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27. Januar 2012  | Von Bettina Bergstedt

Schönes Urvieh

Lesung – Schauspielerin Eva Mattes erinnert sich an ein Leben in Protest- und Beifallsstürmen

| Vergrößern | Entspannt beim Erinnern an Skandale und Sternstunden: Eva Mattes im Jagdhofkeller. Foto: Claus Völker
DARMSTADT. 


Das Hineinschlüpfen in eine Rolle beherrscht Eva Mattes seit Kindertagen auf beeindruckende Weise. Und doch war sie, so scheint es, immer bei sich. Genau diese Momente, in denen Rolle und eigene Person miteinander verschmelzen, nennt Eva Mattes „Sternstunden“: „Ilse war die reine Hingabe und für einen Moment verliebte ich mich in sie“, liest Mattes – in dem Augenblick, als sie sich küssten – „das ging zu den Zuschauern zurück.“
Es ist die Zeit, als sie mit Peter Zadek und Ilse Ritter Mitte der achtziger Jahre „Die verlorene Zeit“ am Schauspielhaus Hamburg probte und aufführte, ein Stück, das Proteststürme auslöste, wie so viele Filme und Theateraufführungen, in denen Mattes mitwirkte. Hier war es die lesbische Liebe auf der Leinwand.

Die Biografie

Eva Mattes: „Wir können nicht alle wie Berta sein“, Ullstein Verlag, 19,99 Euro


In ganz jungen Jahren sorgte ihre Nacktheit als Minderjährige für Aufsehen („Wildwechsel“). Im Antikriegsfilm „Ok“ von Michael Verhoeven spielte sie, fünfzehnjährig, ein Vergewaltigungsopfer. Die damaligen Sorgen ihrer Kollegen („Das Kind kriegt einen Knacks!“) zerstreut Mattes: „Ich war Schauspielerin und ich war professionell“.
Stimmt schon: Während der Dreharbeiten schnappte sie das Urteil über sich auf: „Keine Schönheit, aber ein schauspielerisches Urvieh!“
Auch erinnert sie sich an ihren langjährigen Spielpartner Ulrich Wildgruber, der Selbstmord beging. „Wir können nicht alle wie Berta sein“, der Titel ihrer Autobiografie, ist der Satz, der sie in besonderer Weise mit Wildgruber verbindet: Es war ihrer beider Lieblingssatz aus der „Wildente“ und steht dafür, dass man eben nicht immer alle Erwartungen erfüllen kann.
Die kleinen und großen Geschichten, die ihr Leben ausmachen, haben Eva Mattes offenbar nicht umgehauen, sondern reicher gemacht. Entspannt entlässt sie die Gäste dieser musikalisch-kulinarischen Lesung im ausverkauften Jagdhofkeller in die Pause, in der es Cassoulet für alle gibt nebst jazziger Klaviermusik. Mattes selbst gönnt sich erst nach der Signierstunde am Ende den köstlichen französischen Eintopf – gehört doch zu ihrer Lebensart nicht nur das Spielen, Lachen, Tanzen, Lieben sondern sicher auch das gute Essen.

 
 
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