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25. Juni 2011 Von Stefan Benz

Dieburger Filmstudent stellt Abschlussarbeit beim Filmfest München vor

„Das ist eine Leuchtturmproduktion für uns“, sagt der betreuende Professor Thomas Burnhauser

 
| Vergrößern | Heimliche Liebe: Erik (Benedikt Blaskovic) kauft täglich bei Najila (Teodora Djuric) einen Apfel – nur um ihr nahe sein zu können. Szene aus „Frankfurt Coincidences“. Die Produktion läuft beim Münchner Filmfest, wo bis zum 2. Juli mehr als 200 Streifen zu sehen sind. Foto: Lluca-Film
DIEBURG. 

Mit Dokumentationen sind Studenten der Hochschule Darmstadt schon länger erfolgreich. Mehrere Hessische Hochschulfilmpreise gingen bereits an Abschlussarbeiten vom Medien-Campus Dieburg. Nun ist erstmals ein Spielfilm beim Digital-Media-Studium herausgekommen: „Frankfurt Coincidences“ (Frankfurter Fügungen) ist ein Episodenfilm, der am Samstag (25.) beim Münchner Filmfest seine Uraufführung erlebt. Das Werk ist in den Kategorien Regie, Drehbuch, Produktion sowie mit drei Hauptdarstellern für Förderpreise nominiert. „Das ist eine Leuchtturmproduktion für uns“, sagt der betreuende Professor Thomas Burnhauser.
Regisseur und Autor Enkelejd Lluca (25) hat zusammen mit Kameramann Dennis Mill und den Kommilitoninnen Anne Walde und Janina Schimmelbauer als Produzentin und Set-Designerin ein Werk abgeliefert, das den urbanen Multikulti-Mikrokosmos in einem Haus verdichtet. Klischees geht Lluca dabei nicht aus dem Weg, er nimmt sie frontal: Türkischer Gemüsehändler muss schmollend erkennen, dass seine Tochter einen deutschen Filmbeleuchter liebt. Ein schwarzafrikanischer Asylbewerber, der nachts panisch aus Folterkellerträumen erwacht, bietet einer südostasiatischen Wohnungsprostituierten auf der Flucht vor ihrem Zuhälter Nachtasyl. Und ein trauriger Witwer, den sein Sohn ins Heim schicken will, tanzt einen langsamen Walzer mit dem Bild seiner Frau im Arm. Keine Angst vor Kitsch. Enkelejd Lluca schafft für alle seine Figuren eine Frankfurter Fügung mit Perspektive.
Es ist dem jungen Frankfurter, dessen Eltern als politische Flüchtlinge aus Albanien einwanderten, als der Sohn sechs Jahre alt war, ein Herzensthema: „Das Zugehörigkeitsgefühl ist für mich ganz prägend, weil ich mit zwei Kulturen aufgewachsen bin. Ich wollte das multikulturelle Frankfurt zeigen. Multikulti bringt die Frage nach Zugehörigkeit und nach Heimat mit sich, das kann ein Land, eine Liebe eine Familie betreffen.“ In seinem Film liegt hinter jeder Tür eine andere Heimat.
So wenig Figuren und Geschichten überraschen können, so bemerkenswert ist die Erzählweise des Altbekannten. Wirkt mancher Dialog bisweilen etwas aufgesagt, so ist die Bildsprache doch auf geschmeidige Weise mitteilsam. Je karger die Erzählung, desto besser der Film. In stummen Szenen ist er am schönsten. Dann studiert Kameramann Dennis Mill Gesichtslandschaften, schneidet Körper und Figuren an, beobachtet über Spiegel oder schwenkt vor Gewalt und Sex diskret weg. Und die Regie lässt Bilder lange stehen, zeigt stumme Begegnungen auch mal in einer langen Einstellung.

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Enkelejd Lluca hat am Campus Dieburg Film studiert. Foto: Lluca-Film
„Mit diesem Autor und Regisseur tritt jemand ans Licht der Öffentlichkeit, der nicht nur Geschichten erzählen kann, sondern auch etwas zu erzählen hat. Und er hat das Standing dafür“, sagt Thomas Burnhauser im ECHO-Gespräch. „In einer Zeit, wo wir von einer Bildflut erschlagen werden, erzählt hier mal jemand etwas ganz poetisch, lässt uns Dinge entdecken in den Bildern, lässt uns mit den Personen in Beziehung treten. Das ist wirklich eine Qualität“, schwärmt der Dieburger Filmlehrer über seinen Absolventen, den er über zwei Jahre bei der Projektentwicklung begleitete.
Dass es nicht nur ein Kurzfilm wurde, war filmischen Fügungen zu verdanken – sozusagen Dieburg Coincidences. Lluca stellte seine Pläne vor, Kommilitone Dennis Mill signalisierte Interesse. „Mit Dennis hatte ich vorher gar nicht zusammengearbeitet. Mit ihm konnte ich meinem Stil treu bleiben, lange Einstellungen, wenig Licht, nicht alles total hell. Er wusste genau, was ich mir vorgestellt hatte“, erinnert sich Lluca.
Und das alles mit einem Mini-Budget. „Es ist bargeldmäßig lächerlich im Vergleich zu den Filmen, mit denen er nun in München konkurriert“, sagt Burnhauser, der Fachmann für Filmproduktion. Rund 10 000 Euro wurden bei der Hessischen Filmförderung abgerechnet, hier noch ein paar tausend von Sponsoren, dort Gutscheine für Filmmaterial. Und dann Schauspieler, die auf der Basis von Rückstellungsverträgen arbeiten, also erst Geld kriegen, wenn der Film auch Geld einspielt.
Vom Festivalbesuch in München erhofft sich Jungfilmer Lluca denn auch vor allem Kontakte zu Verleihern und Produzenten. „Ich komme auch mit kleinem Budget klar, man kann jetzt nicht mehr auf Rückstellung arbeiten, ich muss ja auch selbst davon leben. Aber ich habe auch noch manches zu erzählen.“
So ungewiss die Zukunft des Frankfurter Absolventen ist, so verbessert sind die Perspektiven mit seinem Film nun für den Medien-Campus Dieburg. „Unseren Studiengang gibt’s ja noch gar nicht so lange“, sagt Thomas Burnhauser, der seit 2003 an der Hochschule unterrichtet. „Ein Spielfilm setzt ganz andere Ressourcen voraus als Dokumentationen. Vor zwei, drei, vier Jahren wäre das noch gar nicht möglich gewesen.“ Von München aus kann dieser Frankfurt-Film nun zurückstrahlen auf Dieburg.

 
 


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