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Die Belgierin Silvia Defrance spielt in ihrem experimentellen Animationsfilm mit menschlichen Hauptdarstellern selbst die Titelrolle Candy Darling. Der Film läuft am Samstag auf dem Weiterstädter Filmfest. Die Filmemacherin selbst beschreibt ihr Werk als „einen organischen Albtraum ohne Worte und mit hybriden Bildern“. Foto: Verleih
Es ist ein bizarres Märchen, das die belgische Trickfilmerin Silvia Defrance in einer Mischung aus Realfilm und Computerdesign erzählt. Mutter und Tochter, die fast so aussehen, als wären sie gerade aus dem ,,Moulin Rouge" rausspaziert, leben mit Kleinvieh aus Altmetall und einem Mann, der nur ein Kopf auf einem Stock ist, in einem Kraal. Die böse Mutter saugt alle Kerle ein, die sich der Tochter nähern und pflanzt auch sie auf Stäbe. Silvia Defrance zeigt finstere Metamorphosen zwischen sexuell gewalttätigen Männern und hexenhaftem Matriarchat - läuft am Samstag (14.) um 18.15 Uhr im Filmzelt (27 Minuten).
Mike und Alfred stehen wieder an ihrem Kölner Büdchen und lassen sich für einen Job rekrutieren. Markus Mischkowski und Kai Maria Steinkühler gehören mit ihrem Westend-Zyklus zu den Stammgästen in Weiterstadt. Die sechste satirische Episode zeigt, wie sich die beiden als Strandabschnitts eisverkäufer am Baggersee gegenseitig Konkurrenz machen. Ein pfiffiges Lehrstück in Sachen Wirtschaftstheorie - läuft am Samstag (14.) um 21.30 Uhr im Braunshardter Tännchen (zehn Minuten).
Supriyo Sen zeigt einen der großen Weltkonflikte aus Kindersicht: Wagah ist der einzige Grenzübergang zwischen dem indischen und pakistanischen Teil von Punjab. Dort wird die rituelle Schließung der Grenze zum Volksfest zwischen patriotischer Parade und nachbarschaftlicher Sehnsucht. Aus der Sicht eines kleinen Jungen, der sich als Straßenhändler sein Schulgeld verdient, löst sich der Streit der Atommächte spielerisch auf: ,,Vereint könnten wir mehr DVDs verkaufen und mit den Kindern dort spielen." Supriyo Sen findet in dieser Naivität eine Weisheit. - läuft am Samstag (14.) um 23.47 Uhr im Braunshardter Tännchen (15 Minuten).
Ein Häschen aus altem K.u.K.-Geschlecht soll ausgerechnet im geteilten Berlin sein Glück machen. Izabella Plucinska hat ihren Trickfilm mit dunkler Poesie der Geschichte eines Bilderbuchs von Irene Dische, Hans Magnus Enzensberger und Zeichner Michael Sowa nachempfunden. Eine melancholische Knetfigur mit Schlappohren hoppelt durch die große Stadt und findet das Paradies ausgerechnet im Todesstreifen - läuft um 1 Uhr in der Nacht zum Sonntag (15.) im Braunshardter Tännchen (25 Minuten).
So langsam und sanft wie möglich solle man sein Stück ,,Organ 2/aslsp" spielen hat der Komponist John Cage verfügt. In einer Kirche in Halberstadt haben sie 2001 damit angefangen, im Jahr 2640 soll der letzte Ton verklingen. Es ist Konzeptmusik, die wie ein Tinnitus klingt. Spielen sie in Halberstadt nicht doch zu schnell? Ist das überhaupt ein Konzert, wenn kein Mensch es je ganz hören kann? Ist das in 630 Jahren noch Avantgarde? Und könnte man nicht auch die ,,Kleine Nachtmusik" derart zerdehnen? Anca Mirna Lazarescu bringt in ihrer Dokumentation die philosophischen und irrwitzigen Aspekte dieses Unternehmens zum Klingen - läuft um 2 Uhr in der Nacht zum Sonntag (15.) im Braunshardter Tännchen (28 Minuten).
Drei Berliner Filmemacher zeigen, wie schön leicht es sein könnte, einen Konzern vorzuführen: Ihre Spott-Dokumentation handelt von urbanen Öko-Guerilleros, die dilettantisch gefälschte Videos von besoffenen Piloten und abgefallenen Fahrwerksteilen ins Internet stellen, um die Lufthansa-Aktie in den Sinkflug zu schicken. Eine sehr schelmische Art von Medien- und Kapitalismuskritik - läuft am Sonntag (15.) um 17 Uhr im Weiterstädter Filmzelt (sieben Minuten).
Alles läuft seinen gewohnten ruhigen Gang im Dorf. Für einen tatkräftigen Beamten (Johann von Bülow) heißt das: Es besteht dringender Regelungsbedarf. Und so montiert Polizist Paul eine Ampel an der Brücke im Niemandsland, verteilt Knöllchen, errichtet Straßensperren und kriminalisiert bald alle Autofahrer. Giulio Ricciarelli entfaltet den schwarzen Witz seiner Provinzposse auf sehr gemütliche Weise. Das hat das Publikum beim Rüsselsheimer Satirefilmtag im Juni mit dem ersten Preis honoriert, der an Regisseur Ricciarelli und die aus Mörfelden-Walldorf stammende Produzentin Sabine Lamby ging - läuft am Sonntag (15.) um 22.14 Uhr im Braunshardter Tännchen (14 Minuten).
Eine Ärztin kämpft gegen eine Miningitis-Epidemie im staubigen Westafrika. Doch die Antibiotikavorräte sind knapp. Der Schwester des kleinen Jaime kann sie nicht helfen, nur den Namen eines Medikaments schreibt sie dem besorgten Buben auf. Der Junge macht sich auf den Weg zur Apotheke, und das Schicksal nimmt seinen fatalen Lauf. Mike Viebrock erzählt ein staubiges Gleichnis von Medizin und Moral, Heilung und Ohnmacht - läuft um 1.30 Uhr in der Nacht zum Montag (16.) im Braunshardter Tännchen (28 Minuten).
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