es auch nicht.
Vöglin: Ganz neu, oder? Aber ich weiß es auch nicht.
McLellan: Nur ein Mann, er heißt „Wood Kid“. Er ist eigentlich Video-Regisseur und hat schon Videos für Katy Perry gemacht. Der Song ist seit drei Wochen erst raus, mit einem ganz tollen Video, heißt „Iron“.
Vöglin: Ich habe ja ein Riesenproblem mit so neuer Musik. Weil ich sofort denke: Kannste das auflegen? Und das hier kann man nicht auflegen. Also, Lieder müssen ja nicht tanzbar sein, aber ich höre mir das dann auch zu Hause nicht an. Das wird dann so durchgeklickt, und wenn es nach einer Minute nicht Bummbumm macht, dann... fliegt es wieder raus.
Battisti: Ja, da muss man sich echt locker machen.
ECHO: Dann gebe ich noch mal ein bisschen Darmstadt-Input.
(„Culture Beat“: „Mr. Vain“)
Battisti: Dazu kann ich eine lustige Geschichte erzählen! Ich hab zu meiner Schulzeit Schulfeten organisiert und wollte als Band „Captain Balloon“ buchen. Das war kein anderer als Nosie Katzmann. Ich hab ihn damals gebucht, er hat dann bei uns das Fest gerockt, später lief dann „Mr Vain“ im Radio, und ich habe erst 20 Jahre später erfahren, dass das der Nosie ist. Ich finde es aber schade, dass so eine erfolgreiche Geschichte jetzt x-mal aufgewärmt wird.
Vöglin: Ich hab ihn mit der Akustik-Version auf dem Wutzdog-Festival letztes Jahr am Riedsee gehört. Das finde ich für so ein Festival okay, aber die Vermarktungsschiene, naja. Aber immer noch ein Supersong! Haben wir auch schon in der „ElektroSchule“ gespielt.
McLellan: Das Lied ist auf jeder Eurodance-Compilation zusammen mit „Dr. Alban“!
ECHO: Dann eine ganz andere Richtung...
(gerade mal zwei Klänge)
Battisti: Fred Hill: „In Darmstadt ist es prima“! Der war der einzige, der mich mal nicht in die „Krone“ gelassen hat. „Mädsche, bist zu jung“ hat er gesagt. Ich hab ihn aber mal live spielen sehen. War echt prima. Der war eine Institution, auch als Typ.
ECHO: Ihr habt ja vorhin gesagt, dass ihr von Männermusik geprägt seid. Deswegen jetzt mal eine Indie-Band mit starker Frontfrau.
(„Breath it in and breathe it out, pass it on“...)
McLellan: „Cranberries“!
ECHO: Auch gut dabei, genau, aber zeitlich nach den „Cranberries“.
McLellan: Sind die aus Belgien?
ECHO: Ja, ein Geschwisterpaar. Beeinflusst von den „Indigo Girls“. Sie hat dann eine Solo-Karriere gemacht.
McLellan: Ich weiß es, aber ich komme nicht drauf. Mit den „Indigo Girls“ hab ich übrigens mal gespielt in England, also auf dem gleichen Festival.
Battisti: Irgendwas mit A?
McLellan: Nee, äh, „K“s Choice“! Ich hab in Antwerpen den Schlagzeuger von denen kennen gelernt, bei einem Workshop. Aber da kannte ich die noch nicht. Die sind ja die größte Band in Belgien.
Battisti: Aber dieses Widerstands-Ding bei denen, das ist doch da auch alles von den „Pixies“ beeinflusst.
McLellan: Bestimmt 90 Prozent aller Bands sind von den „Pixies“ beeinflusst!
Vöglin: Das Widerständige war ja bei den Frauen eher nicht so stark damals.
Battisti: Da hat sich jetzt aber auch das Frauenbild entsprechend positiv gewandelt. Barbara Manning etwa ist groß und kräftig, deswegen wurde damals kein Video mit ihr gemacht, weil ihr gesagt wurde, sie sei nicht sexy genug. Heutzutage spielt es nicht mehr so eine große Rolle. Adele etwa hat ja auch keine passende Figur, aber die hat die Stimme.
McLellan: Beth Ditto.
Vöglin: Aber das ist ja dann auch schon wieder Marketing, das Gegenteil von absoluter Weiblichkeit zu promoten. Und jetzt ist„s schon wieder Mainstream.
Battisti: Jedes Extrem hochzuhalten ist nicht normal. Wir als Frauen wollen ja als normale Menschen wahrgenommen werden, im Durchschnitt sozusagen.
ECHO: Da passt vielleicht noch dies hier: Eine Dame, die sich von ihrer Plattenfirma freigekauft und ein eigenes Label gegründet hat.
Alle: Robyn!
Vöglin: Liebe ich, aber das ist alles total komisch aufgenommen, kein gutes Mastering.
McLellan: Da darf man nicht vergessen, dass Robyn Pop ist.
Vöglin: Könnte ein bisschen mehr Bumms haben, das ist weichgespült. Aber egal, die macht ihr eigenes Ding, das ist schon absolut cool.
ECHO: Und ihr? Macht ihr euer eigenes Ding? Oder fühlt ihr euch als Musikerinnen benachteiligt?
McLellan: Naja, das ist immer ein Kampf mit dem Musikmachen.
Battisti: Normalerweise supportet man sich in der Musikszene untereinander, aber in Darmstadt ist das leider nicht sehr üblich mit wenigen Ausnahmen. Von der Stadt gibt es nicht so viel bis keine Unterstützung für Bands.
Vöglin: Ich habe auch den Eindruck, dass da der Sinn für fehlt. Denn eigentlich ist das doch auch prima Werbung für die Städte.
Battisti: Es gibt ja noch nicht mal eine eigene Stelle für einen Kulturdezernenten, das war bisher an das Amt des Oberbürgermeisters gekoppelt. Das ist superschade, weil ja auch DJ-Teams wie Doris und Emma inzwischen überregional einen Namen haben. Mannheim ist da so ein positives Beispiel. Da wird generell die Subkultur mehr gefördert. Die haben sogar einen Pop- und Rockbeauftragten, das würde uns doch in Darmstadt auch schon reichen!
ECHO: Und wie ist das so mit den Kollegen?
Vöglin: Das Geschlechter-Ding ist DJ-mäßig eine Riesensache. Fast alle Jungs denken immer: Die haben den Gig nur wegen des Ausschnitts bekommen. Als wir angefangen haben, haben wir da mit ganz großen Vorurteilen zu kämpfen gehabt, teils jetzt noch.
Battisti: Letztes Jahr beim Ladyfest hat man ja gesehen, dass da bei den Frauen dieser Stadt ein riesiges kreatives Potential ist. Bei vielen Männern ist da null Innovation, die legen seit 20 Jahren die gleiche Musik auf.
McLellan: Als Frau muss man Macho sein in diesem Business.
Battisti: Ja, aber das liegt ja an einem selbst, wie selbstbewusst man da auch auftritt.
Vöglin: Weil wir wissen, dass wir uns nicht verstecken müssen, kratzt einen das aber auch langsam nicht mehr.
Battisti: Es gibt halt nicht viele, oder? An DJanes noch „Morelle + Krete“, aber Musikerinnen....?
McLellan: Es gibt eine geschlechtertypische Verteilung beim Instrumente-Spielen. Wir haben acht Monate nach einer neuen Schlagzeugerin für die „Beatshots“ gesucht.
ECHO: Und wie ist es auf Tour?
Battisti: Mit den Sound-Technikern hat man vielleicht eher Probleme, wenn man auf Mädchen macht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das absolut gleichberechtigt ist, wenn man denen selbst ganz normal begegnet.
Vöglin: Naja, uns wurde bei einem Gig schon mal vorher ausführlich der Standard-Mixer erklärt.
Battisti: Inzwischen seid ihr aber ja Trademark, egal, ob hinter „DontCanDJ“ Jungs oder Mädels stecken, das hinterfragt doch dann keiner mehr.
McLellan: Für uns selbst spielt das Geschlechter-Ding aber beim Marketing eine Rolle. Am Anfang haben wir selbst „DJanes“ geschrieben. Inzwischen finden wir das blöd. Ich will meine soziale Geschlechterrolle, Gender, auch nicht über eine Berufsbezeichnung definieren. Es gibt ja auch die Geschirrspülmaschine und den Geschirrspüler, und beide machen den gleichen Job.
Battisti: Ja, genau: „Als wär's das erste Mal“.
ECHO: Die sind mal in Darmstadt aufgetreten?
Battisti: Ja, da war ich noch in der Schule, und Klassenkameraden haben gesagt: Hey, da kommt so ne geile Band aus Hamburg, da müssen wir hin.
McLellan: Wie alt warst du da?
Battisti: Da war ich 15.
McLellan: Wie bist du da reingekommen?
Battisti: Ich war sogar schon mit 13 in der „Krone“. Da hat keiner geguckt. War sogar mit der „Teen Time“ ein richtiger Treffpunkt am Wochenende. Und da lief echt geniale Musik. Das müsst ihr euch so vorstellen wie der coolste Indieclub, weil der DJ da immer die neuesten Sachen aus England aufgelegt hat. Haben wir natürlich auch alles gleich gekauft dann. Und dann kamen tatsächlich „DAF“ in die „Krone“. „Trio“ haben auch in der „Krone“ gespielt. Da war ich mit meiner Stiefmutter, weil ich da nicht alleine hin durfte (lacht).
ECHO: Und wie war das Konzert?
Battisti: Absoluter Hammer! Waren fast nur Schüler da, gar nicht so voll. Das muss 1981 gewesen sein. Ich hab dann danach „Abwärts“ gehört, kennt ihr bestimmt auch, bekanntester Titel ist „Computerstaat“. Das Label, das die rausgebracht hat, ist das Label, auf dem wir mit „Woog Riots“ heute sind: What„s so funny about?. Alfred Hilsberg (Label-Chef) war für mich, als ich 16 war, der coolste Typ überhaupt, und jetzt ist er unser Platten-Chef. Aber ich hab in der Zwischenzeit gemerkt, dass es schon schwierig ist, das ganze Platten-Business.
Dann als ich etwas älter war, hab ich mehr auf das Aussehen der Musiker geachtet. Nächste Platte!
McLellan: „The Clash“! Nee, ich glaube, „Bananarama“ haben das gesampelt.
Battisti: Guter Ansatz. Der Sänger ist heute immer noch der bestaussehendste Mann!
McLellan: Hat nichts mit David Bowie zu tun?
Battisti: Nee, seine vorherige Band war supererfolgreich, aber er hat dann aufgehört, um andere Sachen zu machen. Die Platte ist 30 Jahre alt.
McLellan: Paul Weller?
Battisti: Ich sag mal einen Begriff: Ska.
McLellan: „Madness“? Nee, Mist, ich komm nicht drauf.
Battisti: „The Specials“ war seine erste Band. Das ist jetzt „Fun Boy Three“, und wir reden von Terry Hall.
McLellan: Aber die haben was zusammen mit „Bananarama“ gemacht!
Battisti: Genau, die sind auch auf der Platte mit drauf. Und jetzt gibt’s eine Reunion von den „Specials“. Da geh ich im September auf ein Konzert. Damals hat ein Freund von mir sich extra diese Frisur schneiden lassen wie Terry, damit ich ihn gut finde, aber der kam natürlich nicht an Terry ran!
McLellan: Es gibt sooo viele „Specials“-Cover in England!
ECHO: Und hast du da schon selbst Ambitionen gehabt, Musik zu machen?
Battisti: Nein, das kam erst Jahrzehnte später. Ich war immer Fan, habe dann damals in Darmstadt angefangen, selbst Konzerte zu organisieren, und hab dabei eine Band getroffen, die damals in dem Club gespielt hat, den wir in Eberstadt gemacht haben, das „Abfahrt“, da ist heute die „Almhütte“. Und über die bin ich an die Musikerin Barbara Manning gekommen. Heute meine beste Freundin, durch Zufall. Ich bin in einen Plattenladen gegangen und hab gefragt: Habt ihr was von Barbara Manning? Und dann hat der Typ gesagt: Frag sie doch selbst, die arbeitet auch hier. Barbara war dann auch die erste Frau, die ich live gesehen habe auf der Bühne, und ich dachte nur: Wow, so würd ich auch gern sein, hab mich da aber noch nicht getraut. Dann erst später, als ich Marc in einem anderen Club getroffen habe und er mir erzählt hat, dass er eine neue Band hat und ob ich nicht gerne Backings singen wolle, da habe ich dann angefangen. Das war 2002.
Jetzt lege ich meinen Haupteinfluss auf, allerdings in einer Remix-Version.
Vöglin: Der Bass ist total eindeutig! Kenne ich, die CD hatte ich heute auch in der Hand.
McLellan: Ach so, „LCD Soundsystem“.
Battisti: Absolutes Vorbild für mich bis heute. Barbara Manning, weil sie den Mut hatte, das überhaupt als Frau zu machen, aufzutreten und so, aber musikalisch waren das immer Männer, weil ich fast nur Männermusik höre, und da eben vor allem lange Zeit „LCD Soundsystem“.
Und jetzt das letzte Stück...
McLellan: Das ist von euch! Klingt wie sehr elektronische „B 52“s“ oder „Trans Europe Express“ von „Kraftwerk“.
Battisti: Ja, ein neues, es heißt „One Thousand Roboter“. Kommt auf das kommende Album. Ich finde, das spiegelt alle drei Bands, die ich vorher gespielt habe.
ECHO: Aber keine beabsichtigte Ähnlichkeit mit der Hamburger Band „1000 Robota“?
Battisti: Nein. Aber die kennen wir auch ganz gut. Uns geht es beim neuen Album um Zukunftsvisionen. Wie man jetzt an Fukushima sieht, geht alles nur noch über Roboter, beispielsweise.
ECHO: Das Thema hat euch ja dann eigentlich begleitet, oder? „Computer People“ am Anfang, jetzt die Roboter.
Battisti: Ja, auf jeden Fall, Technik und Gesellschaftskritik, das ist unser roter Faden.
Vöglin: Ich mach mal weiter. Die erste Band hat jetzt ein Best of-Album herausgebracht, aber meiner Meinung nach ist das hier ihr größter Hit, und der ist da nicht drauf. Emma darf nicht mitraten, die kennt das!
Battisti: 90er Jahre?
Vöglin: Nee, später. Haben als Gitarren-Act angefangen, aber sind mittlerweile sehr elektronisch.
Battisti: Von der Gitarre „Pixies“, aber das ist zu alt. „Yeah Yeah Yeahs“? Die Stimme kommt mir schon bekannt vor.
Vöglin: Ich lös mal auf: „Ladytron“ mit „Sugar“. Ich hab die in Frankfurt im „Cocoon Club“ gesehen, ziemlich ungewöhnlich eigentlich, für den Club.
McLellan: Ich werde da erst hingehen, wenn wir da auflegen (lacht)! Nächstes?
Battisti: Ich erkenn“s ja dann eh nicht, wenn ich „Ladytron“ schon nicht erkenne!
(erste Klänge neue Platte, alle lachen)
Alle: „Modern Talking“! Aber welcher Song?
McLellan: Doris steht auf Thomas Anders. Sie hatte sogar ein Bild von ihm auf dem Kühlschrank. Ich wusste überhaupt nicht, wer das ist, so ein alter Typ mit Sakko!
Vöglin: Ich steh„ da drauf! Die haben tolle Musik gemacht. Okay, hört sich alles ein bisschen gleich an und ist auch schwer, mit einem Instrumental. Gut, ich sag“s: „Cheri cheri lady“.
Battisti: Aber krass, dass man das sofort am Gitarrenschlag erkennt, oder?
McLellan: Ich glaube, das ist die Panflöte! Uns würde man instrumental ja eher nicht erkennen (lacht)!
Vöglin: Gut, ist schon sehr schmalzig, aber ich find„ das großartige Musik.
(neuer Song)
McLellan: Was? Das hätte ich auch nehmen können! Silvana, das kennst du. Da passt das Cover überhaupt nicht zur Musik. Da ist so ein Kätzchen drauf, das mit einem Wollknäuel spielt und eine Frau im Hintergrund. Ich hab die Platte zuerst nicht angefasst, weil ich dachte, das ist zu folkig für mich.
Battisti: Aus England? Nee, Neuseeland, oder? Ich kenn's aber nicht.
Vöglin: „Ladyhawke“: „My Delirium“.
Battisti: Okay, du spielst alle Ladies! Fehlt nur noch Lady Gaga (lacht).
McLellan: Meine Auswahl ist wie mein Leben: total chaotisch. Aber jetzt das erste war klar gesetzt. Seit ich 11 bin, ist diese Künstlerin da. Aber eher nicht wegen der Musik, sondern weil ich diese Serie damals geguckt habe, ich war süchtig danach.
Vöglin: wir waren da zusammen auf Konzert und Emma ist schier ausgerastet. Drei Stunden schreien und dann in Ohnmacht fallen.
Battisti: Kylie Minogue! Eine absolut coole Socke, eine Kämpferin, die macht ihr Ding. Ich glaube, sie war eine der ersten Frauen, die ihre Songs selbst geschrieben hat.
McLellan: „Je ne sais pas pourquoi“. Wenn ich über Kylie rede, könnte ich stundenlang reden. Angefangen mit „Neighbours“. Die Serie hat angefangen, als ich zehn war. Die kam morgens und dann nachmittags. Und wenn man wissen wollte, wie„s weitergeht, musste man eher aus der Schule raus. Das war damals ein Riesenproblem in England. Schließlich haben die dann die Sendezeiten verändert. Das war so wichtig für uns damals. Und es sind ja so viele Popstars von dieser Serie gekommen, nicht nur Kylie.
Okay, jetzt kommt, was mich beeinflusst hat, als ich mit 15 angefangen habe, Schlagzeug zu spielen.
(„I used to love her, but I had to kill her“)
Vöglin: Das ist Axl Rose! Aber nicht „Guns'n'Roses“, oder?
McLellan: Doch, vom ersten Album. Da war das Cover wie ein üble „BILD“-Seite 1, so mit Pin-up und so. Wurde damals zwei Wochen nach Veröffentlichung verboten oder so. Ich hab das Album als Kassette gehabt, aber leider verloren. Mit denen hab ich auch Gitarre spielen gelernt, denn das ganze Album kann man auch mit nur einer Saite spielen.
Vöglin: Ich war auch großer „Guns“n„Roses“-Fans. Und „Metallica“, das war so meine Generation. Ich steh“ total auf so kaputte Stimmen.
Battisti: Wie ist es da mit der weiblichen Variante? Marianne Faithful?
Vöglin: Ja, Janis Joplin auch, aber eher Bonnie Tyler.
Battisti: Mein großer Frauen-Einfluss ist Nico von „Velvet Underground“. Wenn mich früher jemand gefragt hat: „Beatles“ oder „Rolling Stones“, hab ich immer „Velvet Underground“ gesagt.
Vöglin: Ich habe zwar eine „Beatles“-Platte zu Hause, aber da gefallen mir aus der Zeit eher die „Turtles“.
McLellan: Hier kommt mein drittes Lied.
Battisti: Ah, das ist der Sänger von „Anthony and the Johnsons“, aber die andere Gruppe... äh, „Hercules and love affair“.
McLellan: Nein, aber die Richtung. Ich bin ja großer Fan von „The XX“, und zuerst dachte ich, das ist ein neues Projekt von denen, ist es aber nicht.
Battisti: Das ist aber großartig! Wie James Blake, aber das ist er nicht. Eindrückliche Stimme. Patrick Wolf ist es auch nicht.
Vöglin: Ganz neu, oder? Aber ich weiß es auch nicht.
McLellan: Nur ein Mann, er heißt „Wood Kid“. Er ist eigentlich Video-Regisseur und hat schon Videos für Katy Perry gemacht. Der Song ist seit drei Wochen erst raus, mit einem ganz tollen Video, heißt „Iron“.
Vöglin: Ich habe ja ein Riesenproblem mit so neuer Musik. Weil ich sofort denke: Kannste das auflegen? Und das hier kann man nicht auflegen. Also, Lieder müssen ja nicht tanzbar sein, aber ich höre mir das dann auch zu Hause nicht an. Das wird dann so durchgeklickt, und wenn es nach einer Minute nicht Bummbumm macht, dann... fliegt es wieder raus.
Battisti: Ja, da muss man sich echt locker machen.
ECHO: Dann gebe ich noch mal ein bisschen Darmstadt-Input.
(„Culture Beat“: „Mr. Vain“)
Battisti: Dazu kann ich eine lustige Geschichte erzählen! Ich hab zu meiner Schulzeit Schulfeten organisiert und wollte als Band „Captain Balloon“ buchen. Das war kein anderer als Nosie Katzmann. Ich hab ihn damals gebucht, er hat dann bei uns das Fest gerockt, später lief dann „Mr Vain“ im Radio, und ich habe erst 20 Jahre später erfahren, dass das der Nosie ist. Ich finde es aber schade, dass so eine erfolgreiche Geschichte jetzt x-mal aufgewärmt wird.
Vöglin: Ich hab ihn mit der Akustik-Version auf dem Wutzdog-Festival letztes Jahr am Riedsee gehört. Das finde ich für so ein Festival okay, aber die Vermarktungsschiene, naja. Aber immer noch ein Supersong! Haben wir auch schon in der „ElektroSchule“ gespielt.
McLellan: Das Lied ist auf jeder Eurodance-Compilation zusammen mit „Dr. Alban“!
ECHO: Dann eine ganz andere Richtung...
(gerade mal zwei Klänge)
Battisti: Fred Hill: „In Darmstadt ist es prima“! Der war der einzige, der mich mal nicht in die „Krone“ gelassen hat. „Mädsche, bist zu jung“ hat er gesagt. Ich hab ihn aber mal live spielen sehen. War echt prima. Der war eine Institution, auch als Typ.
ECHO: Ihr habt ja vorhin gesagt, dass ihr von Männermusik geprägt seid. Deswegen jetzt mal eine Indie-Band mit starker Frontfrau.
(„Breath it in and breathe it out, pass it on“...)
McLellan: „Cranberries“!
ECHO: Auch gut dabei, genau, aber zeitlich nach den „Cranberries“.
McLellan: Sind die aus Belgien?
ECHO: Ja, ein Geschwisterpaar. Beeinflusst von den „Indigo Girls“. Sie hat dann eine Solo-Karriere gemacht.
McLellan: Ich weiß es, aber ich komme nicht drauf. Mit den „Indigo Girls“ hab ich übrigens mal gespielt in England, also auf dem gleichen Festival.
Battisti: Irgendwas mit A?
McLellan: Nee, äh, „K“s Choice“! Ich hab in Antwerpen den Schlagzeuger von denen kennen gelernt, bei einem Workshop. Aber da kannte ich die noch nicht. Die sind ja die größte Band in Belgien.
Battisti: Aber dieses Widerstands-Ding bei denen, das ist doch da auch alles von den „Pixies“ beeinflusst.
McLellan: Bestimmt 90 Prozent aller Bands sind von den „Pixies“ beeinflusst!
Vöglin: Das Widerständige war ja bei den Frauen eher nicht so stark damals.
Battisti: Da hat sich jetzt aber auch das Frauenbild entsprechend positiv gewandelt. Barbara Manning etwa ist groß und kräftig, deswegen wurde damals kein Video mit ihr gemacht, weil ihr gesagt wurde, sie sei nicht sexy genug. Heutzutage spielt es nicht mehr so eine große Rolle. Adele etwa hat ja auch keine passende Figur, aber die hat die Stimme.
McLellan: Beth Ditto.
Vöglin: Aber das ist ja dann auch schon wieder Marketing, das Gegenteil von absoluter Weiblichkeit zu promoten. Und jetzt ist„s schon wieder Mainstream.
Battisti: Jedes Extrem hochzuhalten ist nicht normal. Wir als Frauen wollen ja als normale Menschen wahrgenommen werden, im Durchschnitt sozusagen.
ECHO: Da passt vielleicht noch dies hier: Eine Dame, die sich von ihrer Plattenfirma freigekauft und ein eigenes Label gegründet hat.
Alle: Robyn!
Vöglin: Liebe ich, aber das ist alles total komisch aufgenommen, kein gutes Mastering.
McLellan: Da darf man nicht vergessen, dass Robyn Pop ist.
Vöglin: Könnte ein bisschen mehr Bumms haben, das ist weichgespült. Aber egal, die macht ihr eigenes Ding, das ist schon absolut cool.
ECHO: Und ihr? Macht ihr euer eigenes Ding? Oder fühlt ihr euch als Musikerinnen benachteiligt?
McLellan: Naja, das ist immer ein Kampf mit dem Musikmachen.
Battisti: Normalerweise supportet man sich in der Musikszene untereinander, aber in Darmstadt ist das leider nicht sehr üblich mit wenigen Ausnahmen. Von der Stadt gibt es nicht so viel bis keine Unterstützung für Bands.
Vöglin: Ich habe auch den Eindruck, dass da der Sinn für fehlt. Denn eigentlich ist das doch auch prima Werbung für die Städte.
Battisti: Es gibt ja noch nicht mal eine eigene Stelle für einen Kulturdezernenten, das war bisher an das Amt des Oberbürgermeisters gekoppelt. Das ist superschade, weil ja auch DJ-Teams wie Doris und Emma inzwischen überregional einen Namen haben. Mannheim ist da so ein positives Beispiel. Da wird generell die Subkultur mehr gefördert. Die haben sogar einen Pop- und Rockbeauftragten, das würde uns doch in Darmstadt auch schon reichen!
ECHO: Und wie ist das so mit den Kollegen?
Vöglin: Das Geschlechter-Ding ist DJ-mäßig eine Riesensache. Fast alle Jungs denken immer: Die haben den Gig nur wegen des Ausschnitts bekommen. Als wir angefangen haben, haben wir da mit ganz großen Vorurteilen zu kämpfen gehabt, teils jetzt noch.
Battisti: Letztes Jahr beim Ladyfest hat man ja gesehen, dass da bei den Frauen dieser Stadt ein riesiges kreatives Potential ist. Bei vielen Männern ist da null Innovation, die legen seit 20 Jahren die gleiche Musik auf.
McLellan: Als Frau muss man Macho sein in diesem Business.
Battisti: Ja, aber das liegt ja an einem selbst, wie selbstbewusst man da auch auftritt.
Vöglin: Weil wir wissen, dass wir uns nicht verstecken müssen, kratzt einen das aber auch langsam nicht mehr.
Battisti: Es gibt halt nicht viele, oder? An DJanes noch „Morelle + Krete“, aber Musikerinnen....?
McLellan: Es gibt eine geschlechtertypische Verteilung beim Instrumente-Spielen. Wir haben acht Monate nach einer neuen Schlagzeugerin für die „Beatshots“ gesucht.
ECHO: Und wie ist es auf Tour?
Battisti: Mit den Sound-Technikern hat man vielleicht eher Probleme, wenn man auf Mädchen macht. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass das absolut gleichberechtigt ist, wenn man denen selbst ganz normal begegnet.
Vöglin: Naja, uns wurde bei einem Gig schon mal vorher ausführlich der Standard-Mixer erklärt.
Battisti: Inzwischen seid ihr aber ja Trademark, egal, ob hinter „DontCanDJ“ Jungs oder Mädels stecken, das hinterfragt doch dann keiner mehr.
McLellan: Für uns selbst spielt das Geschlechter-Ding aber beim Marketing eine Rolle. Am Anfang haben wir selbst „DJanes“ geschrieben. Inzwischen finden wir das blöd. Ich will meine soziale Geschlechterrolle, Gender, auch nicht über eine Berufsbezeichnung definieren. Es gibt ja auch die Geschirrspülmaschine und den Geschirrspüler, und beide machen den gleichen Job.
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