„Und sprachen von Liebe viel.“ Literarischer Streifzug mit Musik am 29. Januar im Haus Waldeck, Griesheim, Eichendorffstr. 50, Einlass ab 18.30 Uhr, Eintritt frei.
Nichts tut Edith Kreischer lieber als lesen. Das war auch der Grund, Literaturwissenschaft zu studieren. Vor 15 Jahren kam sie auf die Idee, die Kultur in Griesheim mit einem Lesekreis zu bereichern. Im Gegensatz zu einem Volkshochschulkurs sollten die Teilnehmer sich nirgends eintragen und auch nichts vorbereiten; nur Neugier war gefragt. Schon zu der ersten Veranstaltung kamen zehn wissbegierige Bücherfreunde. Heute sind es meist um die 20 Menschen, die sich im Georg-August-Zinn-Haus zum Lesekreis treffen.
„Sie liest Sachen vor, von denen ich nie geglaubt hätte, wie spannend sie sind“, gibt eine Teilnehmerin zu, „zum Beispiel fantastische Geschichten oder moderne Lyrik.“ Der Fundus von Edith Kreischer ist die gesamte Literatur der vergangenen 300 Jahre. Zunächst erzählt sie, was sie über den Autor und seine Zeit herausgefunden hat. Dann trägt sie vor: Gedichte oder Prosa-Miniaturen. Anschließend diskutiert sie mit den Zuhörern. „Die Lesearbeit ist eigentlich ein Dialog“, ist sie sicher, „er beginnt normalerweise erst bei der zweiten Lektüre – vorher kennt man ja nur die Oberfläche des Textes.“
Alle Beteiligten freuen sich, wenn sie feststellen, wie findig sie sind. „Seit ihrer Schulzeit glauben einige Menschen, Lyrik sei so etwas wie eine Rechenaufgabe“, bedauert die Germanistin, „dabei ist es gar nicht schwierig, gemeinsam verdeckten Textaussagen nachzuspüren.“ Sie glaubt, dass gute Texte von ganz alleine mit dem Leser sprechen – allerdings nur, wenn er offen ist für Neues, Ungewohntes, Unerhörtes. Für die konzentrierte Arbeit mit ungewöhnlichen Texten wird er allerdings im Lesekreis mit einem erweiterten Horizont belohnt.
Für die Jubiläumslesung bietet der Pavillon des Hauses Waldeck einen besonders festlichen Rahmen. Neben Edith Kreischer lesen Christiane Knöchel und Wolfram Anschütz. Die Romantik, die Erotik, die Verführbarkeit und die Begierden werden unter dem Generalthema Liebe erfasst. Dazu spielt der Pianist Thomas Kremser Werke von Bach, Brahms, Schubert und Liszt. Das ironische Motto dazu liefert Heinrich Heine: „Sie saßen und tranken am Teetisch. Und sprachen von Liebe viel.“
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