Warum wurde TV-Moderatorin Eva Herman von der ARD vom Bildschirm verbannt? Wieso trat Andrea Ypsilanti zurück? Und wie war das nochmal mit der Geliebten von Jörg Kachelmann? Auf rund 250 Seiten haben Karin Rieppel und Marc Polednik in „Gefallene Sterne“ noch einmal all die Protagonisten vergangener Skandale versammelt: Guttenberg, Käßmann, Friedman, Sarrazin, Benaissa und Co.
Es ist ein Buch mit hehrem Anspruch. Die beiden TV-Journalisten wollen all die Affären und Affärchen und den Umgang der Medien mit den Betroffenen analysieren und Gemeinsamkeiten aufzeigen. Beide haben daher unzählige Zeitungen und Zeitungsberichte durchleuchtet und zitieren genüsslich aus diesen. Flott und unterhaltend ist das, wenn sie sich über Jörg Kachelmanns „Blumenkohlwolken“ amüsieren und dann noch einmal all die schmierigen und schlüpfrigen Details aufzählen aus dem Vergewaltigungsprozess des letztlich freigesprochenen TV-Moderators. Zumeist zitieren sie indirekt – aus „Bild“, „Bunte“ oder „Süddeutscher Zeitung“.
Doch ihr eigentliches Ziel verlieren Polednik und Rieppel völlig aus den Augen. Denn eine ernstzunehmende Analyse der Selbst- und der Medieninszenierungen liefert das Buch nicht. Allzu oft werden Regenbogen- und Qualitätspresse verallgemeinernd in einen Topf geworfen. Im Kapitel über die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann, die nach einer Trunkenheitsfahrt zurücktrat, heißt es lapidar: „Im Fall Margot Käßmann läuft eine Medien-Maschinerie bereits auf Hochtouren. Ihre Trunkenheitsfahrt muss dämonisiert werden.“ Tatsächlich? Als sei nicht jeder Journalist selbst verantwortlich für das, was er da schreibt.
Marc Polednik und Karin Rieppel: „Gefallene Sterne – Aufstieg und Absturz in der Medienwelt“. Verlag Klett-Cotta, 254 Seiten. 17,95 Euro.
Käßmann selbst merkte später an, ihre Promillezahl aus der Zeitung erfahren zu haben, heißt es im Buch. War das tatsächlich so? Sollte man da als Journalist nicht einfach mal bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft nachfragen? Rieppel und Polednik verzichten auf solch eine zwingend nötige Gegenrecherche, denn „Zweifel an dieser Version scheinen unbegründet“. Mit keinem der Betroffenen haben Rieppel und Polednik hinterher über diese Skandale gesprochen. Doch wäre das nicht ein erhellender Aspekt eines solchen Buches: Was denkt Käßmann heute über die damaligen Geschehnisse?
Käßmanns Worte am Tag ihres Rücktritts („Du kannst nicht tiefer fallen als in Gottes Hand“) interpretieren Polednik und Rieppel kurzerhand als Zeichen der Schmach und der erschütternden Niederlage. Das Zitat ist auch noch falsch: In Wirklichkeit sagte Käßmann „nie“ statt „nicht“.
Mangelnde Recherche, haarsträubende Fehlinterpretationen, unnütze Verallgemeinerungen. Es ist das kleine Einmaleins des Journalismus, gegen die dieses Buch an vielen Stellen verstößt. So wird ein Kommentar der Feministin Alice Schwarzer kurzerhand als „zutreffend“ bewertet, obwohl man über dessen Inhalt sehr wohl kontrovers diskutieren könnte.
Nadja Benaissa, Claudia Pechstein, Gabriele Pauli, Michel Friedman, Dieter Althaus: In „Gefallene Sterne“ werden all die Geschichten, die ohnehin jeder in einem solchen Buch erwarten würde, noch einmal aus zweiter Hand nacherzählt – ohne innovativen Ansatz. Das passt dann immerhin gut zu dem reißerischen Titelbild. Die gegen ihren Willen von der Justiz in die Öffentlichkeit gezerrte Musikerin neben der Spitzensportlerin und den Berufspolitikern, als seien sie alle eine Soße. Auf Vergleiche aus anderen Epochen oder Ländern wird sogar komplett verzichtet. Aber dafür wäre ja auch ein bisschen mehr Recherche nötig gewesen.

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