Die Ausstellung im Museum Heppenheim, Kurmainzer Amtshof, Amtsgasse 5, ist bis 5. Februar 2012 jeweils mittwochs, donnerstags und samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Weitere Informationen: www.klg-bergstrasse.de und www.kulturinitiative-leo-grewenig.de.
Bedeutet eine weitere Grewenig-Ausstellung an der Bergstraße nicht Eulen nach Athen tragen? Wurde doch dort immer wieder Einblick geboten in das Œuvre des 1898 geborenen, seit 1957 in Bensheim lebenden und dort 1991 verstorbenen Malers. Trotzdem wartet das Museum Heppenheim mit einer kleinen Retrospektive auf: zwei Dutzend Bilder, die einen Querschnitt durch sechs Schaffensdekaden liefern.
Am Beginn stehen Beispiele einer erzählerischen Variante von Neuer Sachlichkeit um 1930, am Ende, in den siebziger, achtziger Jahren Grewenigs ungegenständliche Serien, die an Konglomerate aus organischen und geometrischen Elementen denken lassen. Dabei wiegt die unterschwellige Kontinuität bei Leo Grewenig schwerer als alle Veränderung: Das Faible für dichte Farb- und Musterspiele, das den Figurenbildern ihre spezifische Poesie gibt, verselbstständigt sich auf den späteren Tafeln lediglich.
Das Rätsel um die Retrospektive löst sich, wenn man erfährt, dass es sich um eine Sonderausstellung handelt, veranstaltet, um die Gründung der „Kulturinitiative Leo Grewenig“ publik zu machen. Erster Vorsitzender ist Erich Henrich, Kunsterzieher und „lebenslang von der Bauhaus-Tradition begleitet“, wie er sagt. Der zweite Vorsitzende Christoph Breitwieser ist wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums Bensheim, wo Werke Grewenigs dauerhaft präsent sind. Ihre Kulturinitiative will von mehreren Orten des Kreises Bergstraße aus tätig werden. Die Museumsachse Bensheim-Heppenheim handelt hier konzertiert, wie Ulrich Lange, Leiter des Heppenheimer Museums, bekräftigt.
Wichtiger jedoch: Leo Grewenig und sein Werk sind gedacht als „Aufhänger“ für ein ehrgeiziges Projekt, das die Pflege eines einzelnen Künstlernachlasses übersteigt: Der Verein will dazu beitragen, den Bauhaus-Gedanken im öffentlichen Bewusstsein zu halten – beispielsweise als Austausch mit Institutionen außerhalb der Region, eventuell in einer Doppelschau mit Grewenig. Bei größeren Ausstellungen wollen die Museen Heppenheim und Bensheim die Aufgabe gemeinsam stemmen.
Pro Jahr ist als Mindestangebot eine Schau, einen Vortrag und eine Exkursion geplant. Außerdem sollen die Aktivitäten den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Henrich möchte im Kontakt mit Kunst- und Fachhochschulen herausfinden, wie viel von der berühmten Grundlehre des Bauhauses noch lebendig ist. Breitwieser hält regional Ausschau sowohl nach historischen Gebäuden, die im Bauhaus-Stil errichtet wurden, wie nach Architekten, die sich heute dem Geist des Bauhauses verpflichtet fühlen. Eine Firma in Zwingenberg, heimisch in einem „wunderbar restaurierten“ Bau aus den dreißiger Jahren, hat sich bereits für die „Leo-Grewenig-Kulturinitiative“ erwärmt, jubelt Breitwieser. Mitstreiter Erich Henrich versichert dazu: „Wir werden aber immer wieder auf Leo Grewenig zurückkommen.“
Was konkret auf Grewenigs Tochter Waltrud Hoelscher in Bensheim zurückzukommen bedeutet. Diese hat in den letzten Jahren aus dem Nachlass viele Bilder an Museen und Institutionen in Saarbrücken, Weimar, Dessau, Berlin sowie ans Hessische Landesmuseum Darmstadt gegeben. Trotzdem scheint der Fundus fast unerschöpflich. Henrich sagt: „Sie zaubert immer neue Arbeiten aus den Schubladen.“
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