Eigenwilligen, exzentrischen Typen wie Marguerite (Sabine Azéma) und Georges (André Dussolier) begegnet man nicht alle Tage. Schon äußerlich ist die Zahnärztin und Hobbypilotin ein echtes Original mit ihren krausen, roten Locken und ihrer Piepsstimme. Und er, der etwas grauhaarige Pensionär, entwickelt sich zu einem Draufgänger mit skurrilen, brachialen Umgarnungsmethoden. Der Zufall will es, dass Georges die Brieftasche findet, die Marguerite geklaut wurde. Nicht uneigennützig gibt er sie bei der Polizei ab: Er hofft auf ihren Anruf und eine heiße Affäre. Nur leider erfüllen sich seine Erwartungen nicht. Im Gegenteil, als er anfängt, Marguerite hinterherzutelefonieren, serviert sie ihn brüsk ab. Das aber stört den ebenso aufdringlichen wie uncharmanten Verehrer kaum, er stellt ihr weiter nach, kassiert einen Korb nach dem andern, bis es nach einem Kinobesuch überraschend tatsächlich zu einem Treffen kommt. Von da an aber geraten die Dinge völlig außer Kontrolle. ,,Vorsicht Sehnsucht" warnt schon im Titel vor zuviel emotionalen Erwartungen von Mann und Frau, die sich auf das dünne Eis der Gefühle begeben. Allerdings muten so manche Entwicklungen derart bizarr an, dass man rätselt, worauf Alain Resnais (87) eigentlich hinaus will. Erst allmählich wird deutlich, dass es dem Altmeister, von dessen Inszenierung diesmal etwas Ungeordnetes, Zufälliges, Verspieltes ausgeht, um das Fantasieren als solches geht. Mit früheren Meisterwerken wie ,,Hiroshima mon amour", ,,Letztes Jahr in Marienbad" oder ,,Das Leben ist ein Chanson", in denen er der Psychologie seiner Figuren tiefer auf den Grund geht, möchte man seinen jüngsten Film zwar nicht auf eine Stufe stellen.
Doch eines muss man dem Franzosen lassen: Er bezeugt noch immer Esprit, Humor und Eleganz bei seinen Lektionen über Liebe, Freiheit und Fantasie. Seine Dialoge strotzen vor unterschwelligen Doppeldeutigkeiten, und es macht Spaß, in den filigranen Wortspielen auf unterschiedlichen Ebenen die wahren Bedeutungen zu lesen. ,,Vorsicht Sehnsucht", in Cannes 2009 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet, ist ein ironischer Beziehungsfilm, der sich nicht im Geringsten an Konventionen hält. Was ist Traum, was Wirklichkeit, was romantische Verirrung und was krankhafte Besessenheit? Es bleibt ganz der Interpretation des Zuschauers überlassen. Ab zwölf Jahren.
Mehr Informationen zum Film unter www.schwarzweiss-filmverleih.de. Mehr Videos zum Thema Kino:
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