E-Paper | Mobil | Newsletter | RSS RSS
 
 
| |
 
SUCHE: | Erweiterte Suche |
 
| Suchen |
 
 
 
02. Februar 2012  | Von Annette Krämer-Alig

Der Meister des Lichts

Das Frankfurter Städel zeigt ab heute die „Verzauberten Landschaften“ Claude Lorrains

 
| Vergrößern | Claude Lorrain im Frankfurter Städel: Das Museum zeigt ab heute Landschaftsbilder des Barockmeisters. Foto: Städel-Museum
FRANKFURT. 

Das Bild einer mediterranen Hafenidylle, deren antikisierende Architekturen in das gleißende Rot einer im Meer versinkenden Sonne getaucht sind? In Ölfarben muss das Unterfangen eigentlich danebengehen: Mehrere Jahrhunderte Landschaftsmalerei haben den Kitsch, der gemeinhin dabei herauskommt, in manches Wohnzimmer gebracht – und damit das Genre kräftig diskreditiert. Wie elegant die gleiche Szene freilich wirken kann, wenn ein Großer der Kunstgeschichte sich daran wagt, zeigt Claude Lorrains „Seehafen“ von 1644: Alles ist erfunden, eine Idylle aus Versatzbausteinen, das spürt der Betrachter sofort, aber dennoch ist dieser Hafen ein Ort, der sehnsüchtig machen kann. Denn so könnte es aussehen in Arkadien.
Das Gemälde ist jetzt zusammen mit rund 130 anderen Bildern, Zeichnungen und Grafiken Lorrains im Frankfurter Städel-Museum zu sehen. Zuvor wurde die Ausstellung, die eine Kooperation mit dem Ashmolean-Museum ist, im englischen Oxford gezeigt. Der Betrachter findet sich schnell ein in die wiederkehrenden Motive der römischen Landschaften, Segelschiffe, Tempelruinen und antikisierenden ländlichen Szenerien, zumal die (vom heutigen Bildungsschatz her gesehenen) komplexen biblischen oder mythologischen Inhalte gleich neben den Bildern ausführlich erklärt werden. Geduld sollte der Ausstellungsbesucher dennoch mitbringen, denn die Bilder verlangen Einlassen, um zum Genuss zu werden: „Claude“, wie auch die Ausstellungsmacher den Maler liebevoll einvernehmend nennen, spielte präzise mit seinen Themen – nicht detailverliebt, aber offenbar vernarrt in die vielen Möglichkeiten, die eine ruhige Baumlandschaft dem Künstler bieten kann. Mochte draußen in Deutschland auch gleichzeitig der Dreißigjährige Krieg um Katholizismus oder Protestantismus toben, so ließ sich in Rom, dem Zentrum der religiösen Macht, der Lieblichkeit der Natur doch sehr erfinderisch huldigen. Wobei das Betrachterauge die dargestellten Menschen, nach denen die Gemälde oft sogar benannt sind, freilich meist suchen muss: Die „Szenen“ wirken wie versteckt in den Szenerien, in die der Maler sie gestellt hat.
Lorrain hat der europäischen Landschafts- und Lichtmalerei der folgenden Jahrhunderte genauso wie auch der englischen Gartenkunst dauerhafte Impulse gegeben, und das wurde schon zu seinen Lebzeiten erkannt. Der Künstler galt bereits damals der anerkannte Meister der Harmonien, für den man ihn heute noch hält. Komposition, Licht und atmosphärische Nuancen gehen in seinen Gemälden bisweilen bis an die Grenzen des allzu Friedlichen oder allzu Schönen. Doch durch geschicktes Ausloten der Bildelemente gerät das Gesamtgefüge in Morgensonne wie Abendrot nie aus dem ruhigen Lot, wie die chronologisch geordnete Frankfurter Ausstellung beweist.

Wann und wo

Bis 6. Mai im Städel-Museum am Frankfurter Schaumainkai 6. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, mittwochs und donnerstags auch bis 21 Uhr. Sonderöffnungszeiten sowie weitere Informationen finden sich unter www.staedelmuseum.de.


Oft ergänzen Zeichnungen das Bild, erklären dessen Ruhe als Werden aus der Fläche. Andere Blätter stammen aus Lorrains „Liber veritatis“. In diesem Album hat der Künstler jedes seiner Ölbilder noch einmal als Zeichnung festgehalten, wobei er sich – darin ganz modern selbstbewusst – wohl immer die Freiheit vorbehielt, das bereits Geschaffene in Details zu verändern. Wie viel Detailperfektion Claude Lorrain sich durchgängig abgefordert hat, verdeutlichen jedoch am nachdrücklichsten die Radierungen: In den Zyklen arbeitete er sozusagen gegen die gewählte Technik, indem er aus unzähligen Einzelstrichen Quasi-Flächen gestaltet.

 
 
BEWERTUNGEN
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel zu bewerten. | Anmelden |
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.

 
Veranstaltungskalender
 
Veranstaltungskalender
Ihre Termine in ganz Südhessen für Kultur und Kunst, Märkte und Feste, Party und Clubs.
 
| Mehr |
ANZEIGE
Wetter: Heute | Morgen |
 
Morgens Mittags Abends
 
 
Darmstadt aktuell:
wolkig, 25°C | Mehr Wetter |
... ... ...
 
Badeseen in der Region
 
Badeseen in der Region Die Rubrik gibt einen Überblick über die bekanntesten Badeseen in Südhessen und den angrenzenden Regionen. | Mehr |
 
| Alle Artikel anzeigen |
ECHO-LESERREISEN
MotorMania Dolce vita in Italia - Ferrari, Lamborghini und Ducati
| Mehr |
 
SCHON GESEHEN?
 
 
ANZEIGE