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08. Januar 2010  | Von Johannes von der Gathen

„Die Schachspielerin“

Sandrine Bonnaire in einem leisen Emanzipationsdrama

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Sandrine Bonnaire als Hélène. Foto: Concorde-Film


Sie hat sich längst eingerichtet in ihrer häuslichen Routine, Überraschungen hält das Leben für Hélène (Sandrine Bonnaire) schon lange nicht mehr bereit. Ihren Job als Zimmermädchen in einem Ferienhotel an der korsischen Westküste absolviert sie mit engelsgleicher Geduld, die Ehe mit dem Hafenarbeiter Ange (Francis Renaud) ist in die Jahre gekommen, die fünfzehnjährige Tochter Lisa zieht es in die Fremde.

Aber eines Tages beobachtet Hélène auf dem Balkon ein amerikanisches Pärchen, das in eine Partie Schach vertieft ist, und von diesem Moment an fühlt sich die stille Frau von dem königlichen Spiel magisch angezogen. Ihre Welt besteht ab sofort aus 64 Feldern, ein Bezirk, in dem kein Weg an der mächtigen Dame vorbeiführt.

Die deutsch-italienische Regisseurin Caroline Bottaro erzählt in ihrem nuancenreich inszenierten Spielfilmdebüt die Geschichte einer Emanzipation, die nicht kämpferisch oder plakativ, sondern mit bedächtigen Zügen in die Tat umgesetzt wird. Dabei ist Bottaros atmosphärisch dichte Adaption des Romans ,,Die Schachspielerin" von Bertina Henrichs ganz auf die grandiose Hauptdarstellerin Sandrine Bonnaire zugeschnitten, die wieder einmal ebenso natürlich wie glaubwürdig auftritt.

Ihre Hélène ist infiziert vom Schachvirus, sie spielt nachts am Küchentisch gegen einen Computer, bevor sie in dem exzentrischen Eigenbrötler Dr. Kröger (Kevin Kline), bei dem sie eigentlich als Putzhilfe arbeitet, endlich den adäquaten Partner findet - nicht für erotische Seitensprünge, sondern immer nur für die Finten und Rochaden auf dem Brett, das ihr die Welt bedeutet.

Dabei wandelt dieser angenehm altmodische Schauspielerfilm, in dem die grandios zerklüftete Küstenlandschaft Korsikas einen schönen Kontrast zur strengen Quadratur des Schachspiels bildet, grandios auf dem schmalen Grat zwischen Betulichkeit und Poesie. Es kommt auf jedes Detail an: Ein Farbklecks, der an Hélènes Kleid hängenbleibt, als sie ihren Mann besucht, der gerade ein Boot anstreicht. Oder die geisterhafte Stille in der mondänen Villa des verwitweten Dr. Kröger, und immer wieder das entschlossene Gesicht von Sandrine Bonnaire, die mit energischer Geduld und Beharrlichkeit ihre Ziele erreicht - auf dem Schachbrett und in ihrem Leben.


Ohne Altersbeschränkung.

Mehr dazu unter www.dieschachspielerin.de

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