Anfang des zweiten Jahrhunderts verschwand die neunte römische Legion aus den Geschichtsbüchern. Als Grund wird eine vernichtende Niederlage gegen das Volk der Pikten vermutet, die im heutigen Schottland jenseits des Hadrianswalls lebten und als unzivilisierte Wilde galten. Erst kürzlich zeigte Kevin MacDonalds „Der Adler der neunten Legion“ im Kino, welche unehrenvolle Schmach dieses militärische Versagen für das Römische Reich darstellte (zur Filmkritik).
Im Gegensatz dazu interessiert sich Neil Marshalls „Centurion“ (Constantin) mehr dafür, was die Konfrontation konkret für die Soldaten bedeutete und was sie im Kampf und auf der Flucht vor den vermeintlichen Barbaren durchmachten. Die letzten Überlebenden der Schlacht versuchen, sich durch das feindliche Gebiet zur rettenden römischen Grenze durchzuschlagen. Centurion Quintus Dias (Michael Fassbender) und seine Handvoll Männer werden dabei von der Pikten-Fährtenleserin Etain (Olga Kurylenko) und ihren Kriegern gnadenlos gejagt.
Regisseur Marshall („The Descent“) hat einen geradlinigen Sandalen-Kriegsfilm mit viel Action geschaffen, der sich mit seiner grau-blauen Winter-Atmosphäre ästhetisch an den Germanien-Sequenzen aus Ridley Scotts „Gladiator“ orientiert, allerdings wesentlich gewalthaltiger ist. Dabei hat die blutige Nonstop-Hatz auch noch beeindruckende Landschaftsaufnahmen, eine Liebesgeschichte und politische Intrigen zu bieten, die unterm Strich für einen hohen Unterhaltungswert sorgen.
Äußerst brutal und barbarisch geht es auch in dem Wikingerfilm „Walhalla Rising“ (Sunfilm) des Dänen Nicolas Winding Refn zu. In der Übergangszeit zum Christentum um etwa 1000 nach Christus geht es um einen namenlosen, stummen und einäugigen Krieger (überragend gut: Mads Mikkelsen), der wie ein Tier gehalten wird und in tödlichen Schaukämpfen stellvertretend für seine jeweiligen Besitzer gegen andere Männer antritt. Ein Kind, das als einziger Mensch eine rudimentäre emotionale Verbindung zu dem mysteriösen Krieger aufbaut, hilft ihm zu flüchten.
Gemeinsam schließen sich die beiden einer Gruppe von Kreuzrittern an, die über den Seeweg in den Nahen Osten wollen. Nach einer nebelumwobenen Irrfahrt landet das Schiff allerdings in Amerika, wo die Konfrontation mit den indianischen Ureinwohnern den längst von Wahnsinn befallenen Reisenden ein blutiges Ende beschert.
Unter Barbaren
Trotz seiner Härten handelt es sich bei „Walhalla Rising“ nicht um einen mittelalterlichen Abenteuer- oder Kriegsfilm. Regisseur Refn („Pusher“) hat stattdessen eine ästhetisch streng reduzierte Allegorie mit einer starren Kapitelstruktur geschaffen, die mit einer nahezu an Ödnis heranreichenden Sperrigkeit, annähernder Wortlosigkeit und unheilvoll dräuender Metal-Musik mehr an existenzialistische Kunstfilme von Andrej Tarkowskij oder Terrence Malick erinnert. Konsequenterweise gibt es daher auch keinerlei Erklärungen.
Viele werden nicht bereit sein, dieser fast schon halluzinatorischen Reise ins Herz der Finsternis bis ans Ende zu folgen. Wer es jedoch durchhält, weil er sich der verstörenden Faszination dieses außergewöhnlichen Werkes nicht entziehen kann, wird ein archaisch-verrätseltes Epos mystischer Dimension erleben, das – mit Vorbehalt – durchaus als nordische Jesus-Geschichte interpretiert werden kann.
Viele werden nicht bereit sein, dieser fast schon halluzinatorischen Reise ins Herz der Finsternis bis ans Ende zu folgen. Wer es jedoch durchhält, weil er sich der verstörenden Faszination dieses außergewöhnlichen Werkes nicht entziehen kann, wird ein archaisch-verrätseltes Epos mystischer Dimension erleben, das – mit Vorbehalt – durchaus als nordische Jesus-Geschichte interpretiert werden kann.
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