Wenn Evelyn Salt Ärger im Büro hat, zieht sie die hochhackigen Schuhe aus und macht ihr taubengraues Businesskostüm zum Kampfanzug. Dann wirft die Dame mit dem hellen Schopf ihren Schlüpfer über die Überwachungskamera, mischt aus Haushaltsreinigern einen Sprengstoff und bastelt aus Büromöbeln und Feuerlöscher eine Panzerfaust, als müsse sie Rache nehmen für alle Blondinenwitze der Männerwelt. Miss Salt hat aber auch mächtig Ärger: Die CIA-Agentin wird von einem Überläufer beschuldigt, eine russische Spionin zu sein. Was der Informant da vorträgt, ist zwar eine krude Verschwörungstheorie um russische Schläfer, die jahrelang als Musteramerikaner leben, bevor sie für Sabotageakte und Attentate aktiviert werden. Dennoch flieht Agentin Salt lieber gleich durch das Bürofenster in den Untergrund.
Am Anfang muss sich die Hauptfigur noch den Vergleich mit Nackttänzerin und Doppelspionin Mata Hari gefallen lassen, doch dann darf Angelina Jolie mit Schrammen am Knie und Blut im Gesicht zeigen, dass sie einen knallharten Männerjob macht: Sie schlägt Haken wie Richard Kimble auf der Flucht und haut rein, als wäre sie mit Bruce Willis auf dem Aktivspielplatz groß geworden. Jolie muss mimisch nicht viel mehr tun, als bisweilen süffisant zu schmunzeln. Den Rest der Schauspielerei erledigt sie mit vollem Körpereinsatz. Mit der Frisur wechselt sie die Rollen. Mit langem schwarzen Haar ist sie eine Terminateuse, mit kurzem Schopf eine Action-Domina, die ebenso einsteckt, wie sie austeilt. Der australische Genre-Routinier Phillip Noyce (,,Der Knochenjäger") tritt gleich zu Anfang das Gaspedal durch und danach nie mehr auf die Bremse. Nur so lässt sich verhindern, dass der Zuschauer allzu lange nachdenken kann über das abstruse Drehbuch von Kurt Wimmer, die stereotype Nebenrolle von Liev Schreiber, der immer wieder den Kollegen geben darf, dem man alles zutrauen muss, und das undankbare Rollenfragment von August Diehl, der in irrlichternden Rückblenden als romantischer Spinnenforscher das Privatleben der Agentin markiert. Der Regisseur nimmt den Titel als dramaturgisches Rezept, serviert zwischen einem Attentat in einer Kirche und einer Schießerei mit trinkfreudigen Russen Schlag auf Schlag gesalzene Action. Auf raffinierte Würze wird dabei verzichtet. Die zweite Bedeutung von ,,Salt" ist dagegen eher programmatisch zu verstehen: In den Siebzigern kürzelte man so die Abrüstungsverträge zwischen Amerikanern und Sowjets. Die Russen machen mit Frau Salt nun das Gegenteil: Rüsten auf und heizen den Kalten Krieg wieder an. Es ist also Krawall von gestern, den Phillip Noyce da anzettelt. Aber das passt ja auch dazu, dass Angelina Jolie hier offenbar eine Zwischenprüfung in der alten Schule der Actionhelden ablegen will. Und das offene Ende lässt vermuten, dass sie auch versetzt wird - in Teil zwo, der gern auch etwas gepfeffert sein darf.Ab 16 Jahren.Mehr dazu unter www.salt-derfilm.de Mehr Videos zum Thema Kino:
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