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10. Dezember 2011 Von Nico Damm

„Wie lange noch“ von Sacha Korn

| Vergrößern | Sacha Korn. Foto: East-international Music

Sacha Korn polarisiert. Die Texte des Musikers über „Identität, Schuldkult, Patriotismus und Nation“ verraten Kritikern zufolge stramm rechte Gesinnung. Der 1975 in Potsdam geborene Künstler nennt sich Patriot, distanziert sich aber von Gewalt und Fremdenhass – und verweist auf die frühere Zusammenarbeit mit diesbezüglich Unverdächtigen, wie der Mittelalter-Metal-Band „Subway to Sally“. Wo Meinungen politisch zu verorten seien, liege beim Betrachter, kommentiert Korn sein viertes Album „Wie lange noch“ (East-international Music). Daher hat er zehn Songs auf zwei CDs pressen lassen: „Rechts“ und „Links“ steht auf den Covern, im Hintergrund Schwarz-Rot-Gold. Das baut Spannung auf. Hinterfragt Korn damit eigene Überzeugungen?„Wir sind besessen vom Nichtvergessen“, singt Korn in „Treibjagd“, sorgt damit bei uns für erste mulmige Gefühle. Die „Rechts“-CD ist dominiert von Korns E-Gitarre, wie im rasanten Stakkato von „Wie lange noch“. Im Gegensatz zum Vorgänger verzichtet er weitgehend auf elektronische Klänge. Es sind die sauberen, oft monotonen, doch treibenden Beats der „Neuen Deutschen Härte“, die Erinnerungen an „Rammstein“ wecken. Folglich überrascht Korn mit Balladen wie „Ewige Ruhe“ oder „Zimmer 100“. Bei letzterer lässt er die Gitarre stehen, singt von Liebe, Sehnsucht und Schmerz und überlässt beim Refrain „Komm zu mir – zurück zu mir“ das Feld dem Keyboard und einer zarten Frauenstimme. Das ist willkommene Abwechslung zur an- und wehklagenden Thematik des Albums. „Der Sieger singt noch immer falsche Lieder – Er schreit es rein in mein Ohr und leitet den Chor“, so der Sprechgesang von „Warum“. Warum sind „wir zu jeder Schuld bereit“? Die Wut über das ungeliebte deutsche Erbe ist mit Händen zu greifen.Ruhiger geht es auf dem zweiten Teil des Doppelalbums zu. Auch wenn die harten Riffs und der markante Bass von „Freiheit“ anfangs den Kopf zum Nicken bringen. Mit ruhigen Stücken wie „Seele“ – mit ehrlicher Traurigkeit vielleicht das beste Stück – zeigt Korn musikalische Vielseitigkeit. Thematisch jedoch nicht: Wenn es politisch wird – und das wird es oft – stilisiert sich Korn zum Ankläger. Er prangert ein blindes und stoisches Beharren auf ewiger deutscher Schuld an – was er vielerorts genau meint, bleibt aber schwammig genug, um einer Indizierung zu entgehen. Aber offenbar eindeutig genug für die NPD: Die packte drei frühere Werke auf eine „Schulhof-CD“ – nach eigenen Angaben ohne Zutun Korns. Was bleibt, ist ein instrumentell solides Album und der Eindruck, hier gefalle sich jemand in einer trotzigen Opferrolle. Ganz so schwer ist das Deutschsein aber eigentlich nicht. Die Chance, auf dem Album „rechte“ und „linke“ Gedanken gegenüberzustellen, hat Korn verpasst. Statt aus aktuellem Anlass ein Wort über die Opfer rechten Terrors zu verlieren, schmäht er im Booklet kritische Journalisten und Initiativen gegen Rechts. Dialogbereitschaft sieht anders aus.

 
 


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