TRAUTHEIM.
Wann und wo
Bis 30. Oktober in der Trautheimer Galerie Lattemann, Papiermüllerweg 7. Geöffnet ist mittwochs bis freitags von 16 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr und sonntags von 15 bis 18 Uhr.
Verena Guther betrachtet die Welt gern von oben. Das sieht man derzeit an ihren Werken der Malerei und Kunstfotografie, die sie in der Galerie Lattemann in Trautheim ausstellt.
Die 1957 in Darmstadt geborene Künstlerin studierte experimentelle Grafik an der Hochschule der Künste Berlin. Seit den achtziger Jahren reist sie in die Metropolen der Welt, um diese aus meist erhöhter Perspektive und ungewöhnlichen Blickwinkeln zu fotografieren. Dabei achtet Guther nicht vorrangig darauf, gefällige Stimmungen zu vermitteln, sondern richtet ihren Blick auch auf Nebensächlichkeiten und unauffälligere Details. So hebt sie die dreidimensionale Wirkung teilweise auf, indem sie zum Beispiel ein fotografiertes Taxi über die Bildgrenze hinweg in eine gemalte Fläche fahren lässt.
Einen individuellen Blick auf jede Stadt hat fraglos jeder Fotograf, ja sogar jeder Tourist. Diesen Blick jedoch so in die Wirklichkeit des Bildes zu übersetzen, dass er auch im Ausstellungsraum wirkt, vermögen nur wenige. Verena Guther gelingt die Verbindung zwischen dem rein abbildenden Medium der Fotografie und der schöpferischen Tätigkeit als Malerin außerordentlich gut, wie man in der Ausstellung vor Augen geführt bekommt. Man möchte sich geradezu in die Bilder versenken, die trotz ihrer Kleinteiligkeit und überbordender Vielfalt immer ein harmonisches Ganzes der Stadt vermitteln.
Örtliche Merkmale, die den Fotografien zugrunde liegen, werden von Guther malerisch nachempfunden und obendrein mit grafischen Zeichen versehen. So setzt sie in ihr Werk „Shanghai V“ neben die grauen Wände von Hochhäusern bunte Streifen und verstärkt damit die Wirkung der vorhandenen Farben noch. An vielen Stellen in ihren Fotografien greift die Künstlerin auf diese oder ähnliche Weise in die Gegebenheiten ein.
Im Werk „NY-urban space“ fügt sie ein Stadtpanorama rasterartig an eine Fußgängerzone an und lässt dahinter den Himmel glühend rot erstrahlen. So speziell und ausgefallen ihre Ideen aber auch sind – die Anmutung der Städte und ihrer Bewohner bleibt meist der Realität verpflichtet.
Die besonders kräftig hervortretenden Farben verleihen den Werken mit ihren technisch-kühlen Motiven einen positiven und vitalen Eindruck. Klar abgegrenzte leuchtende Farbfelder bilden neben schwarzen Gitterstrukturen in Verlauftechnik einen reizvollen Kontrast. Dieser muss nicht immer mit der am realen Ort herrschenden Atmosphäre übereinstimmen. Doch gerade das ist es, was die Bilder so bemerkenswert macht.
Die Schauplätze von Verena Guthers Schaffen sind in der Trautheimer Ausstellung New York und Schanghai, zwei Millionenmetropolen, deren markante Eigenheiten die Künstlerin herauszuschälen versteht. Durch übermalte Zeitungsausschnitte und einen Mix an fotografischen und malerischen Elementen verbindet sie die Kunstsparten Malerei und Fotografie gekonnt.
Dieses Spektrum an angewandten Techniken lässt beim Betrachter nie den Eindruck von Eintönigkeit und Zufälligkeit entstehen. Die fertigen Panoramen setzt Guther zu einer neuen Ordnung zusammen. Dies gibt dem Betrachter die Möglichkeit, immer aufs Neue zu rätseln, wo denn nun die Authentizität der Fotografie aufhört und wo der kreative Prozess der Künstlerin beginnt.

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