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14. Dezember 2011  | Von Annette Krämer-Alig

„Alte Meister“ im Frankfurter Städel

Städel – Jetzt ist nach der Sanierung im Frankfurter Museum auch die Abteilung Alter Meister wieder zu sehen

| Vergrößern | Rembrandts „Blendung Simsons“ aus dem Jahr 1636 beherrscht im wiedereröffneten Alte-Meister-Trakt des Frankfurter Städel wie ein krönender Höhepunkt den Kopfsaal einer Folge von Räumen und Kabinetten, in der die Entwicklung der niederländischen Malerei von den hochmittelalterlichen Anfängen bis zum Barock nachgezeichnet wird. Foto: Staedel-Museum
FRANKFURT. 

Der Hut darf gezogen werden. Die Sanierungen im Altbau des Frankfurter Städels sind abgeschlossen, und der Beweis ist erbracht, dass Malerei von Weltklasse sich auch in farbenkräftiger Umgebung behaupten kann. Die Sammlung „Alter Meister“, die ab heute wieder zugänglich ist, hängt nun in Sälen mit sehr kräftiger Farbgebung. Rot, das an Kardinalsroben erinnert, tiefes Ultramarinblau und gediegenes, dunkles Grün wurden jeweils mit den Sammlungsgebieten verknüpft – ohne dass der neue Stolz des Städels, Raffaels Porträt von „Papst Julius II.“, am einen Ende der Saalfolge oder Rembrandts „Blendung Simsons“ an der anderen Stirnwand optischen Schaden genommen hätten.
Das Novum in der Architektur ist eine Wiederherstellung der 1878 von dem Architekten Oskar Sommer entwickelten Raumfolge der Oberlichtsäle . Denn nun erschließen sich die Kontrapunkte der neuzeitlichen Malerei mühelos – Italien hier, die deutschen, holländischen sowie flämischen Schulen dort und dazwischen der wieder geöffnet Eingang in der Zentralachse.
Hinein geht es durch den oktogonalen Kuppelsaal. Schon rein räumlich stehen so im Zentrum des neuen Parcours die „Kronjuwelen“, wie Jochen Sander, der stellvertretende Direktor des Hauses und Kurator der Sammlung Alter Meister es ausdrückt – dieser Saal ist unter anderem der Ort von Jan Van Eycks „Lucca-Madonna“ (um 1437), Roger van der Weydens „Medici-Madonna“ (1453/60) und den Flemaller Tafeln (1428/30).

Wann und wo

Im Frankfurter Städel, Dürerstraße 2, ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 , Mittwoch und Donnerstag auch bis 21 Uhr geöffnet. An den Weihnachtsfeiertagen (25./26. ) sowie am Montag (2. Januar 2012) wird von 10 bis 18 Uhr geöffnet, an Neujahr (1. Januar 2012) von 11 bis 18 Uhr. An Heiligabend (24.) und Silvester (31. ) bleibt geschlossen.


Um deren Malerei in ihrer scheinbar strichloser Perfektion auf Holz oder Leinwand zu bannen, brauchte es eine technische Revolution, weg von den traditionellen Eitemperafarben, hin zur Ölmalerei. Die Madonnen markieren jedoch in ihrer intimen Szenerie der stillenden Gottesmütter auch eine inhaltliche Revolution, die sich durch die Jahrhunderte noch ausgebaut hat. Die Malerei emanzipiert sich von der Ortsgebundenheit christlicher Altäre – sie wird realistischer einerseits, allegorischer andererseits, es entwickeln sich Porträt und bürgerliches Stillleben, neu werden aber auch die von antikischen Themen bestimmten Riesenbilder in den katholischen Ländern.
Der Gang durch die Städel-Sammlung dokumentiert diese Entwicklungen. Wiedersehen macht hier Freude, weil zum Name-Dropping nun das Konzept zum Durchlaufen gekommen ist: In der östlichen Gebäudeseite trifft man auf Dürer, Grünewald, Holbein, Elsheimer, Rembrandt, Vermeer, Brueghel oder Rubens, im Westen auf Mantegna, Botticelli, Tiepolo und Batoni, Poussin oder Chardin.
Gezeigt werden rund 400 Gemälde der Jahre 1300 bis 1800. Zu sehen sind dabei auch die bedeutenden Neuerwerbungen und Schenkungen der Schließungsmonate: Den Verlust der Darmstädter Holbein-Madonna, die in den vergangenen Jahren im Städel gezeigt wurde, hat man unter anderem mit dem Raffael, einem Lutherbildnis von Cranach dem Jüngeren sowie einer „Madonna mit Kind“ des italienischen Barockmalers Guercino sehr nobel wettgemacht.

Im Städel verbeugt man sich jetzt überdies vor der Geschichte des eigenen Hauses: Den Grundstock der Sammlung bildeten die Gemälde des Frankfurter Kaufmanns und Bankiers Johann-Friedrich Städel, die per testamentarischer Verfügung 1815 in ein neuzugründendes Museum eingebracht wurden. Was dieser Museumsgründer zusammengetragen hatte, wurde nun vor der Tür zu den „Alten Meistern“ wiedervereint – als Bilderwand in der so genannten Petersburger Hängung mit mehreren Bilderreihen übereinander,. Malereien aus mehreren Jahrhunderten gesellen sich auf engem Raum in friedlicher Koexistenz nebeneinander: Die Qualität, die drinnen pädagogisch aufgearbeitet wird, entfaltet hier den Reiz ästhetischer Anarchie.



 
 
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