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Der Lautsprecher ruft, der Schauspieler folgt: Moritz Bleibtreu (links) als Joseph Goebbels, Tobias Moretti als Ferdinand Marian in „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. Foto: Concorde
DARMSTADT.
»Jud Süß« aus dem Jahr 1940 gilt als Prototyp des antisemitischen Hetzfilms. Im Auftrag von Propagandaminister Joseph Goebbels drehte Regisseur Veit Harlan (1899-1964) das Historiendrama über einen jüdischen Finanzrat im 18. Jahrhundert, der sein Land in die Schulden treibt, eine Christin vergewaltigt, ihren Mann foltern lässt und am Ende gehängt wird. Ohne pädagogische Einführung darf der Film heute nicht mehr gezeigt werden. In solch einem Rahmen ist er nun am Mittwoch (13.) mit einer Einführung durch Michael Kleinschmidt vom Institut für Kino und Filmkultur im Darmstädter Rex-Kino zu sehen - zum besseren Verständnis von Oskar Roehlers Künstlerdrama »Jud Süß - Film ohne Gewissen« über Ferdinand Marian, den Darsteller der Titelrolle.
Termine
»Harlan - Im Schatten von Jud Süß« läuft am Mittwoch (6.) um 20.45 Uhr Uhr im Darmstädter Rex, am 13. Oktober um 20.45 Uhr ist dort nach einer Einführung auch Veit Harlans »Jud Süß« selbst zu sehen.
Bereits morgen (6.) zeigt das Rex-Programmkino, ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem studentischen Filmkreis, die Dokumentation »Harlan - Im Schatten von Jud Süß«: Felix Moeller interviewt Mitglieder der weit verzweigten Harlan-Familie und weitere Zeitzeugen. In der schärfsten Opposition zu Vater und Großvater stehen der Sohn Thomas Harlan und die Enkelin Jessica Jacoby. Der Autor und Regisseur Thomas Harlan hat sich lebenslang kritisch am Vater abgearbeitet und bezeichnet »Jud Süß« als Mordinstrument. Die Filmkundlerin Jessica Jacoby wirft dem Großvater skrupellosen Perfektionismus im Dienste der Nazis vor.
Veit Harlan hatte sich vor Gericht gerechtfertigt, er wäre von den Nazis zum Filmemachen gezwungen worden. Dass er seiner zweiten Frau Kristiane Söderbaum eine Hauptrolle in »Jud Süß« verschaffte, läuft dieser Rechtfertigung jedoch zuwider.
So sehr sich die jüngeren Enkel des Regisseurs über groteske Plattitüden in »Jud Süß« wundern, so sehr missbilligt Caspar Harlan, der Sohn von Kristiane Söderbaum, die Kritik seines Halbbruders Thomas: Solche Differenzen müsse man in der Familie besprechen, sagt er, räumt dann ein, dass dies nie geschah. Wie hier ein Mann und sein Werk Generationen einer Familie beschäftigt und entzweit, das macht diese Dokumentation zu einem beispielhaften Stimmungsbild vom Umgang der Deutschen mit ihrer nationalsozialistischen Erblast.
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