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19. Dezember 2011  | Von Christoph Driessen

Hundert Tage, hundert Künstler

Kunst – Im Juni beginnt die Kasseler Documenta: Blick auf die Höhepunkte des Ausstellungsjahres 2012

| Vergrößern | Simon Spierer (1926–2005) in seinem „Wald der Skulpturen“, den er dem Hessischen Landesmuseum überlassen hatte. Das Darmstädter Haus ist wegen der Sanierung derzeit geschlossen, die einzigartige Spierer-Sammlung ist im kommenden Jahr in den Rüsselsheimer Opelvillen zu sehen. Archivfoto: Günther Jockel
BERLIN. 

2012 ist unter anderem das Jahr des Jugendstil-Meisters Gustav Klimt (150. Geburtstag). Für den muss man natürlich nach Wien, wo er fast sein ganzes Leben verbracht hat. Im Belvedere beginnt am 15. Juni die Jubiläumsausstellung „150 Jahre Gustav Klimt“. Dafür schöpft das Museum hauptsächlich aus eigenen Beständen. Die „Goldene Adele“ (1907), die große Klimt-Ikone, die Österreich nach jahrelangem Streit an die Erbin der früheren Besitzer zurückgegeben hatte, kehrt auch im Jubiläumsjahr nicht heim nach Wien. 2006 war sie für 107 Millionen Euro von dem Kosmetik-Unternehmer Ronald Lauder erworben worden und hängt seitdem in New York. Die Albertina und das Wien-Museum zeigen Klimt als Zeichner, das Leopold-Museum betrachtet „Klimt persönlich“.
Nach Wien könnte man also reisen. Und sicher auch nach London: Als Kontrastprogramm zu den Olympischen Spielen verspricht die Metropole „die beste Kunst und Kultur der Welt“ – Lucian Freud in der National Portrait Gallery, David Hockney in der Royal Academy, Yoko Ono in der Serpentine Gallery und Damien Hirst in der Tate Modern.
Deutschland feiert nächstes Jahr den 80. Geburtstag des „Picasso des 21. Jahrhunderts“, Gerhard Richter (9. Februar). Der zurückhaltende Künstler dürfte sich zu diesem Ereignis wie gewohnt rarmachen. Berlin übernimmt fast auf den Geburtstag genau die Gerhard-Richter-Retrospektive aus der Tate Modern (12. Februar bis 13. Mai). Zu sehen sind rund 150 Gemälde aus allen Schaffensperioden. Richters Geburtsstadt Dresden würdigt ihn vom 4. Februar bis zum 22. April mit einer Ausstellung im Lipsiusbau. Ebenfalls in Dresden feiert die Gemäldegalerie Alte Meister vom 26. Mai bis 26. August den 500. Geburtstag von Raffaels „Sixtinischer Madonna“.
Nach fünf Jahren wird Kassel 2012 wieder zum Zentrum der zeitgenössischen Kunst. Die 13. Documenta, die am 9. Juni eröffnet wird, holt 100 Künstler nach Nordhessen, darunter den Südafrikaner William Kentridge, den Iraner Rene Gabri und die Polin Goshka Macuga. Die Documenta läuft genau 100 Tage bis zum 16. September.
Aus dem Centre Pompidou in Paris wechselt im Februar „Edvard Munch – Der moderne Blick“ in die Frankfurter Schirn. Die Schau macht deutlich, wie stark Munch (1863–1944) von Film und Fotografie beeinflusst war. Der deutsche Malerstar Neo Rauch (51) beschäftigt die Hamburger Kunsthalle: Sie will sein Werk „erstmals in einen historischen und kunsthistorischen Zusammenhang“ stellen. Die Ausstellung vom 17. Februar bis zum 13. Mai soll zeigen, wie Rauch von früheren Malern beeinflusst wird.
Anselm Kiefer wird vom 10. Juni bis zum 16. September in der Bundeskunsthalle in Bonn präsentiert: Die etwa 30 Werke stammen aus Privatbesitz und sind deshalb selten zu sehen. Die Bundeskunsthalle widmet sich unter anderem auch dem Trickfilmstudio Pixar („Findet Nemo“) und dem British Museum: Etwa 200 Exponate sollen die enorme Spannbreite dieses ersten Nationalmuseums der Welt abbilden.
Der Ausstellungs-Höhepunkt in München dreht sich um das Frauenbild von Picasso, Max Beckmann und Willem de Kooning (30. März bis 15. Juli). „Das ist die größte und teuerste Ausstellung, die wir jemals in der Pinakothek der Moderne hatten“, sagt eine Sprecherin.
Der Darmstädter Ausstellungsbetrieb wird von zwei großen Kooperationen bestimmt werden. Gemeinsam mit dem Hessischen Landesmuseum zeigt die Kunsthalle ab 31. Januar „Schlachtpunk“ mit Malerei der achtziger Jahre. Das Institut Mathildenhöhe tut sich mit dem Internationalen Musikinstitut zusammen, das im kommenden Jahr die Ferienkurse für Neue Musik ausrichtet. Die Besucher können auf der Mathildenhöhe „A House full of Music“ erleben (13. Mai bis 9. September), eine Ausstellung, die den 100. Geburtstag des Komponisten John Cage ankündigt.
Ein Ausstellungsereignis der Region werden die Opelvillen bereithalten: Dort wird ab 9. Mai „Ein Wald der Skulpturen“ zu sehen sein, die von Simon Spierer nachgelassene Sammlung, die ihren eigentlichen Platz im Hessischen Landesmuseum Darmstadt hat – man wird gespannt sein können, wie die Rüsselsheimer Kuratorin Beate Kemfert die Werke in Szene setzen wird.


 
 
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