Drei Dokumentationen von Absolventen der HDA hatten seit 2006 bereits den Hessischen Hochschulfilmpreis gewonnen. Im vergangenen Jahr holte Enkelejd Lluca die vierte Landes-Trophäe nach Dieburg. Doch diesen Coup schaffte er nun mit einem Spielfilm: „Frankfurt Coincidences“, auf dem Münchner Filmfest bereits mit dem Publikumspreis dekoriert, erzählt episodisch vom Multikulti-Leben in einem Altbau. Solch ein Projekt ist deutlich aufwendiger als eine Dokumentation. Das Wagnis hat sich gelohnt, der Film fand einen Verleih, soll am 19. April in die Kinos kommen.
„Frankfurt Coincidences“ war der längste und ausgefeilteste, aber nicht der einzige Spielfilm, den Absolventen 2011 vorstellten. Ein großer Schritt nach vorn für den Campus Dieburg. „Die Studenten lernen auch voneinander“, sagt Film-Professor Thomas Burnhauser. „Wenn einer mal den Mut hat, einen Spielfilm auszuprobieren, Schauspieler anzusprechen, ziehen andere nach. Dann rollt die Kugel, das Niveau steigt von Semester zu Semester.“ Was Kommilitonen vormachen, das werde von den Studenten „nicht selten offener angenommen, als wenn es ex cathedra gelehrt wird“, sagt der Dozent, der seit neun Jahren in Dieburg wirkt.
„Es brauchte Jahre, um die technischen Mittel an der Hand zu haben.“ In einer ehemaligen Maschinenhalle gibt es mittlerweile ein professionelles Studio mit digitaler Fernsehtechnik, an der Geräteausgabe versorgen sich Studenten mit digitaler Kamera-Ausrüstung verschiedener Systeme. Im vergangenen Jahr entstanden über zwanzig Abschlussfilme – das sind nicht zuletzt die medialen Visitenkarten der jungen Absolventen. Und dann noch all die filmischen Übungen in den Seminaren. Da kommen alles in allem schnell zwölf Stunden Film zusammen, sagt Burnhauser. Aber egal ob Doku oder Spielfilm: „Beim Film geht es immer ums Geschichtenerzählen, egal ob fünf oder 50 Minuten. Und es braucht Ideenreichtum und Durchsetzungsvermögen.“
Die Anfänge sind ermutigend. Mit den renommierten Filmhochschulen in München oder Potsdam-Babelsberg kann Dieburg jedoch noch nicht mithalten. Nicht wenige Bachelor-Absolventen ziehen weiter, um ihren Master anderswo zu machen. „Diese Leute würde ich natürlich gern hier halten“, sagt Burnhauser. Doch Hessen, wo traditionell Werbung, Postproduktion und Dokumentarfilm stark vertreten sind, ist als Medienland noch weit hinter München und Hamburg, Köln und Berlin zurück. Erst Ende der Neunziger entdeckte man hier das wirtschaftliche Potenzial der Branche.
Der Name „Mediencampus“ beschwört in Dieburg denn auch eher eine Vision: das Modell einer Medienkleinstadt mit Filmhochschulzweig und Medien- und Filmfirmen. „Ich würde mir wünschen, dass sich die Branche weiterentwickelt. Da ist noch Luft nach oben“, sagt Burnhauser. „Kein Vorsprung ist unaufholbar. Und Hessen hat Talente.“
Dieburger Mediencampus: Die Talente ziehen weiter
Vom Dieburger Mediencampus kommen immer wieder bemerkenswerte Arbeiten
DIEBURG.
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