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Entenhausen als Vorbild und Mahnung

Comics: Ist Daisy Zuckerpüppchen oder Zimtzicke? Das Donaldisten-Treffen in Hildesheim liefert neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Universum der Disney-Figuren

Neurobiologie? Nanoteilchen? Neue Energiequellen? Pah! Die einzig wahre Wissenschaft ist die Erforschung der Disney-Ducks aus Entenhausen – jedenfalls, wenn es nach der „Deutschen ...
HILDESHEIM.
Die Sagengestalt Huckup wird als „Duckup“ verkleidet: Die Aktion begleitete den Kongress der Donaldisten-Vereinigung, die sich in Hildesheim unter dem Motto „Welt Kultur Ente“ traf. Foto: dpa




Neurobiologie? Nanoteilchen? Neue Energiequellen? Pah! Die einzig wahre Wissenschaft ist die Erforschung der Disney-Ducks aus Entenhausen – jedenfalls, wenn es nach der „Deutschen Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.)“ geht. Mehr als 100 Jünger der Entenhausen-Forschung haben sich am Wochenende in Hildesheim getroffen, um die neuesten Ergebnisse der Entenforschung zusammenzutragen.
Der Ort kommt nicht von ungefähr. Schließlich läuft im Hildesheimer Roemer- und Pelizaeus-Museum gerade die „Duckomenta“-Sonderausstellung, bei der mit Entenschnäbeln verfremdete Nachbildungen von bekannten Werken der Kunstgeschichte ausgestellt sind. Auch Hildesheims Oberbürgermeister Kurt Machens kommt zur Eröffnung des Donaldisten-Kongresses. „Es geht um den Speicher. Deshalb treibe ich mich in Ihrer Nähe herum“, gesteht er. Doch einen Zugang zu Dagoberts Ducks Geldspeicher haben die Donaldisten noch nicht gefunden – auch wenn sie im Rahmen ihrer Forschungen schon einen exakten Stadtplan von Entenhausen gezeichnet haben.
Keine Frage scheint den Entenhausen-Experten in ihrem Eifer zu abwegig. So referiert Donald-Forscher Wilfried Trost beim Jahreskongress „neue Antworten auf eine alte Frage“: die exakte Größe von Donald Duck, der er sich mit zahlreichen Messungen in Comic-Zeichnungen angenähert hat. Susanne Luber beschäftigt sich mit donaldistischer Geschlechterforschung: „Zuckerpüppchen oder Zimtzicke – Daisy Duck im Genderlook“ lautet der Titel ihres Referats. Patrick Bahners, Feuilletonchef der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, hat zuletzt mit seinem Buch „Die Panikmacher“ eine Art Anti-These zu Islamkritikern wie Thilo Sarrazin geliefert. Beim Donaldisten-Kongress packt Bahners, Ehrenmitglied der Donaldistischen Akademie der Wissenschaft, dieses heiße Eisen an und beschäftigt sich mit den „Grenzen der Toleranz“ in Entenhausen. Da müssen dann der „Maharadscha von Zasterabatt“ und der Herrscher von „Majoran“ für die Illustration der Thesen herhalten.
Von den Gepflogenheiten wissenschaftlicher Fachkongresse halten die Donaldisten wenig. Statt Applaus werden die Ausführungen der Referenten von Comic-typischen Lautmalereien wie „Klatsch, klatsch, klatsch“ oder „Hört, hört“ unterbrochen. Und an mehr oder weniger passenden Stellen erheben sich die Entenhausen-Erforscher, um ihre Donaldisten-Hymne zu singen. Für die Anhänger liefert das Duck-Universum die Vorlage für Phänomene in der realen Welt. So macht Luder eine „postfeministische Gesellschaft“ in Entenhausen aus. „Auch da ist uns Entenhausen Vorbild und Mahnung.“

 

Artikel Text Laenge: 2756

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  • 30. März 2011
  • Von Sebastian Knoppik
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