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"white box". Foto: Willi Bucher
Dr. Andreas Beitin, Direktor des ZKM, Museum für neue Kunst Karlsruhe über Willi Bucher:
Mit Willi Bucher möchte ich Ihnen einen Künstler vorstellen, der nicht nur innerhalb verschiedener Medien arbeitet, sondern der es darüber hinaus auch versteht, die verschiedenen Medien miteinander motivisch oder thematisch überzeugend zu verbinden.
Seit vielen Jahren arbeitet Willi Bucher in den Bereichen von Malerei, Zeichnung, Skulptur, Video und Installationen. Das Malerische zieht sich jedoch durch die unterschiedlichen Medien bis hin zu dem großen 3D-Videoraum, den Sie hier im Zentrum der white box sehen. Der medialen Breite des künstlerischen Schaffens von Willi Bucher entsprechend, ist er umkreist von Malerei und Zeichnung, von Video und Collage. Der Videoraum selbst vereint alle diese künstlerischen Disziplinen in sich. Lassen Sie mich im Folgenden durch die verschiedenen Medien an den 3D-Raum heranarbeiten.
Der konzeptuelle Ansatz in der Malerei von Willi Bucher wird vor allem in seinen Sprachlandschaften deutlich, wie etwa in dem Bild zivilisationsrest. Auch hier haben wir einen extrem hohen Horizont vor uns, nur dass es aus ihm blutig herauszulaufen scheint. In den hellroten Schlieren erkennt man Buchstabenreihen, die vertikal aufgedruckt sind. Liest man sie von oben nach unten, so wird der Titel lesbar: Zivilisationsrest. Sind es die Reste einer Zivilisation, die hier vor uns in Strömen herab rinnen? Zerfließt alles in einem apokalyptischen Ende? Der Titel der von den Curatorial Partners konzipierten Reihe, in deren Rahmen auch diese Ausstellung stattfindet, ist Babylons Schatten. Das Vergängliche, die Nachtseite und das dem Untergang Geweihte meint man in einem Bild wie diesem erkennen zu können. Hier fließen sie dahin, die Reste der Zivilisation, aufgelöst im Blut der Menschheit.
Auch einige weitere, meistens abstrakte Bilder, sind mit Textzeilen bedruckt, wie feindlichestille oder alterego. Technisch ist Willi Bucher ganz nah dran am aktuell Möglichen, denn er lässt die Schrift mit einem 3D-Tintenstrahldrucker auf die Ölfarbe aufdrucken. Dieses neue Druckverfahren ermöglicht es, auch unebene Flächen zu bedrucken. Der gestisch ausladende Pinselstrich steht in den Bildern im Gegensatz zu den gradlinig-gedruckten Textzeilen. Diese Bilder entstammen der Schnittmenge von abstrakter Malerei und konkreter Poesie – mithin eine künstlerisch singuläre Position.
Kommen wir abschließend zu Willi Buchers 3D-Video-Installation Farb|Raum. Die Hauptkomponenten sind Licht, Farbe und Raum. Wir sehen die Farbe durch das Medium Licht und erleben sie im Raum. Nicht zweidimensional wie auf einer Leinwand, sondern dreidimensional, virtuell in den Raum ausstrahlend.
Virtualität ist ein Begriff, der mit den so genannten Neuen Medien seine Verbreitung in der Kunst gefunden hat und eine Verwandtschaft aufweist zur ambivalenten Begrifflichkeit der Simulation. In Willi Buchers Farb|Raum begegnen sich diese beiden Sphären der Simulation. Denn auch hier wird auf der einen Seite etwas vorgegeben, was nicht existiert und zugleich erzielt man andererseits einen wahrnehmungsästhetischen Erkenntnisgewinn aus dem Betrachten der Projektion.
In seinem Farb|Raum ist zunächst ein querrechteckiges, abstraktes Bild zu sehen, von dem sich Farbschleier zu lösen scheinen. Durch den 3D-Effekt meint man die verschiedenen Farbfragmente auf sich zufliegen zu sehen. Es entsteht der Eindruck, dass man durch verschiedene Schichten des Bildes hindurchtaucht, ohne dass sich das Bild selbst dabei auflöst. Immer neue Farb-cluster strömen aus den sich verändernden abstrakten Bildflächen hervor. Bucher verknüpft auf bemerkenswerte Weise in seinem Farb|Raum mittels digitaler Bildgenerierung also Licht, Malerei und das bewegte Bild des Videos miteinander. Durch den Blick des Betrachters durch 3D-Brillen bekommt die Video-Installation eine immersive Qualität, die uns in den Farbraum hineinzieht und zum Wanderer in ihm werden lässt.