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Matthias Brandt interpretiert „Psycho“

Lesung – Matthias Brandt und Jens Thomas in Darmstadt auf den Spuren von „Psycho“

Psycho für zwei. Jens Thomas (links) und Matthias Brandt am Sonntag im Darmstädter Staatstheater. Foto: Claus Völker
In einer konzertanten Lesung interpretierten Schauspieler Matthias Brandt und Jazzpianist Jens Thomas am Sonntag Robert Blochs Klassiker „Psycho“ neu. Ihre dichte Inszenierung im Staatstheater ließ Alfred Hitchcocks Film bald hinter sich.
DARMSTADT.

„Dracula“ hatten sie sich bereits gemeinsam vorgenommen. Und da Schauspieler Matthias Brandt Robert Blochs Roman „Psycho“ bereits 2010 als ungekürztes Hörbuch (Der Hörverlag) eingelesen hatte, lag der Thriller für eine neue Kollaboration mit dem Pianisten Jens Thomas nahe. Am Sonntag traten die beiden mit ihrem Programm im Darmstädter Staatstheater auf.

Bei der Textauswahl beschränkt sich Brandt auf den Beginn, der über zwei Drittel des Abends einnimmt, und das schaurige Finale. Sein Ausflug in „Bates’ Motel“ verdeutlicht, dass die vom Mörder Norman imaginierte Mutter, die er mit zeternder, schriller Stimme auferstehen lässt, im Roman eine wesentlich größere Rolle spielt als im Kinoklassiker. Abgesehen von den drastischeren Gewalteinlagen unterstreichen die ausgewählten Stellen, dass der impotente Norman Bates zwischen Angst vor der dominanten Mutter, Gewalt- und Inzestfantasien schwankt. Perfekt versetzt sich Brandt in dessen verqueren Gedankengängen, indem er zwischen leisen, bedrohlichen Monologen und abrupten Gefühlsausbrüchen wechselt. Am Ende bündeln sich in der Lesung die murmelnden, flüsternden Stimmen allmählich zur Furcht einflößenden Figur der Mutter.

Wie Hitchcock im Kino gelingt auch Brandt und Thomas gelingt ein kalkulierter Schockeffekt, als sie nach einer langen Pause mit einem langen Schrei fortfahren. Ohnehin erweist sich Jens Thomas als virtuoser Stimmakrobat, dessen Falsett häufig einen schaurigen Chor ersetzt. Die meiste Zeit begleitet er unaufdringlich, atmosphärisch und stimmig die Lesung mit leisen Piano-Passagen. Umso eindringlicher wirken daneben die lauten Ausbrüche, in denen der Jazzer das Innere seines Flügel als Resonanzboden für absonderliche Töne zwischen Windrauschen, Röcheln und Schreien nutzt. Überdies fügt er balladenhafte Versionen von „AC/DC“-Songs als düsteren Kommentar an. Dazu stimmt Matthias Brandt ein. Langer Beifall für einen schaurig-schönen Ausflug in den menschlichen Wahnsinn.

 

Artikel Text Laenge: 1960

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  • 16. September 2013
  • Von ries
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