Christine wacht auf. Und ist verstört. Wer ist der fremde Mann neben ihr im Bett? Wieso ist ihr Körper so urplötzlich gealtert? Schockiert hört sie sich die Erklärung des für sie fremden Mannes an: Sie sei mit ihm verheiratet. Sie sei nicht mehr Anfang zwanzig, sondern 47 Jahre alt. Und sie sei seit einem Unfall in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergesse sie alles, was gewesen ist. Jeden Morgen wache sie auf ohne jede Erinnerung an ihr bisheriges Leben, an ihre Identität. Während Christine im Laufe des Vormittags versucht, diesen Schock zu verdauen, klingelt das Telefon: Am Telefon ist ein Mann, der behauptet ihr Arzt zu sein. Und ihr erklärt, dass sie Tagebuch führt. Sie findet es an der beschriebenen Stelle, es ist ihre Handschrift, und was sie dort liest, beunruhigt sie noch mehr. Was ist tatsächlich mit ihr passiert? Kann sie ihrem Mann Ben vertrauen?
Was für eine Geschichte! Der Brite Steve J. Watson hat mit „Ich. darf. nicht. schlafen.“ (Scherz-Verlag, 397 Seiten, 14,95 Euro) einen international erfolgreichen Erstlingsroman geschrieben. Schon die Idee ist genial, aber auch die Umsetzung ist dem ehemaligen Mitarbeiter des britischen Gesundheitsdienstes überaus gelungen. Es fließt kein Blut, der Roman kommt ohne physische Gewalt aus. Er lässt sich fast quälend viel Zeit, um seine Geschichte zu entwickeln, die Bedrohung seiner Protagonistin lässt sich bestenfalls erahnen. Und trotzdem ist dieses Buch von der ersten bis zur letzten Zeile absolut fesselnd. Für alle Freunde des psychologischen Kriminalromans eine sehr empfehlenswerte Lektüre.
Was kann das Leben eines Archivars schon als Vorlage für einen Krimi bieten? Selbst wenn er täglich mit den Geheimdossiers der US-Regierung zu tun hat? Immerhin genug, um eine alte Jugendliebe zu beeindrucken, hofft der junge Archivar Beecher. Deshalb zeigt er Clementine den Raum, in den der Präsident sich regelmäßig zurückzieht, um zu lesen. Eher zufällig stoßen sie dabei auf ein kostbares Artefakt – ein 200 Jahre altes Buch, in dem ein Geheimcode steht, den anscheinend jeder Präsident kennen muss. Voller Panik stecken sie das Buch ein und verschwinden. Doch dann stirbt der Mann, der ihnen den Zugang zum Archiv gewährt hat, auf mysteriöse Weise und kurz darauf stellt Beecher fest, dass sie gejagt werden. Und sie nur eine Chance haben, zu überleben: Sie müssen das Rätsel des alten Buches lösen.
Vergessen Sie Dan Brown. Brad Meltzer („Die Mächtigen“. Aufbau Taschenbuch-Verlag, 509 Seiten, 12,99 Euro) kann es besser. Atemlose Spannung, hohes Tempo, eine originelle Geschichte: Kein Wunder, dass es der Thriller des Juristen an die Spitze der amerikanischen Bestseller-Listen geschafft hat. Er ist seit geraumer Zeit einer der erfolgreichsten Krimi-Autoren der USA – mit gutem Grund, wie sein aktueller Roman zeigt.
Die Journalistin Troy ist auf der Fähre nach Vermont unterwegs. Es ist ein nebliger Sommertag, vielleicht traut sie deshalb zunächst ihren Augen nicht, als sie sieht, wie ein kleiner Junge von einer entgegenkommenden Fähre ins eiskalte Wasser geworfen wird. Troy denkt nicht lange nach und springt. Tatsächlich schafft sie es, den kleinen Jungen ans Land zu ziehen. Dort erwartet sie der nächste Schock: Er wurde anscheinend absichtlich ins Wasser geworfen, denn seine Arme sind mit einem Sweatshirt gefesselt. Nach und nach gewinnt sie das Vertrauen des kleinen Paul und er erzählt ihr eine unglaubliche Geschichte: Er wurde zusammen mit seiner Mutter entführt und monatelang gefangen gehalten. Troy nimmt den Jungen erstmal mit zu sich nach Hause. Wer ist er? Und warum hat ihn niemand als vermisst gemeldet? Immer mehr wächst er ihr im Lauf der nächsten Tage ans Herz. Auch deshalb beschließt sie, mit seinem Fall nicht zur Polizei zu gehen, sondern auf eigene Faust Nachforschungen zu betreiben.
Die Geschichte beginnt dramatisch, die Umstände sind mysteriös. Kein Wunder, dass das Erstlingswerk der amerikanischen Journalistin Sara J. Henry („Ein Herzschlag bis zum Tod“, Deutscher Taschenbuch-Verlag, 335 Seiten, 14,90 Euro) von der ersten Zeile an fasziniert. Obwohl sie dann das Tempo deutlich herausnimmt, schafft sie es, mit ihrer flüssigen, atmosphärisch dichten Erzählweise eine fast hypnotische Anziehungskraft zu entwickeln. Dazu trägt ihre sympathische und glaubwürdig gezeichnete Protagonistin eine Menge bei. Auch deshalb verzeiht man der Geschichte einige haarsträubende logische Brüche, ist dieser Krimi eine alles in allem empfehlenswerte Lektüre.
Neue Krimis im Januar
Krimis – Neue Romane von Steve J. Watson, Brad Meltzer und Sara J. Henry
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