Im kleinen Ort Swallow Falls ist die Wetterkarte auch die Speisekarte. Über dem Ort auf einer kleinen Atlantikinsel hagelt es Hamburger, Sandwiches und Steaks. Gegessen wird, was auf den Tisch fällt. Und wenn es Speiseeis schneit, dürfen die Kinder auch mal mit und im Essen spielen. Seit Tüftler Flint einen Satelliten in die Wolken gejagt hat, der Wasser in Nahrung verwandelt, ist das Eiland, auf dem es sonst nur Sardinen gibt, ein Schlaraffenland, auf dessen Straßen es aussieht wie in der Mülltonne eines Fastfoodlokals.Der zerstreute Juniorprofessor mit dem Comic-Eierkopf lässt McManna regnen. Das ist im Computertrickfilm von Chris Miller und Phil Lord zunächst mal ein guter Anlass, um vertikale Sensationen auch in 3D zu präsentieren. Wenn Cheeseburger und Hähnchenschlegel zur Erde rasen, entfalten die Raumbilder eine bizarre Dynamik von beträchtlichem Schauwert. Daran würde man sich bald sattsehen, wenn der Film, der ein illustriertes Kinderbuch aus den späten Siebzigern zur Vorlage hat, nicht auch Liebesgeschichte, Sozialkritik und Genreparodie auf dem Speiseplan hätte. Studierstubenhocker Flint verliebt sich in die Wetterfee Sam, die ein Superhirn unter ihrem Blondschopf versteckt. Erst baut er ihr einen Palast aus Wackelpudding, dann kämpfen sie gemeinsam gegen das immer monströsere Menü, das am Himmel dräut. Riesenhotdogs schlagen als krachende Kalorienbomben auf der Erde ein, und ein Spagettitornado rast heran. Da wird surreale Eat-Art zur Parodie auf Trash-Schocker der Fünfziger und Katastrophenfilme aus dem Popcornkino der Gegenwart. Als hätte Roland Emmerich ,,Das große Fressen" auf LSD gekocht, und Salvador Dalí dazu den Tisch gedeckt.Vor einem wachsenden Berg aus Essensresten wimmelt die Überflussgesellschaft. Da gibt es den superheldenhaften schwarzen Cop, den einfältigen Vater mit dem Walrossbart und den Fischerei-Metaphern, vor allem aber den gefräßigen Bürgermeister, der die Grenzen des Wachstums ignoriert und zu Kugelform anschwillt: die Gestalt gewordene Kritik an einer Konsumgesellschaft, die immer größere Portionen bestellt. Swallow Falls (frei übersetzt: Verschlingen, was runterkommt) ist eben auch ein Klein-Amerika mit fettsüchtigen Bewohnern, die Genfutter bejubeln. Der moralische Zeigefinger wird allerdings nur kurz gehoben und dann tief in den Schlund gesteckt. Während die poppig-bunte Animation anfangs Appetit macht, vergeht er einem am Ende, ohne dass die Botschaft moralinsauer aufstoßen müsste. Ja, dieses fette Augenfutter ist geschickt zubereitet und trefflich im Kino serviert: ein verschwenderischer Jux, bevor in drei Wochen die Fastenzeit beginnt - Trübe mit Aussicht auf Wassersuppe.
Ab sechs Jahren.
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