Wenn ein Filmemacher nach über zehn Jahren eine seiner besten Ideen wieder aufgreift, muss der Zuschauer fürchten, dass dem Mann nichts Neues mehr einfällt. Vor allem, wenn dann noch eine umsatzträchtige 3-D-Fassung auf den Markt kommt, deren stereoskopische Technik eigentlich nur zu bemerken ist, wenn man im Kino mal die Brille abnimmt und die Bilder dann verschwommen erscheinen. John Lasseter (53), der 1995 ,,Toy Story", den ersten Computertrickfilm realisierte, dem 1999 Teil zwei folgte, hat nun den dritten Teil produziert. Doch erweist sich der Rückgriff auf den Klassiker der Neunziger vor allem als kluger Akt der Nostalgie. Da greift einer zu seinem alten Lieblingsspielzeug, das ihm längst ein geliebtes Andenken geworden ist. Entsprechend wehmütig lässt sich die von Michael Arndt (,,Little Miss Sunshine") entworfene Story auch an: Cowboyfigur Buddy, Superheld Buzz, das rosige Sparschwein, der grüne Dino mit dem Gemüt eines Hündchens und alle die anderen Figuren, die das Pixarstudio berühmt gemacht haben, sind arbeitslos: Im Kinderzimmer wird nicht mehr gespielt, aus dem Buben Andy ist ein angehender Student geworden. Seine abgeliebten Spielsachen bangen nun: Kommen sie als alte Spaßrelikte auf den Dachboden oder als Plastikschrott in die Mülltonne? Tatsächlich landen sie erst in einem Müllbeutel, dann in einer Pappkiste und schließlich in einer Kita. Das Spielzeug-Asyl sieht bei Tag aus wie ein bonbonbuntes Paradies und verwandelt sich nachts in einen Hochsicherheitstrakt, wo Kleinkinder den Spielfiguren monströs zusetzen und ein traumatisierter Teddy als Toy-Tyrann herrscht. Wie Regisseur Lee Unkrich hier Gangster- und Gefängnisfilm in einer packenden Travestie mit Spielzeug im nächtlichen Kindergarten zu kuriosem Leben erweckt, wie er am Ende eine Action-Apokalypse zwischen Abfallhalde und Müllverbrennung beschwört, offenbart sich die detailverliebte Begeisterung und liebevolle Spiellust des eingefleischten Kinofans. Da darf Barbie ihren Ken fesseln und seine Garderobe zerfetzen, T-Rex datet Dinos im Internet, Buzz Lightyear wird zum spanischen Flamenco-Romantiker, und die knubbelige Plastikkartoffel verwandelt sich in eine surreal-labberige Tortilla mit Augen und Ohren. Solche Einfälle sind es, die seit jeher den Pixar-Faktor ausmachen. Nun ist das 1985 gegründete Unternehmen 2006 vom größeren Geschäftspartner Disney geschluckt worden, und deshalb kann man in ,,Toy Story 3" sehr gut beobachten, wie stark hier auch der Disney-Faktor ausgeprägt ist. Es ist eine erstaunliche Emotionalisierung, die keine Berührungsangst mit dem Kitsch kennt. Schon der Anfang ist reines Melodrama, wenn die treuen Spielsachen spüren, dass ihre Zeit gekommen ist. Und am Ende beschwört der Film die unschuldige Fantasie und den naiven Kinderglauben im selbstvergessenen Spiel eines kleinen Mädchens. Diese Sentimentalität ist weit entfernt vom wilden Sarkasmus aus ,,Toy Story 2". Hier spürt man stets die Trauer der Erwachsenen um die verlorene Kindheit - und freut sich darüber, dass die Melancholie immer wieder aufgehoben wird durch die Ironie von Filmfreaks. In ,,Toy Story 3" ist das Beste aus beiden Kinderstuben vereint. Diese Spielsachen haben das große Herz von Disney und die unerschöpfliche Batterie vom Pixar. Ohne Altersbeschränkung.Mehr dazu unter www.disney.de/toy-story
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