Wenn der Rentner Harry Brown (Idealbesetzung: Michael Caine) seine Wohnung verlässt, begibt er sich in eine Gefahrenzone. In seinem Viertel verbreiten drogendealende Jugendliche Angst und Schrecken. Als der beste Freund von Harry einem Brandanschlag der skrupellosen Gewalttäter zum Opfer fällt, beschließt der kriegserfahrene Ex-Elitesoldat, ihnen Paroli zu bieten. Er besorgt sich Waffen, lauert den kriminellen Jungs auf und richtet sie im Alleingang. Zwar hat er deswegen auch bald schon eine hartnäckige Polizei-Ermittlerin (Emily Mortimer) am Hals, doch als die Staatsgewalt eingreift, eskaliert die angespannte Situation vollends und wächst sich zu einem bürgerkriegsähnlichen Zustand auf den Straßen aus.
Daniel Barbers Debütfilm „Harry Brown“ (Ascot Elite) mag – wie ein Zitat auf dem DVD-Cover lautet – tatsächlich „die britische Antwort“ auf Clint Eastwoods „Gran Torino“ sein. Im Gegensatz zum versöhnlichen, leicht ironischen und auf Toleranz abzielenden Meisterwerk des amerikanischen Regisseurs handelt es sich dabei allerdings um einen zynischen Selbstjustiz-Rachethriller mit nihilistischer Atmosphäre, der überaus übel aufstößt. Denn wenn die Lösung Eliminierung statt Resozialisierung heißt, birgt das selbst brandgefährliches Gedankengut.
Gewalt auf den Straßen
Wie ein Vorhof der Hölle: Jugendliche und der Mob verbreiten Angst und Schrecken
Ebenfalls wie ein Vorhof der Hölle wirken die Londoner Straßen in Philip Ridleys „Heartless“ (Senator/ Universum). Denn hier treiben junge Gewalttäter genauso ihr Unwesen und ermorden wahllos Menschen. Auch die Mutter des wegen eines großen Feuermals im Gesicht zurückgezogen lebenden Jamie (Jim Sturgess) fällt den brutalen Bandenmitgliedern zum Opfer. Obwohl der introvertierte Außenseiter gerade eine Liebesbeziehung mit einer jungen Immigrantin (Clémence Poésy) eingeht, lässt er sich gleichzeitig auf einen dubiosen Handel mit Papa B (Joseph Mawle) ein, dem Boss der dämonischen Jugendgang – ein fataler Schritt, der Jamie vollends in einen tödlichen Strudel abdriften lässt. Philip Ridley („Schrei in der Stille“) hat sich seit seinem letzten Film 14 Jahre Zeit gelassen und eine eigenwillige Mischung aus Sozialstudie, Horrorfilm und Mystery-Thriller in der Tradition von „Angel Heart“ geschaffen. In dem düsteren, aber auch einfühlsamen Großstadt-Drama erweist sich die Gewalt auf den Straßen letztlich als Teil eines wahrhaft teuflischen Plans.
Der Däne Ole Bornedal („Nightwatch – Nachtwache“, „Bedingungslos“) zitiert zwar bereits mit dem Filmtitel „Deliver Us From Evil“ (Senator/Universum) das Vaterunser. Sein verstörender Rachethriller kommt aber ohne religiöse Anwandlungen aus und fußt lediglich auf archaischen Gewaltmustern, die sich auf fatalistische Weise fortpflanzen. Denn eigentlich ist alles, was passiert, ein einziges großes Missverständnis. Aber als die Wahrheit endlich ans Licht kommt, hat sich die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt schon längst verselbstständigt und ist nicht mehr aufzuhalten.
Der Däne Ole Bornedal („Nightwatch – Nachtwache“, „Bedingungslos“) zitiert zwar bereits mit dem Filmtitel „Deliver Us From Evil“ (Senator/Universum) das Vaterunser. Sein verstörender Rachethriller kommt aber ohne religiöse Anwandlungen aus und fußt lediglich auf archaischen Gewaltmustern, die sich auf fatalistische Weise fortpflanzen. Denn eigentlich ist alles, was passiert, ein einziges großes Missverständnis. Aber als die Wahrheit endlich ans Licht kommt, hat sich die Spirale aus Gewalt und Gegengewalt schon längst verselbstständigt und ist nicht mehr aufzuhalten.
Als die Frau des Dorfvorstehers (Mogens Pedersen) auf der Landstraße überfahren wird, einigt man sich schnell darauf, dass der muslimische Balkan-Flüchtling Alain (Bojan Navojec) die Tat begangen hat und dafür büßen muss. Weil der akademisch gebildete Gutmensch Johannes (Lasse Rimmer) und seine Frau Pernille (Lene Nystrøm) dem traumatisierten Mann Zuflucht in ihrem Haus gewähren, belagert der von Johannes’ nichtsnutzigem Bruder Lars (Jens Andersen) und dem Dorfvorsteher angeführte Lynchmob das Familienanwesen und fordert die Herausgabe des vermeintlichen Mörders. Die Situation entwickelt sich bald zu einem allgemeinen Blutrausch, in den es nahezu jeden der Protagonisten hineinzieht. Der Unterschied zwischen Gut und Böse wird dabei zunehmend fließend. Bornedal zwingt die Zuschauer auf perfide Weise zum Überdenken ihrer Vorurteile und stellt die Konzepte von Gerechtigkeit und Pazifismus auf eine harte Probe. Das ernüchternde Fazit: Der Mensch wird zum Tier – und kann nichts dagegen tun.
Dieses Thema kann nicht kommentiert werden.



Merken
|

















