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21. August 2008  | Anja Trieschmann

Institut für Neue Technische Form: „Architekten machen Design“

Kreative Fremdgänger

| Vergrößern | 20080826architekten.jpg

DIE AUSSTELLUNG „Architekten machen Design“. (Bild: Institut für Neue Technische Form Darmstadt)

 

Wenn Architekten die Spiellaune packt, weichen sie bisweilen ins Design aus. Spleens finden darin ihren lustvollen Ausdruck, Alltägliches wird schöpferisch auf Bewährungsprobe gestellt:

Genügt der vorhandene Schreibtisch meinem Anspruch nicht, entwerfe ich mir einfach selber einen. Dergleichen mögen rührige Konstrukteure in und um Darmstadt herum gedacht haben. Jetzt werden ihre einfallsreichen Produkte vom Möbel bis zum Kochbuch in der Ausstellung „Architekten machen Design“ im Darmstädter Institut für Neue Technische Form (Intef) gezeigt.

Die Exponate in zwei von vier Ausstellungsräumen beweisen Humor und Lust am Verwandeln: Sie geben ein Bild ausgelassener Kreativität ab. Michael Laubscher packt eine bekannte Malaise an schuf ein ansehnliches Christbaumskelett aus Metall, das weder Nadeln verliert noch Feuer fängt.

Auch Müllverwertung treibt aparte Blüten. Eine Kollegin zerschnitt ein in Italien gebräuchliches Plastikabsperrband und entwarf daraus eine Taschenkollektion. Da Architektur im Alltagsgeschäft Verordnungen und Bauvorgaben gehorcht und Kreativität bisweilen dort ins Korsett gezwängt ist, toben sich verdrängte Ideen aus. Nachts beim Zeichnen kam Ernst-Friedrich Krieger die Idee zum Tischsystem „mobilAAr“, das verspielt und funktional zugleich ist und die Form finnischer Seen nachvollzieht.

Design – Ausgleich zum Tagesgeschäft? Früher seien die Architekten Universalkünstler gewesen, sagt er auf diese Frage und bedauert: „Heute wird das leider nicht mehr gepflegt.“ Vor 100 Jahren war die freie Kreation eine kleine Schwester des großen architektonischen Wurfs: Als 1899 Joseph Maria Olbrich und Peter Behrens damit begannen, die Gebäude-Ensembles auf der Mathildenhöhe zu planen, drang ihr Wille zum Jugendstil bis in die Formen von Weingeschirr und Heizsonne vor. Alles sollten zur Einheit im Gesamtkunstwerk werden.

Den Verfechtern dieser Grundidee sind zwei Räume der Schau reserviert. Angefangen beim Programm der Jugendstil-Reformatoren hin zu den Meisterbauten der fünfziger und sechziger Jahre lässt sich an Text-Bild-Tafeln zu den prominenten Entwerfern die architektonische Historie Darmstadts und der Region verfolgen.

Illustre Namen wie Gropius und El Lissitzky haben die Stadt als Studenten, Planer oder Baumeister geschmückt, sie haben ihre Spuren in Kleinodien hinterlassen, die in der Ausstellung Lebens- und Wirkdaten der Gestalter begleiten.

Leichtigkeit muss sein und belebt das Geschäft bis heute – so könnte ein Fazit der Präsentation im Intef lauten: Gestaltungswille lässt sich nicht unterkriegen. Und hier und da blitzt im zeitgenössischen Kreativpool sogar der Wille zum Gesamtkunstwerk wieder auf.

Infos:

„Architekten machen Design“
Bis 13. September 2008
Institut für Neue Technische Form
Friedensplatz 10
64283 Darmstadt

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr.

Im Internet:
www.intef.de

 
 
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