Noch einmal soll er sich erklären. David Wnendt (34) ist erschöpft, als er mit Darsteller Gerdy Zint und Komponist Johannes Repka ins Darmstädter Rex kommt. Es ist der Abschluss der Kinotournee mit seinem Diplomfilm von der Filmhochschule „Konrad Wolf“ in Potsdam. Vor dem erschreckenden Hintergrund der Zwickauer Terrorzelle mit der zurzeit inhaftierten Beate Tschäpe hat „Kriegerin“ schnell Furore gemacht: die Geschichte einer gewalttätigen Supermarktkassiererin (Alina Levshin), die sich der braunen Szene entfremdet.
Seit der Uraufführung beim Münchner Filmfest im Sommer 2011 hat Wnendt seinen Film immer wieder erläutert. In Darmstadt ist er erklärtermaßen ausgelaugt, wirkt fast ein wenig dünnhäutig. „Jeder hat da eine besonders starke Meinung, wie es eigentlich ist.“ Und dann kommen immer solche Fragen: „Ja, ist das denn wirklich so? Als hätte ich mir das an den Haaren herbeigezogen“, seufzt er im ECHO-Gespräch. Dabei hat er lange recherchiert.
Nach dem Abitur war Wnendt Ende der Neunziger unterwegs auf Fototour durch Ostdeutschland. Landschaft wollte er abbilden, doch was ihn irritierte, war die Jugend in den Dörfern, die bisweilen ganz offen rechtsradikale Positionen zur Schau stellte. „In jeder Kleinstadt gab es eine rechte Clique, die waren auch nicht isoliert. Die Jugend hat das Gefühl: Eigentlich steht die Bevölkerung hinter uns.“ Aus der Schule in Bonn kannte Wnendt sowas nicht. Zehn Jahre später, als der Filmstudent seinen Diplomfilm entwickelte, griff er seine alten Beobachtungen auf – mit dem Fokus auf Frauen in der rechten Szene. „Die wurden bisher unterschätzt, können aber genauso rassistisch und verbohrt sein wie die Männer“, sagt Wnendt. Im Internet suchte er Kontakt bei Plattformen wie „Odin Kontaktanzeigen“ und „Germania Dating“. Hunderte E-Mails schrieb er, es hagelte Absagen, Beschimpfungen, aber sechs Frauen ließen sich auf biografische Gespräche ein.
„Kriegerin“ läuft im Darmstädter Rex.


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