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14. April 2011  | Von Roland Held

Der Künstler, der sich nicht verschlingen ließ

Ausstellung: „Poetische Werbung“ für Opel: Hans Diebschlag und „Die Träume des Adam“ in Rüsselsheim

| Vergrößern | Hans Diebschlag träumt vom Opel in Aquarell. Foto: Veranstalter
RÜSSELSHEIM. 



Wann und Wo

Bis 15. Mai in der Halle A1, Bahnhofsplatz, Rüsselsheim: Mittwoch bis Freitag 16 bis 18, Samstag 10 bis 15, Sonntag 15 bis 18 Uhr. Eröffnung ist heute (Donnerstag) um 19 Uhr. Vernissagegäste erhalten den Katalog gratis.


Ein Adam, der es ganz ohne Eva geschafft hat, sozusagen zum Stammvater der Rüsselsheimer zu werden. Opel mit Nachnamen. Er ist gemeint, wenn Hans Diebschlag seinen jüngsten Zyklus von 32 Gemälden als „Träume des Adam“ ankündigt. Und wovon wird da geträumt? Von so ziemlich allen Automodellen, die den Weg aus Rüsselsheim in die Welt fanden, seit Firmengründer Adam Opel sein unternehmerisches Wirkungsfeld von Nähmaschinen und Fahrrädern verlagerte auf Benzinkutschen. Gleich zehn von ihnen, vom Uralt-Rennwagen mit Kurbel bis zum aktuellen Modell von 2008, fallen, wie ein vielstöckiger, bunter Blechsandwich, auf dem im gleichen Jahr entstandenen Hochformat aus den Wolken. „Oh happy day“ erklingt es von dort.
Stimmt der Maler Diebschlag – vor 60 Jahren als Sohn eines Opel-Arbeiters geboren und schon lange in Südengland lebend – ins Loblied ein? Dem Freund seiner Kunst wird etwas flau zumute, wenn er in der Einladungskarte die Floskel „poetische Werbung“ liest. Und wenn ihm in der Werkshalle A1 beim historischen Opel-Hauptportal gleich eine Gruppe von sechs Aquarellen entgegenleuchtet, wo der schnittige Zweisitzer Opel GT seinen Auftritt an diversen Orten Kaliforniens hat, vom Surferstrand zum Hollywood Boulevard bis zum Pacific Coast Highway 101. Tadellos detailreich ausgeführte, attraktive Wasserfarb-Blätter – doch hat die Werbung sämtliche Poesie ratzeputz verschlungen.

Gefragt, wie viel Werbung er denn mit seinem künstlerischen Gewissen vereinbaren kann, winkt Diebschlag ab. Die Serie „California Dreaming“, erklärt er, habe eine eigene Geschichte, gemalt „in eindeutigem Opel-Auftrag“ für den Verkaufsstart des Modells GT in den USA. Den Löwenanteil der Ausstellung – auch das überwiegend großformatige Aquarelle – jedoch charakterisiert der Urheber als „Vorlagen für Werbeposter, wie sie mir Spaß machen würden: in erster Linie nicht auf Verkauf zielend, sondern auf Bewusstwerdung“. Ein hoher Anspruch, den er sich da gesetzt hat.
In der Tat leisten sich schon die nächsten Beispiele spielerische Mehrdeutigkeiten, die dem Konsum-Appell herkömmlicher Werbung eher zuwiderlaufen würden. Um in Kalifornien zu bleiben: In der Gelbstichigkeit einer Ansichtskarte posieren Thomas und Heinrich Mann, völlig anachronistisch, vor einem 1964er Opel Diplomat, und sie tragen förmliche Hüte und Mäntel, die zum Klima ihres Bungalow-unter-Palmen-Exils so gar nicht passen.
Dann ist da diese Serie, die europäische Geistesgrößen und Kulturdenkmäler – von Sokrates bis Beethoven, von der Akropolis bis zum Heidelberger Schloss – in visuellen Bezug setzt zu den wechselnden Modellen der Opel-Produktionslinie. Immer überraschend, oft ironisch, manchmal auch spinnig. Doch bleibt es zweifelsfrei mehr im Kanon des Fantasten und Exoten Diebschlag als in dem einer professionellen Werbeagentur.
Und schließlich gibt es noch die Arbeiten, auf denen Diebschlags „poetische Werbung“ unvermittelt umschlägt in – bei allen Bocksprüngen der Imagination – kaum misszuverstehende politische Stellungnahme. Das Blatt „Im Angebot“ ist angelehnt an den alten Kupferstich einer Südstaaten-Sklavenauktion. Unser Zeitgenosse schmuggelt unter die beschürzten schwarzen Mammis auf der Verkaufsplattform, die von Plantagenbesitzern kühl taxiert werden, Angela Merkel und Roland Koch ein. Während Adam Opel der Szene den Rücken zukehrt.

 
 
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