„Design für Design - vom Sammeln, Archivieren, Präsentieren“
Design: Institut für Neue Technische Form hat Räume am Darmstädter Friedensplatz bezogen und zeigt Studentenarbeiten
Ausgepackt sind die Kisten, schrulliges Alltagsdesign ist auf Sockeln postiert, und die erste Ausstellung, ein studentisches Gastspiel der Mainzer Fachhochschule zum Thema „Sammlung“, unter Dach und Fach: Das Institut für Neue Technische Form (Intef), vormals auf der Mathildenhöhe beheimatet und seit Oktober 2007 ohne Adresse, hat wieder ein Zuhause.
„Einen Schirm“, wie Intef-Geschäftsführer Michael Schneider es nennt – im wahrsten Wortsinn: Denn dem Wohlwollen des 1. Vorsitzenden des Design-Vereins, Landgraf Moritz von Hessen, ist es zu danken, dass das Intef mietfrei in der ehemaligen landgräflichen Vermögensverwaltung im Zentrum Darmstadts unterkommt. Das „lange Bäuchen“, das 1730 als Leibstall für die Pferde des Landgrafen Ernst Ludwig, dem Landesmuseum Darmstadt gegenüber, am Friedensplatz errichtet wurde und heute im Besitz des Landes Hessen ist, war einst Stadtresidenz der sozial wie kulturell rührigen Prinzessin Margaret von Hessen und bei Rhein. Im Obergeschoss sind noch zwei ihrer Gasträume im Originalzustand erhalten, den Rest des zweistöckigen Gebäudes nutzen nun Schneider und seine Mitarbeiter vom Intef.
Große Sprünge kann der Verein dort allerdings nicht machen: Oben ist gerade Platz genug für Büros. Die Objekt-Sammlungen, wie die des Braun-Designers Dieter Rams, bleiben privat deponiert. Weil Ausstellungsmöglichkeiten fehlen, werden die hauseigenen Sammlungen künftig auswärtig zur Ansicht kommen – das Intef wird Konzept und Wertobjekte liefern. Für komplexere Präsentationen sind die drei Räume im Erdgeschoss zu klein: Nur noch „Ausstellungsskizzen“ hätten dort Platz, wie Intef-Chef Schneider bedauernd sagt. Der hinterste Winkel der schlanken Stallungen ist nun den Alltagsfunden des Flohmarktfans Schneider gewidmet: jenen designerischen Schmuckstücken, beidenen nicht die Marke den Wert ausmache, sondern die Gestaltungsidee, erklärt er. Deren eigenwilliger Charme inspirierte Studenten der Mainzer Fachhochschule für Kommunikationsdesign samt Professorin zu einem Ausstellungsprojekt, das unter dem Titel „Design für Design – Vom Sammeln/Archivieren/Präsentieren“ als erste Schau die neuen Räume einweiht.
Dass nun Designer von morgen auf die 1952 als erstes deutsches Design-Institut gegründete Einrichtung reagieren, ihm ein auf aktuellem Typodesign basierendes Erscheinungsbild verpassen wollen, ist leider nicht viel mehr als eine anregende Idee. Zwar künden die Vorschläge, die auf Plakatentwürfen, einem Ideen-Wühltisch und mittels Video präsentiert werden, von Kreativität und Veränderungswillen. Doch um in der Realität zu landen, fehlt es entschieden an einem: den Finanzen.
Die prämierten Ideen prüfen wolle man schon, sagt Schneider, um später – vielleicht – einer von ihnen zum neuen Intef-Gesicht zu verhelfen. Doch vorerst bleibt Fiktion, was die Studierenden fürs Institut vorschlagen. Denn seit die Stadt Darmstadt ihren jährlichen Zuschuss von 24 000 Euro eingestellt und auch das Land Hessen nicht viel mehr als „leere Versprechen“, so Schneider, beisteuert, ist das Intef auf die Unterstützung von Privatsponsoren und der Prinz-Ludwig-Stiftung angewiesen. Die Suche nach weiteren Finanziers wird die dringlichste Aufgabe der neuen Ära des Intef.
Im Nachbarraum, dem zweiten Teil der Ausstellung, haben sich Studenten der kategorischen Sammelleidenschaft und deren Präsentation angenommen: Vom Muster gängiger Fußballtrikots über den Scherenschnitt von Herbstlaub bis zum Sammelsurium aus Urlaubserinnerungen wurden Dinge des Alltags gehortet, per Computerausdruck oder Zeichnung, als Collage oder in handlichen Büchlein aufgelistet und als Sammlung inszeniert. Da zeichnet sich schon eine neue Arbeitsweise am Intef ab: Bisher lernte man dort beispielsweise Eierbecher nicht nur funktional, sondern auch gemäß ihrer Ästhetik zu beurteilen. Jetzt kommt die Verantwortung der Produktgestaltung gegenüber Umwelt und Energiehaushaltung hinzu: „Das hat miteinander zu tun“ sagt Schneider, der die Zukunft des Instituts verstärkt im Diskurs mit den Bürgern sieht: jetzt, da das Institut derart nah dran ist am städtischen Leben.
Infos:
„Design für Design - vom Sammeln, Archivieren, Präsentieren“
Bis 10. Mai.2008
Instituts für Neue Technische Form
Friedensplatz 10
64283 Darmstadt
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag von 14 bis 19 Uhr sowie Sonntag von 14 bis 17 Uhr oder nach telefonischer Vereinbarung: 06151 48008.
Im Internet:
www.intef.de


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