Wir schreiben das Jahr 1987: Landei Sherrie rollt mit dem Greyhound-Bus auf dem Sunset Strip in Hollywood ein und verliebt sich in Drew, der im legendären Bourbon-Club arbeitet. Drew, der eigentlich Musik machen will, verschafft ihr in dem Rockschuppen einen Job als Kellnerin. Dann darf er als Vorprogramm für das durchgeknallte Rockidol Stacee Jaxx auf die Bühne und erregt das Interesse eines öligen Plattenbosses. Doch Bürgermeistergattin Patricia Whitmore will das Sündenbabel schließen und die Stadt von Sex und Rock’n’Roll säubern.
Tatsächlich gibt es von beidem reichlich, wenn auch in jugendfreier Version. Vor allem Tom Cruise müht sich mit vollem Körpereinsatz, einen versauten Rockstar zu spielen – und demonstriert, dass die Achtziger vielleicht die letzte Ära war, in der heterosexuelle Männer ihre Lust an extravaganten Fummeln ausleben durften. Mit lackierten Nägeln, engen Lederhosen mit betontem Gemächt, Pelzjacke und dicken Klunkern stilisiert sich Cruise zum dauerbrünftigen Sexsymbol, das von Groupies umringt ist und bei dessen Anblick die Mädels in Ohnmacht fallen.
Als Schnittmenge aus Axl Rose und Alice Cooper beweist der fast Fünfzigjährige, dass sein Verfallsdatum noch längst nicht abgelaufen ist. Sein lasziver Auftritt ist anfangs ein toller Knalleffekt, wirkt aber bald etwas humorlos. Und wo im Broadway-Musical Stacee noch ein rechter Stinkstiefel war, da wird der Macho im filmischen Happy End rehabilitiert. Toll sind auch Paul Giamatti mit Schnauzer und Alec Baldwin als Clubbesitzer mit Haarmatte. Wenn er sich unter Absingen romantischer Popnummern an seinen Kumpel – der Brite Russell Brand – anwanzt, erreicht die Komik ihren Höhepunkt.
Knackig sind auch Catherine Zeta-Jones als sittenstrenge Patricia und Malin Akerman als Reporterin des „Rolling Stone“-Magazins, die Stacee sehr nahe kommt. Country-Sängerin Julianne Hough als Sherrie und der Mexikaner Diego Boneta als Drew sind für die Romanze zuständig, und auch Rhythm-and-Blues-Star Mary J. Blige wird in die Handlung eingebaut. Mit Plattenläden, Walkman und festgesprayten Pudelfrisuren wird jüngeren Zuschauern das „Must-Have“ in der Jugend ihrer Eltern näher gebracht. Und schon drohen unter dem Einfluss von Plattenmanagern Boy Groups aus der Retorte dem ehrlichen Rock’n’Roll, der hier seinen Spitznamen „Hair-Metal“ zu Recht trägt, den Garaus zu machen.
Die Rockrevue präsentiert exakt jene Ohrwürmer, die im Radio bei Geburtstagswünschen für Vierzig- bis Fünfzigjährige rauf und runter laufen: zirka zwei Dutzend Songs und Medleys von „Def Leppard“, „Twisted Sister“, „Whitesnake“ und „Foreigner“ bis „REO Speedwagon“. Die etwas sterile, aber durchaus lecker angerichtete Hitparade zeigt, dass die Zeit gekommen scheint, die peinlichen Achtziger einer Revision zu unterziehen: Früher war nicht alles schlecht. Und das Temperament, mit dem die Schauspieler die alten Schätzchen vertonen, ist ansteckend. Wem hier nicht wenigstens der Fuß im Takt zuckt, dem ist nicht zu helfen.
Ab sechs Jahren.
Mehr dazu auf wwws.warnerbros.de.
Mehr Videos zum Thema Kino:Trailer zu den aktuellen Filmen sowie Interviews, Filmausschnitte und mehr gibt es im Video-Center von „Echo Online“.

Merken
|


















