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10. Juli 2008  | Kirsten Liese

„Cassandras Traum“

Der neue Krimi von Woody Allen

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VERKRACHTE EXISTENZEN: Colin Farrell (links) und Ewan McGregor. (Foto: Constantin)

 

Terry und Ian sind verkrachte Existenzen. Der eine arbeitet in einer Autowerkstatt und hat ständig Spielschulden, der andere jobbt im Familienrestaurant und ist ein Hochstapler mit utopischen Zukunftsträumen.

Dank einer kurzen Glückssträhne können die Brüder ein Boot kaufen. Aber lange hält die gute Phase nicht an. Hohe Verluste beim Pokern treiben Terry in die Fänge gefährlicher Kredithaie. Allein der reiche Onkel Howard (Tom Wilkinson) könnte den beiden helfen. Der aber verlangt eine Gegenleistung: Die verzweifelten Einfaltspinsel sollen einen unliebsamen Geschäftspartner aus dem Weg räumen.

Die griechische Prophetin Kassandra, die dazu verdonnert war, die Zukunft vorherzusehen, ohne dass jemand ihr glauben würde, bedeutet jedoch nicht nur für Terry und Ian, die sich auf diesen Deal einlassen, ein schlechtes Omen, sondern auch für ihren Regisseur Woody Allen. Nach dem Misserfolg von „Cassandras Traum“ in den USA hatte der deutsche Verleih schon erwogen, den Streifen nur auf DVD zu starten.

Schön, dass er es sich doch noch anders überlegt hat, überrascht das Werk doch wie Allens jüngste Krimis „Match Point“ und „Scoop“ mit unvorhersehbaren, hoch spannenden Wendungen, wobei der düstere Soundtrack von Phil Glass eine Klasse für sich ist. Todernst erörtert Allen existenzielle Fragen, und das Ende, das er bereithält, ist rabenschwarz und hoffnungslos. Das soll man von ihm nicht sehen wollen?

Colin Farrell, der hier äußerlich und charakterlich verblüffend an den jungen Henry Hübchen erinnert, und Ewan McGregor, der wiederum Kenneth Branagh in seinen Jugendjahren ähnlich sieht, bilden ein grandioses Duo.

McGregor brilliert als britischer Sunny Boy, smart, kalt und rücksichtslos in seinem Wunsch, die kleine Welt des Elternhauses hinter sich zu lassen – notfalls auch über Leichen. Farrell dagegen wirkt labil, unsicher, innerlich zerrissen. Letztlich ist es wie in einer griechischen Tragödie: Terry und Ian wehren sich gegen ihr Schicksal, machen damit aber alles nur noch viel schlimmer.

Ab zwölf Jahren.

Mehr dazu unter www.cassandrastraum.film.de

 
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