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04. Juni 2010 Von Dirk Henninger

,,Splice"

Sarah Polley und Adrien Brody kombinieren als Bio-Ingenieure menschliches und tierisches Genmaterial

| Vergrößern | Ob es wohl beißt? Elsa (Sarah Polley) begutachtet ihre Schöpfung – eine Szene aus „Splice“, irgendwo zwischen „Alien“ und „Alvin und die Chipmunks“. Foto: Senator


Die besten Science-Fiction-Filme sind meistens solche, die nur einen Tick weiter in der Zukunft spielen und somit noch eine direkt nachvollziehbare Verbindung zum gegenwärtigen gesellschaftlichen und technologischen Stand der Dinge haben. Wenn sich dazu dann noch ein aktueller Anknüpfungspunkt ergibt, erweist sich das Genre als perfekte Spielwiese für Worst-Case-Szenarien und kann als Folie zur Abbildung gesellschaftlicher Ängste dienen.

Beim intelligenten Sci-Fi-Horrordrama ,,Splice" ist dies der Fall, denn der Titel (zu deutsch: Verflechtung) verweist auf die biotechnische Erschaffung einer künstlichen Hybrid-Lebensform. Der Starttermin könnte kaum besser gewählt sein, hat doch erst vor wenigen Tagen der US-Genetiker Craig Venter die erfolgreiche Entwicklung eines autonom lebensfähigen Organismus mit komplett künstlichem Erbgut verkündet. Das amerikanische Forscherteam schleuste ein synthetisch hergestelltes Genom in eine Zelle einer Bakterienart ein, sodass diese fortan nur noch die fremden Erbinformationen reproduzierte.

Die Arbeit wird zwar von Fachleuten als Meilenstein der Synthetischen Biologie betrachtet. Und Venter sprach von einem sehr schlagkräftigen Werkzeug beim Versuch, die Biologie dazu zu bringen, ,,das zu tun, was wir wollen". Doch es gab sogleich auch besorgte Stimmen, die vor einer Hochrisikotechnologie mit ungeahnten Folgen warnten. Diese Skeptiker dürften ,,Splice" sehr dankbar sein, denn der Film zeigt, was beim Experimentieren mit dem chemischen Baukasten des Lebens schiefgehen könnte.

Dabei fängt alles ganz harmlos an: Das junge Wissenschaftler-Paar Elsa (Sarah Polley) und Clive (Adrien Brody) sind so etwas wie Popstars der Bio-Technologie. Ihnen ist es gelungen, zwei künstlich aus Tier-Erbgut erzeugte Hybridwesen zu schaffen, mit denen sie die Forschungswelt beeindrucken. Doch als die öffentliche Präsentation der ,,Ginger" und ,,Fred" getauften Kreaturen in einem blutigen Desaster endet, entzieht die Firma Elsa und Clive das Projekt und degradiert die ehrgeizigen Bio-Ingenieure zu einfachen Labor-Angestellten.

Im Verborgenen experimentieren die beiden allerdings weiter und kombinieren menschliches mit tierischem Genmaterial. Das daraus entstehende, ,,Dren" genannte Lebewesen hat zunächst nur wenig menschliche Attribute. Aber es entwickelt sich sehr schnell und sieht bald schon wie ein kleines Mädchen aus. Deswegen fangen Elsa und Clive auch irgendwann damit an, es wie eine eigene Tochter zu behandeln. Damit beginnen jedoch die Probleme, und in der Folge entgleitet das Experiment den Wissenschaftlern völlig - was aber natürlich auch an den unbekannten Eigenschaften von ,,Dren" liegt.

Eingefleischte Genrefans könnten von der auch als Mischung aus ,,Species" und ,,Frankenstein" bezeichneten Geschichte, die Biohorror-Spezialist David Cronenberg sicher noch düsterer hinbekommen hätte, enttäuscht werden - zumal das von Delphine Chanéac verkörperte Hybridwesen während seiner pubertären Form ein wenig unglücklich an die isländische Sängerin Björk erinnert.

Doch der sich gekonnt zwischen Hollywood-Hochglanz- und B-Movie-Ästhetik bewegende Film des kanadischen Regisseurs Vincenzo Natali (,,Cube") punktet mit einer bisweilen ironischen Herangehensweise und lebt vor allem davon, dass er eben auch die ethischen Fragen der Wissenschaft thematisiert und konsequent durchspielt. ,,Splice" ist aber nicht nur eine moderne Variante des Mythos von der Büchse der Pandora oder von Goethes Zauberlehrling, sondern auch eine höchst interessante entwicklungspsychologische Studie und ein um den Ödipuskomplex herumgestricktes brisantes partner- beziehungsweise familientherapeutisches Experiment.

Ab 16 Jahren.

Mehr dazu unter www.splice.senator.de

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