Andy Warhol hätte wohl seine Freude an den plakativen Täfelchen gehabt. Schließlich waren seine Siebdrucke, technisch gesehen, auch verfeinerte Schablonenmalerei. Nur bezieht Konstantin Voit seine Hartplastik-Schablonen aus dem Spielwarengeschäft. Bereits darin eingestanzt sind Motive: Piraten, Astronauten, Indianer, Sportler, Musiker, Trickfilmhelden, Dinos. Sie sind das standardisierte Figurenrepertoire, mit dem der Mannheimer in munterer Kombinatorik ein Variations-Universum entwirft.
Dabei bringt er lediglich durch die Löcher in den Schablonen Sprayfarbe auf Leinwand. Das jedoch in so emsigem Produktionsfluss und mit so viel Akkuratesse, dass sein Atelier im Internet als „Malfabrik“ firmiert. Tatsächlich wirbt Voit mit Namensbildern, für die er jedem beliebigen Auftraggeber zu jedem beliebigen Anlass die Buchstaben des Namens, die Ziffern des Geburtsdatums oder anderes „zu einem einzigartigen Kunstwerk“ durcheinanderzuschütteln verspricht.
Bis 25. September in der Remise am Alten Amtsgericht, Zwingenberg. Geöffnet ist samstags von 14.30 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr.
Bloß angewandte Kunst? Das Spektrum des in Zwingenberg Gezeigten ist aber nicht nur weit, sondern in der Gesamtwirkung erfrischend. Noch recht konventionell sind drei Beispiele, bei denen Städten und Bundesländern eine Art erweitertes Wappen zugewiesen wird: Im Falle von Mainz, mit Anspielungen auf römische Ruinen, Erfindung des Buchdrucks, Weinbau und 50. Breitengrad, wird daraus schon ein halbes Bilderrätsel. Voit zieht alle Register in den (als Auflagenwerk geplanten) Hommagen an Ikonen der populären Kultur wie Hitchcock, „Black Sabbath“ oder die „Schatzinsel“. Nicht nur das Übereinander der flächigen und farblich homogenen Motive suggeriert hier ein wenig Räumlichkeit. Stärker noch ist der Eindruck bei leicht versetzter Wiederholung desselben Motivs: Vom zuerst Gesprayten bleibt ein Schattenrand.
Auf solche Kniffe ist die Technik, in der es nur anonyme lackdicke Schichten gibt, auch genauso angewiesen wie auf die Möglichkeit, das Jonglieren mit Bildern und Buchstaben voranzutreiben. Dabei wird aus dem Treffen eines Comic-Cowboys und eines drolligen Extraterrestriers „Woody Alien“. Anderswo begeht der Künstler schelmische Sabotage-Akte an Logo und Design alteingeführter Markenprodukte.
Voit arbeitet auch in anderen Techniken, mit größeren Formaten. Doch um den Wiedererkennungswert der jetzt von den Kunstfreunden Bergstraße präsentierten Schablonenbilder muss das erst mal kämpfen.


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