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23. Juli 2012  | Stefan Benz

„The Dark Knight Rises“

Im Schatten des Massakers: Christopher Nolan schließt seine „Batman“-Trilogie ab

| Vergrößern | Schwarzer Ritter gegen Gladiator: Christian Bale trifft als Batman (rechts) auf Tom Hardy in der Rolle des Bösewichts Bane. Foto: Warner Brothers

Es ist die wohl großartigste Comicverfilmung überhaupt: „The Dark Knight“, dieses finstere Lehrstück des Terrors mit Heath Ledger als philosophischer Anarchist und Aaron Eckhart als Januskopf der Staatsgewalt. Das war 2005 ein Meisterwerk von Regisseur Christopher Nolan. Von diesem Erfolg hat sich Batman nicht mehr erholt.
Acht Jahre nach dem Tod von Joker und Harvey Dent, ist Bruce Wayne (Christian Bale) ein verkrüppelter Eremit, der in seinem Morgenrock ausschaut wie ein Tippelbruder. Der innerlich unbehauste Playboy im Vorruhestand humpelt knochensteif an Krücken, sein Alter Ego Batman ist außer Dienst, gilt in Gotham City als gesuchter Mörder. Der Superheld hat ausgedient, die moderne Stadt braucht einen Mäzen. Bruce Wayne fördert grüne Energie und soziale Projekte. Doch die Waisenknaben landen nach dem Heim als Obdachlose in der Kanalisation, der geheime Fusionsreaktor wird zur atomaren Zeitbombe, und der Wohltäter verliert sein Vermögen durch manipulierte Spekulationen. Wo alles doch so gut gemeint war. Doch im dritten Teil der Batman-Saga zeigt sich: Bruce Wayne ist ein gescheiterter Gönner. Von Ferne grüßt Barack Obama: No, he can’t!

Christopher Nolan, der das Drehbuch zu „The Dark Knight Rises“ zusammen mit seinem Bruder Jonathan und David Goyer, dem Ko-Autor der Trilogie, geschrieben hat, entwirft ein politisches Horrorszenario für Gotham City: Im Stadtgefängnis schmoren Schwerverbrecher wie in Guantanamo, bis die Anarchie ausbricht, das Volk den Knast stürmt, als wäre es die Bastille. Superschurken spielen „Occupy Wall Street“, stürmen die Börse, setzen als Warlords per Revolutionstribunal das Gewaltmonopol des Bösen durch. Fehlt nur noch, dass sie Guillotinen aufstellen. Gotham, dem New York, Los Angeles und Pittsburgh die Kulissen liehen, beschreibt der Film als „Failed State“: Willkommen in den Vereinigten Staaten, einem Land wie Afghanistan und Somalia.
Ambitionierter denn je will Christopher Nolan hier viel mehr als eine Comicverfilmung abliefern, er inszeniert ein soziales Experiment und formuliert über 160 Minuten einen Kommentar zur Lage der Nation. Und dass mit einem Helden, der an Action-Arthrose leidet. Batman hat keine Knorpel mehr im Leib, muss sich übel verdreschen lassen und sich auf halber Strecke mit Liegestützen und Rumpfbeugen wieder kampftauglich trimmen. Das ist mühsam – für Held und Publikum.
Die spektakuläre Auftaktsequenz erinnert noch an einen Bond-Film: Ein Flugzeug wird in der Luft gekapert, das Heck geknackt, die Tragflächen gekappt, und der Torso stürzt in die Tiefe. Das zeigt schon, wie grob das Böse hier wütet. Auf dem Höhepunkt sprengen die Schurken Gothams Kellergeschosse weg, was eine urbane Apokalypse nach dem Geschmack eines Roland Emmerich ergibt. Zwischen diesen beiden Sequenzen mit hohem Schauwert kommt die Geschichte jedoch nur sehr mühsam voran. Teil drei knüpft an „Batman Begins“ an, der auch darunter litt, dem Helden keinen guten Gegenspieler zu bieten.

Diesmal ist Bruce Wayne auch ein dramaturgischer Pflegefall, was dem Duett mit Catgirl denkbar abträglich ist. Da knistert nichts, so wie vor 20 Jahren, als Michelle Pfeiffer in „Batmans Rückkehr“ latex-lasziv und SM-sportiv Michael Keaton an die Wand spielte. Anne Hathaway („Plötzlich Prinzessin“) tritt als Meisterdiebin Selina Keyle bei einer Gala von Bruce Wayne zunächst als Kellnerin auf, die Krabbenschwänzchen serviert. Die Rolle steht ihr. Wenn sie sich mehr und mehr in Catwoman verwandelt, erinnert ihr Katzenöhrchen-Kostüm jedoch eher an die Hasenlöffel von Playboy-Bunnys. Bisweilen kommt Hathaway mit Hut auch wie Audrey Hepburn daher, was besser ausschaut. Als Holly Golightly mit Langfingern entwickelt sie Charme, wobei Christian Bale mit ihrer frechen Leichtigkeit wenig anzufangen weiß. Sein Batman muss sich schließlich mit einem Berserker messen: Bane heißt der Mann, was sich auf Wayne reimt wie Schlag auf Schlag. Entsprechend plump prügeln die beiden aufeinander ein.
Tom Hardy spielt den Grobian als Gladiator mit einer Gesichtsmaske, die auch Hannibal Lecter gefallen hätte. Diese seltsame Fetisch-Mode aber führt dazu, dass sowohl der Wüterich als auch der Fledermäuserich unter ihren Masken ganz grässlich röcheln. Das nervt bald, und man wünscht sich, dass die Regie beide erst zum HNO, dann zum Logopäden schicken würde, wo gewiss schon Darth Vader im Wartezimmer sitzt. Doch daraus wird nichts.
„The Dark Knight Rises“ bleibt umbefriedigend. Aufgepumpt mit Ambition, sackt die Story auf der langen Strecke zusammen. Beim Rückblick aus dieser Niederung erscheint der Vorgänger „The Dark Knight“ noch monumentaler. Am Ende winkt diesmal zwar schon Juniorpartner Robin, doch auf eine weitere Fortsetzung sollte man nicht hoffen. Nach Nolans Trilogie ist Batman in Ehren reif für Ruhmeshalle, Rente, Reha. Aber leider auch für die amerikanische Chronik des Massenmordes.

Ab zwölf Jahren.

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