Die Ausstellung im Alsbacher Sonnensaal, Hauptstraße 28, ist noch bis zum 30. Oktober geöffnet – samstags von 14.30 bis 18 und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Ein Katalog ist für 30 Euro erhältlich. Am 30. (Sonntag) um 15.30 Uhr führt der Galerist Markwart Müller-Linow durch die Ausstellung. Am 29. (Samstag) referiert der Theologe Richard Hartmann in Bensheim-Auerbach über die von Bruno Müller-Linow gestalteten Glasfenster in der Heilig-Kreuz-Kirche.
Als Künstler erstmals in Italien sein und sich doch nicht heillos überwältigen lassen von südlicher Sonne und kulturellem Glanz – das setzt Eigensinn und Charakter voraus. Solche Gedanken schießen einem durch den Kopf, wenn man vor den Rom-Bildern steht, die der junge Bruno Müller-Linow (1908–1997) von seinem Stipendienaufenthalt in der Villa Massimo 1941/42 mit nach Hause gebracht hat.
Die Parkszenen, auf denen Statuen und Säulen nur aus widerspenstigem Gezweig hervorscheinen dürfen, wirken so herbstlich, dass sie gut auch nördlich der Alpen entstanden sein könnten. Sie gehören zu den 76 Gemälden, die derzeit – als verspätete Hommage zum 100. Geburtstag des Künstlers – bei den Kunstfreunden Bergstraße in Alsbach zu sehen sind.
Zusammengetragen sind die Werke zur einen Hälfte aus dem Nachlass Müller-Linows, den seine Söhne verwalten. Die andere Hälfte stammt aus privaten Sammlungen. Dies erklärt, warum nur 30 der ausgestellten Werke verkäuflich sind.
Naturgemäß zwingt der Querschnitt durch fünfeinhalb Schaffensjahrzehnte Ölgemälde und Wasserfarbblätter ebenso nebeneinander wie Repräsentatives und Intimes, Landschaften und Stillleben, Porträts und Interieurs.
Deutlich werden dank dieser Mischung die unterschiedlichen Stilphasen des Künstlers: Für die fünfziger Jahre typisch ist, dass kräftiges Kolorit gebändigt wird von der Klammer breiter schwarzer Konturen – ein Nachklang der Freundschaft mit Karl Schmidt-Rottluff.
Dass Müller-Linow zwischendurch auch ein Auge auf die zeitgenössische abstrakte Malerei warf, zeigt die Gouache „Niedersächsische Landschaft“ als freies Mosaik mit Verve aufgetragener Farbflächen, über denen ein zentral gesetzter Sonnenball kompositorisch die Fäden zieht.
Man könnte bei diesem Künstler von einer expressionistischen Grundausstattung sprechen, zu der sich mitunter ein paar impressionistische Schlenker gesellen. Was sich allerdings durch alle Phasen seines Schaffens zieht, ist das Primat der Farben. Sie sind es, die die Gegenstandswelt bestimmen, und nicht umgekehrt.
Der Augenmensch Bruno Müller-Linow entdeckte seinen Luxus in den alltäglichen, sinnlichen Genüssen: den Flecken im Schuppenkleid eines Fischs, dem Lichtreflex auf einer Glasvase, dem Rotspektrum eines Stands Löwenmäulchen, dem Muster von Vorhängen, Teppichen und Tapeten.
Für seine Bilder wünschte sich Müller-Linow stets den „visuell gebildeten“ Betrachter. Wenn er selbst – speziell in den Stillleben der späten Lebensjahrzehnte – einer Versuchung erlag, dann war dies eine allzu vordergründige koloristische Attraktivität, die meinte, auch ohne die Dunkelwerte der Kontur auskommen zu können. Eine Entwicklung, die dennoch nicht unumkehrbar war.
Nach den vielen Motiven aus Deutschland, Frankreich und Holland, inklusive Abstechern nach Danzig und Prag, führte ihn seine letzte große Reise 1996 nochmals nach Italien. Jede anbiedernde Lieblichkeit ist nun fortgepustet aus den von einem hohen Blickpunkt erfassten Ansichten des umbrischen Hügellands: Er stellt sie als Wechselspiel aufleuchtender und zurückgenommener Farben und als breit hingelagerte und energisch aufgewölbte geologische Strukturen dar.
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