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28. Dezember 2011 Von Thomas Wolff

Adrian Grant über seine Michael-Jackson-Show „Thriller Live“

Interview – Adrian Grant, Erfinder der Show „Thriller Live”, über das musikalische Erbe Michael Jacksons

| Vergrößern | Adrian Grant ist Produzent der Michael-Jackson-Show „Thriller Live“, die ab Silvester in Frankfurt zu sehen ist. Foto: Veranstalter/API/Markus Kehl

ECHO: Mr. Grant, erinnern Sie sich noch an den ersten Song von Michael Jackson, den Sie gehört haben?
Adrian Grant: Ich erinnere mich an den Song, der mich für alle Zeiten zum Fan machte. Da war ich 14 Jahre alt und sah daheim im Fernsehen, wie er bei einer Jubiläumsgala seiner Plattenfirma Motown zu „Billie Jean“ den Moonwalk tanzte. 1983 war das. Die Musik der Jacksons kannte ich schon, aber das hier fand ich einzigartig: der Gesang, dieser ganz eigene Tanzstil, die Anmut, mit der all das vorführte – das war fantastisch.

Termine

Die Musikshow „Thriller Live” ist vom 31. Dezember bis zum 7. Januar in der Alten Oper Frankfurt zu sehen, am 31.12. um 19 Uhr, von 2.1. bis 7.1. täglich ab 20 Uhr, am 7.1. auch um 16 Uhr. Tickets und mehr Infos gibt es unter www.thriller-live.com und www.eventim.de sowie bei der Alten Oper unter der Telefonnummer 069 1340400.


ECHO: Nicht jeder junge Fan gründet dann einen weltweit operierenden Fanclub, wie Sie es 1988 getan haben. Was hat Sie angetrieben?
Grant: Michael stand damals auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Das Album „Bad” war gerade auf dem Markt, der Nachfolger seines Welterfolgs „Thriller“, und ich hatte ihn zum ersten Mal live erlebt. Dafür bin ich mit einem Freund extra nach Holland gefahren. Eine unglaubliche Erfahrung. Michael schien wie elektrisiert, und diese Bühnenmagie begeisterte mich. Davon wollte ich etwas weitergeben, und vier Monate später erschien die erste Ausgabe von „Off The Wall“. Nach zwei Jahren lasen mehr als 25 000 Menschen in der halben Welt das Magazin.

ECHO: Als Sie 2006 mit der Produktion der Tribute-Show „Thriller Live” begannen, war sein Stern am Sinken. Was wollten Sie mit dem Projekt damals erreichen?
Grant: Richtig, ich würde sogar sagen, seine Musik schien fast in Vergessenheit zu geraten. Die breite Öffentlichkeit nahm vor allem die Anschuldigungen wahr, denen er ausgesetzt war. Obwohl er von allem freigesprochen wurde, blieb diese Gerichtsgeschichte haften. Ich dagegen wollte den Fokus wieder auf die Musik richten. Deswegen erzählen wir auf der Bühne auch nicht seine Lebensgeschichte, sondern präsentieren nur seine großartigen Songs aus vier Jahrzehnten und seinen Tanzstil. Und deshalb steht auch nicht ein einzelner Michael-Jackson-Darsteller im Zentrum.

ECHO: Wie viele Sänger teilen sich die Hauptrolle?
Grant: Zurzeit sind es fünf Erwachsene. Tatsächlich wäre es schwierig, jemanden zu finden, der die ganze Bandbreite aus Soul, Rock und Popsongs singen kann. Deshalb haben wir jemanden, der die Rocksongs macht, ein anderer die Soulnummern. Für „The Way You Make Me Feel“ haben wir eine Sängerin engagiert. Dazu kommt noch ein Junge, der den kleinen Michael als fünfjährigen Kinderstar spielt. Er tritt am Anfang auf und bittet das Publikum, mit auf eine Reise zum Beginn der Karriere zu kommen. Das ist für viele ein sehr emotionaler Moment.

ECHO: Zu dieser Karriere gehörte auch, dass Jackson als Kind hart arbeiten musste, um die Karrierevorstellungen seines Vaters zu erfüllen. Wird das bei Ihnen thematisiert?
Grant: Nein, wir erzählen keine Geschichte, daher geht es auch nicht um seine Kindheit. Ich weiß natürlich, wie hart er und seine Brüder arbeiten mussten. Als er fünf war, schubste man ihn in die Arbeitsumgebung des Showbusiness. Man kann sagen, dass er dadurch keine wirkliche Kindheit hatte. Als ich ihn das erste Mal traf, fielen mir zwei Dinge auf: Er war im Herzen jung geblieben, aber zugleich ein akribischer Studioarbeiter. Ein freundlicher, zuvorkommender, unglaublich sanfter Mensch, der aber hochprofessionell war, wenn es um seine Arbeit ging.

ECHO: Wie hat der Tod des Künstlers im Sommer 2009 Ihre Show verändert?
Grant: Geändert hat sich vor allem die Erwartungshaltung de Publikums. Viele Leute kommen, weil sie nie die Chance hatten, eine Michael-Jackson-Show zu sehen. Es kommen Familien mit ihren fünf Jahre alten Kindern, um die Musik einmal live zu erleben. Und es funktioniert. Die Leute kommen tanzend und singend aus dem zweistündigen Konzert heraus.

ECHO: Haben Sie nicht das Gefühl, dass die öffentliche Ausbreitung seiner gesundheitlichen und wohl auch seelischen Probleme, bis hin zu der Verurteilung seines Arztes vor wenigen Wochen, sein Image heute dominiert – dass der Musiker Michael Jackson gar nicht so präsent ist?
Grant: Nein, im Gegenteil. Seine Songs werden wieder mehr im Radio gespielt, die Videos laufen wieder, es verkaufen sich mehr Tonträger als zu seinen Lebzeiten. Und die Leute kommen zu „Thriller Live“. Aber zum Prozess gegen seinen Arzt möchte ich noch etwas sagen. Ich glaube, dass Michael Jackson nicht nur in medizinischen Fragen schlecht beraten war. Nach 2005, als die falschen Anschuldigungen wegen Missbrauchs hochkamen, hat er nicht die nötige Unterstützung bekommen, die er damals gebraucht hat.
Das hat nicht nur sein öffentliches Ansehen beschädigt. Er hätte eine andere Art von Hilfe gebraucht. Wir können ihn sicher nicht wiederbeleben, aber wir können sein künstlerisches Andenken ehren.

 


Hier ein paar Einblicke in die erfolgreiche Show:


Einen Video-Bericht von afp gibt es hier.



 
 


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