DARMSTADT.
Wann und wo
Die Ausstellung in der Regionalgalerie im Regierungspräsidium am Darmstädter Luisenplatz 2 ist noch bis 16. Januar 2012 zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 17, Freitag von 8 bis 15 Uhr.
In den sechziger Jahren schuf der amerikanische Pop-Art-Maler Roy Lichtenstein eine Reihe von Bildern, deren Thema der Pinselstrich war, den er als expressiv-abstrakte Geste darstellte. Der grobe Strich wurde monumentalisiert und als Antwort der Kunstrichtung auf die aus der Publikumsgunst just verdrängte „Action Painting“ zugleich ironisiert.
Markus Oeffinger geht heute noch einen Schritt weiter. Er löst die ausladende Schleife, die sein Pinsel samt Borstenstruktur setzt, auch aus dem Bildrechteck und hängt sie als autonomes Styropor-Objekt an die Wand. Im Schaffen des Frankfurter Künstlers scheint dieser Schleife überhaupt so etwas wie eine Signaturfunktion zuzufallen, kehrt sie doch in seinen Arbeiten ständig wieder, darunter auf gleich mehreren Ebenen des Bildkastens „Firewall“. Aus dem laufenden Jahr stammend, ist dieses Werk eine Hommage an die kürzlich verstorbene Sängerin Amy Winehouse.
Ganz in schattenreiche Grautöne entrückt, lehnt die exzessive Stimm-Diva unter ihrem mächtigen Pompadour-Schopf da in einem Moment von Nachdenklichkeit, womöglich Zerknirschung. Was in gezieltem Kontrast steht zur bunten Munterkeit der sie umschwirrenden Farbkringel, deren Arabesken noch den Fliegendraht schmücken, der das Kastenbild halb verblendet.
In einiger Hinsicht verkörpert Markus Oeffinger, Jahrgang 1971, eine Renaissance von Pop Art. Die schöne neue Welt des Konsums, der Medien und des Kicks, den Geschwindigkeit sowie – nicht zuletzt – Musik anbieten, liefert ihm seine Themen. Doch sind die alles andere als kohärent durchexerziert.
Im Gegenteil, je größer die Formate sind, desto mehr sprudeln sie über von heterogenen Schichten und Motiven wie Rock-Gitarristen, Cover-Girls, Comic-Gestalten, Autos, mysteriösen Maschinen, Seifenblasen, Energiebahnen und Feuerbällen: Figürliches, technisch bewusst unterschiedlich gewissenhaft ausgeführt, in friedlicher Koexistenz mit Abstraktem und Ornamentalem. Der eine Betrachter wird das als Kitzel für seine interpretatorische Knobellust begrüßen. Dem anderen wird es vorkommen, als habe ihm der Künstler seinen Kopfinhalt brüsk vor die Füße gekippt.
Oeffinger erklärt das Disparate durch den intuitiv tastenden Entstehungsprozess: „Es ist immer ein freier, chaotischer, wunderbarer Moment, ein Bild anzufangen. Oft beginnt der Prozess mit einer Farbfläche oder mehreren Pinselstrichen. Die reine Abstraktion also. Ohne was zu wollen und völlig unbelastet. Die figürlichen Elemente sind Fundstücke, die mir am Tag und in der Nacht begegnen. Dann führt eins zum anderen. Formen brauchen andere Formen, Farben andere Farben.“ Weiß man, dass dieser Maler auch als Musiker arbeitet und beide Tätigkeiten als „energetisch geschlossenes System“ empfindet, kann einen das erinnern ans Ausimprovisieren im Jazz oder im Pop – bloß mit Farben statt Tönen. Was nicht verhindert, dass man am Ende doch den Arbeiten den Vorzug gibt, die mit weniger Quadratmetern und weniger motivischem Aufwand auskommen. Etwa „Malerangriff“ – ein Selbstporträt des Künstlers, wie er durch eine Landschaft sämiger Farbschleifen frontal auf uns zurennt, den Pinsel schwingend wie ein Irokese das Kriegsbeil.

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