Für das Leben nach dem Tode empfiehlt Gabriele Wohmann eine Frisur, die zur eigenen Identität passt. Die Haare wachsen ja nicht mehr, und da wäre es zu ärgerlich, sich mit seiner Frisur nicht wohlzufühlen.
Natürlich weiß die Darmstädter Schriftstellerin, dass diese Vorstellung ganz und gar unrealistisch ist. Aber gerade ihr spielerischer Umgang mit den Gedanken ans Jenseits macht den Reiz ihrer „Träume vom Himmel“ aus. „Sterben ist Mist“, heißt der Titel zur Hälfte, und Wohmann ist nicht frei von ganz menschlicher Angst und Sorge. „Der Tod aber schön“, geht es weiter, und sie gibt sehr offen Auskunft über den Glauben, der sie zu dieser Hoffnung berechtigt.
Das ist das Sympathische an diesem Buch: Gabriele Wohmann wird nach dem Tod gefragt, aber sie erzählt vom Leben. Von der Freude an Restaurantbesuchen und dem Umgang mit Ärzten, von Lesereisen und dem Trost der Musik, von Erinnerungen an die Eltern und vom Wetter, das sie besonders dann schätzt, wenn andere Menschen die Sonne vermissen. „Ich liebe das Beobachten“, sagt Gabriele Wohmann, und sie selbst nimmt sich als Objekt ihrer Studien nicht aus. Sie schildert ihren Alltag, seine festgelegten Abläufe, die Geborgenheit vermitteln und erwartete Genüsse garantieren wie den Imbiss beim abendlichen Fernsehen. Sie beschreibt aber auch ihr eigenes Befinden in diesem Lebensrahmen und legt auf kluge Weise Rechenschaft ab über die ihren Glauben, dessen Selbstverständlichkeit die grüblerische Analyse gar nicht bräuchte. Eine so unangestrengte und zugleich genaue Selbstbetrachtung liest man selten. Wenn sie ihre Träume vom Himmel im irdischen Leben wiederfindet, heißt das nicht, dass die Erde himmlisch sei. Es ist vielmehr das Zeichen einer Glaubensgewissheit, die Zuversicht für das noch Unbekannte schenkt. Wohmann vergleicht es mit dem Theatererlebnis, dem Gefühl des Augenblicks, bevor der Vorhang sich öffnet.
Der Journalist Georg Magirius hat für dieses Buch seine Gespräche mit Gabriele Wohmann aufgezeichnet. Und er hat sie mit Auszügen aus ihren Werken kombiniert, die wiederum spielerisch den Bogen schlagen zwischen den privaten Mitteilungen der Autorin und dem Dasein ihrer Figuren – eine wunderbare Einladung, die Bücher aufs Neue zu lesen, was eigentlich immer lohnt. Man erkennt freilich auch den Abstand zwischen Literatur und diesem dokumentarischen Schreiben. Und bisweilen fragt man sich, was aus diesen autobiografischen Miniaturen hätte werden können, wenn Wohmann sie literarisch geformt hätte. Auf der anderen Seite gewährleistet gerade der lakonische, bisweilen auch naive Tonfall, dass die drohende Bedeutungsschwere des Themas unterlaufen wird mit jener trockenen Ironie, zu der diese Autorin fähig ist.
Gabriele Wohmann: „Sterben ist Mist, der Tod aber schön.“ Träume vom Himmel. Aufgezeichnet von Georg Magirius. Kreuz-Verlag in Freiburg, 120 Seiten, 14,95 Euro.
Gabriele Wohmann über Tod und Leben
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