Seit 30 Jahren ist es stets der gleiche Ablauf: Ralph versucht als Bösewicht eines Spielautomatenklassikers ein Hochhaus zu zertrümmern, und der kleine Felix flickt es wieder zusammen. Felix ist am Ende des Tages der strahlende Held. Ralph hingegen wird gemieden und muss auf einer Müllkippe hausen. Doch damit soll nun Schluss sein. Der Schurke möchte auch als Held gefeiert werden – wenigstens für einen Tag. Ralph bricht daher aus seinem Automaten aus und versucht in anderen Computerspielen sein Glück.
Für ältere Computerspieler gibt es jede Menge Nostalgie. Die frustrierte Titelfigur stammt immerhin aus einem Konsolenspiel, das nicht von ungefähr an Klassiker wie „Donkey Kong“ erinnert. Ralph ist das Relikt aus einer Zeit, in der die Heimcomputer noch C 64 hießen und alles etwas pixeliger und zweidimensionaler anmutete.
Der Kinofilm knüpft an diese veraltete Optik trotz modernster 3D-Animationstechnik vorzüglich an. Ralph und seine Kollegen bewegen sich bisweilen etwas ruckelig, während es bei den Figuren aus moderneren Spielen wesentlich detaillierter und flüssiger zur Sache geht.
Das gilt vor allem für eine Sequenz, in der sich Ralph in einem „Call of Duty“-Klon wiederfindet, wo er in einem apokalyptischen Zukunftsszenario gegen außerirdische Invasoren kämpfen muss. Die antiquierte Konsolenfigur weiß in diesem Augenblick kaum, wie ihr geschieht. So viel Stress und Hektik ist Ralph nicht gewohnt. Aber keine Sorge, das kriegerische Kapitel hält sich in Grenzen und ist in erster Linie eine bewusste Reizüberflutung. Den Großteil des Films versucht Ralph vielmehr in einem Auto-Rennspiel, eine Zuckerwatteversion von „Mario Kart“, zum Held des Tages zu werden.
Dort trifft er unter anderem auf die rotzfreche Göre Vanellope, mit der er sich trotz ihres vorlauten Mundwerks anfreundet. Der Film verwandelt sich dabei fast unmerklich in einen klassischen Disney-Weihnachtsfilm, in dem Themen wie Freundschaft, Mut und Loyalität im Vordergrund stehen. Unmerklich ist die Verwandlung auch deshalb, da die Dialoge zwischen Ralph und Vanellope alles andere als angestaubt wirken. Mit sehr viel Ironie und Zynismus nehmen sich der Kraftprotz und das niedliche Mädchen gegenseitig hoch.
„Ralph reicht’s“ ist ein gleichermaßen sympathischer wie turbulenter Spaß, in dem die Hauptrollen von Christian Ulmen und Anna Fischer gesprochen werden. Darüber hinaus gibt es auf der Leinwand ein kurzes Wiedersehen mit „Pacman“ und den legendären Pong-Strichmännchen. Ein wahres Fest für Computerspiel-Nostalgiker.
Ohne Altersbeschränkung.
Mehr dazu auf www.ralph-reichts.de
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