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08. September 2011  | rh

Kunst zwischen Staub und Spänen

Dauerausstellung: Der Bildhauer Friedrich Höfer lädt in sein Atelier ins Odenwald-Dorf Laudenau ein

| Vergrößern | Friedrich Höfer in seinem Bildhauer-Atelier in Laudenau. Foto: Kirsten Sundermann
REICHELSHEIM. 


Wenn Friedrich Höfer von den Zeiten erzählt, als er sich in Laudenau niederließ, schwingt Pioniergeist mit. Knapp dreißig, das Bildhauerstudium bei Hans Mettel an der Frankfurter Städel-Schule hinter sich, die ersten öffentlichen Aufträge in der Tasche, erwarb er am oberen Ausgang des langgezogenen Odenwald-Dörfchens ein Hanggrundstück.

Termin

Friedrich Höfers Atelierfest in Reichelsheim-Laudenau, Winterkastener Straße 32, beginnt am Samstag (10.) um 16 Uhr. Künftige Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 15 bis 19 Uhr.


In die Steilmulde einer ehemaligen Kiesgrube setzte er ab 1969 erst das Atelier, dann, als sukzessive Anbauten, das Wohnhaus für die junge Familie. Über Platzmangel kann er nicht klagen. Eine Auffahrt führt zu einer Freifläche, wo er größere Steine lagert und wo sich im Schatten von Eichen und Kastanien im Sommer gut arbeiten lässt. Seitlich geht es zu zwei Schuppen, die er als Materiallager nutzt. Schließlich das Atelier selbst: eine Natursteinfront mit Fenstern darüber, durch die Nordlicht einfällt, ein breites, blaugestrichenes Tor und eine Firsthöhe von sieben, acht Metern – hier können problemlos auch Großskulpturen ausgeführt werden.
Nach vier Jahrzehnten, in denen Höfer die Abgeschiedenheit von Laudenau (heute ein Ortsteil von Reichelsheim) auf den Leib geschnitten schien, wird er jetzt unruhig, beschleicht ihn das Gefühl, ein Œuvre akkumuliert zu haben, dem er eine Plattform geben will.Daher sein Entschluss: In einer Atelierausstellung mit regelmäßigen Öffnungszeiten sollen seine Werke in Marmor, Kalkstein oder Granit, Holz und Erz, an den Wänden ergänzt um Zeichnungen und Holzschnitte, künftig Kunstinteressierten zugänglich gemacht werden. Gleichzeitig will er den Besuchern den handwerklichen Apparat, den Staub und die Späne einer betriebsamen Werkstatt nicht vorenthalten. Man spürt, dass es ihn, nach einer langen Phase als Arbeitseremit, selber nach Kommunikation gelüstet, wenn er sagt: „Übers Technische kommt man mit dem normalen Publikum viel eher ins Reden als über das Formale und Inhaltliche. “

Nur die Minderheit der plastischen Stücke lässt ahnen, dass es neben Brunnenskulpturen kirchliche Aufträge waren, die Höfer vorwiegend ernährten. Seine freie Produktion ist auf den ersten Blick nicht figürlich. Schneckenhaus-, tropfen- und bandförmige Gebilde umschlingen einander in weicher Geschmeidigkeit, sie sind Gleichnisse einer sensiblen, dennoch beharrlichen Vitalkraft. Hat man länger hingeschaut, drängen sich Nähen zum menschlichen Körper auf, hier das Gliederspiel eines weiblichen Akts, dort ein Kopf, eine Hand.
Wem angesichts der rhythmischen Schwünge musikalisch zumute wird, rennt bei Höfer offene Türen ein. Klassische Musik spielt in seiner Familie eine große Rolle. Weswegen auch am Tag der Eröffnung seiner ständigen Ausstellung Volker Hemken, Solo-Bassklarinettist im Gewandhausorchester Leipzig, Stücke zeitgenössischer Komponisten vortragen wird.

 
 
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